Ärzte Zeitung, 09.03.2011

Falschabrechnungen in Kliniken im Nordwesten?

Der vdek wirft den Kliniken in Niedersachsen fehlerhafte Abrechnungen vor. Die Kliniken reagieren empört.

Von Christian Beneker

HANNOVER. Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) und die Landesvertretung des vdek streiten über Falschabrechnungen. Nach Angaben des vdek sollen die Klinken 35 Millionen Euro im Jahr 2009 falsch abgerechnet haben. Die Krankenhausgesellschaft spricht dagegen von entstellend verkürzter Darstellung durch den Kassenverband.

Hanno Kummer, Sprecher der vdek Niedersachsen, erklärte, die Kliniken hätten etwa Patienten bei planbaren OPs unnötigerweise einen Tag vor der OP aufgenommen, nicht geleistete Beatmungsstunden berechnet oder Haupt- und Nebendiagnosen verwechselt.

Der vdek rechnete die Niedersächsischen Zahlen sogar auf den gesamten GKV-Bereich hoch. "Berücksichtig man den Anteil von Ersatzkassenversicherten an den Klinikbelegungen (36,5 Prozent), könnte damit der fehlerhafte Gesamtbetrag landesweit bei 96 Millionen Euro liegen. Das entspricht zwei Prozent des Budgetvolumens der niedersächsischen Kliniken", hieß es.

Die NKG argumentiert naturgemäß anders: Die Hochrechnungen beruhten auf einem Rechenfehler. Der vdek habe rund elf Prozent aller Rechnungen vorläufig beanstandet und diese genauer geprüft. Von diesen elf Prozent hätten sich aber nur 40 Prozent als fehlerhaft heraus gestellt.

Der vdek habe aber dann fälschlicherweise auf 40 von 100 Prozent aller Rechnungen hochgerechnet und nicht auf 40 von elf Prozent. Für die NKG "eine Frechheit." "Falsch", kontert Hanno Kummer, "der Schaden von 35 Millionen Euro beziehen sich auf die vier Prozent."

Die Auseinandersetzung hat es bis nach Berlin geschafft. Dort fragte SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann, wie falsche Klinikabrechnungen in Zukunft zu vermeiden seien. Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz (CDU), erklärte, dass im "Zusammenhang mit anstehenden Gesetzgebungsverfahren" eine Verbesserung diskutiert werden sollte.

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