Ärzte Zeitung, 16.03.2011

Suche nach Konzepten für Versorgung auf dem Land

Mehrere niedergelassene Ärzte schließen sich in "Kristallisationspraxen" zusammen - könnte das auch den Nachwuchs für eine Tätigkeit als Landarzt begeistern?

Suche nach Konzepten für Versorgung auf dem Land

Gesundheitskongress des Westens 2011: Suche nach Konzepten gegen den Landarztmangel.

© Schmidt-Dominé / WISO

ESSEN (iss). Die Kassenärztlichen Vereinigungen sollten niedergelassene Ärzte, die sich mit innovativen Konzepten in der Versorgung engagieren, gezielt unterstützen.

Stellt man den Ärzten Management-Know-How zur Verfügung und entlastet sie von organisatorischen Aufgaben, kann auch die Tätigkeit in ländlichen Regionen wieder attraktiver werden, glaubt Dr. Ansgar Arend, niedergelassener Allgemeinmediziner im westfälischen Coesfeld.

"Mein Traum ist die Bildung von Kristallisationspraxen", sagte Arend auf dem "Gesundheitskongress des Westens" in Essen. Mehrere niedergelassene Ärzte könnten sich dort zusammenschließen und von ihrem Standort aus mehrere Orte aus der Region versorgen, in denen keine Praxen sind.

Solche großen Praxen könnten dazu beitragen, über Anstellungsmodelle mit flexiblen Arbeitszeiten den ärztlichen Nachwuchs für die ambulante Tätigkeit auf dem Land zu gewinnen, glaubt Arend. "Wir müssten den Praxen auch wirtschaftlich unter die Arme greifen", sagte er.

Die Ärzte haben es selbst in der Hand, die künftige Versorgung auf dem Land sicherzustellen, sagte auch der Allgemeinmediziner Dr. Jens Grothues aus Beverungen. "Gestalten Sie, kooperieren Sie", forderte er die niedergelassenen Ärzte auf.

Grothues hat mit Kollegen in dem Ort mit 5000 Einwohnern ein Gesundheitszentrum aufgebaut, in dem vier Hausärzte und ein Orthopäde arbeiten. Weitere Fachärzte aus anderen Regionen mieten regelmäßig Räume für Sprechstunden an. "Wir haben es geschafft, dass die fachärztliche Versorgung in Beverungen funktioniert", berichtete er.

Die Ärzte sind mit hohen Investitionen in Vorleistung getreten. "Was wir brauchen, sind verlässliche Rahmenbedingungen", betonte der Arzt. Das betreffe auch das Honorar. Zwar sei die Vergütung nicht alles, aber die Ärzte bräuchten Honorarsicherheit, -transparenz und -gerechtigkeit. "Wir haben leider nie ein ruhiges Fahrwasser."

Für die KV Westfalen-Lippe (KVWL) sind solche Konzepte der Weg der Zukunft, sagte Vorstand Dr. Thomas Kriedel. "Wir brauchen verschiedene Modelle, um dem Nachwuchs zeigen zu können: Es gibt auch andere Möglichkeiten als die Einzelpraxis", sagte er.

Die KVWL suche gezielt Leuchtturm-Projekte, die sie künftig ausrollen kann. Die KV biete den Ärzten die betriebswirtschaftliche Beratung an. "Wir überlegen auch, ob wir Mitarbeiter qualifizieren, die für eine gewisse Zeit das Praxismanagement in solchen Modellen übernehmen", sagte Kriedel.

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