Ärzte Zeitung, 14.04.2011

Werbeoffensive für die Praxis auf dem Land

Eine breit angelegte Werbekampagne soll junge Ärzte im Norden aufs Land locken. Sonst droht auf den Dörfern ein Aderlass. Denn in den kommenden fünf Jahren werden vermutlich 900 Hausärzte ihre Praxis aufgeben. In der Weiterbildung zur Allgemeinmedizin aber sind zur Zeit nur 99 Ärzte.

Von Dirk Schnack

Werbeoffensive für die Praxis auf dem Land

Dieses Werbebanner postiert die KV Schleswig-Holstein vor den Unis in Kiel, Lübeck und Hamburg.

© Schnack

BAD SEGEBERG. "Sie haben das Zeug zum Landarzt": So gratuliert der "Typ-o-Med" Jungärzten, die sich zehn Fragen unter dem Motto "Was sind Sie denn für einer?" gestellt haben.

Noch nicht niedergelassene Ärzte können auf der Website (www.landarztleben.de) herausfinden, ob sie ein Stadttyp sind, aufs Land passen oder noch Gesprächsbedarf mit der Kassenärztlichen Vereinigung haben.

Die Fragen sind natürlich so gestellt, dass nicht viele Stadttypen bei diesem Test herauskommen ("Bringen Sie Stau und Parkplatznot aus der Ruhe?") - denn die KV im Norden sucht dringend Ärzte für die ländliche Versorgung.

In den kommenden fünf Jahren werden voraussichtlich 900 der 1900 Hausärzte in Schleswig-Holstein in den Ruhestand gehen. Derzeit sind aber nur 99 Ärzte in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner.

Um die jungen Ärzte zu überzeugen, hat die KV Schleswig-Holstein einige handfeste Argumente. KV-Chefin Dr. Ingeborg Kreuz nennt als Vorteile einer Niederlassung im Norden:

Keine Bereitschaftsdienste: die Teilnahme ist freiwillig und bleibt es auch, weil genügend Bewerber für die Dienste zur Verfügung stehen;

finanzielle Fördermaßnahmen, die auf Antrag aus einem gemeinsamen Strukturfonds mit den Krankenkassen finanziert werden;

flächendeckende Praxisnetze, die auch die Landärzte einbeziehen und damit kollegialen Austausch auch in der Fläche ermöglichen;

aufgeschlossene Kommunen, die um den Wert einer Arztpraxis in ihrer Gemeinde wissen und Niederlassungen entsprechend unterstützen.

Um potenziellen Praxisinhabern diese Vorteile überhaupt schmackhaft machen zu können, hat die KV die Kampagne Land.Arzt.Leben von Werbeprofis mit einem eigenen Logo entwerfen lassen. Mit ungewöhnlichen PR-Aktionen hofft die KV, die Aufmerksamkeit der jungen Ärzte auf sich ziehen zu können.

Auf der Website und in einem Flyer stellt die KV junge Kollegen vor, die positive Erfahrungen über ihren Schritt in die ländliche Niederlassung schildern. Als Applikation und in die Internetseite eingebunden ist eine Information nach Themenbereichen, die für eine Niederlassung wichtig sein können.

Ein großes Werbebanner auf einem Treckeranhänger macht auf die Website aufmerksam. Nach einigen Wochen vor der Kieler Universität wird der Anhänger in Lübeck postiert, auch Hamburg ist geplant.

Die dortige KV hat nach Angaben von Kreuz aufgeschlossen auf eine Anfrage reagiert, weil sich in der Hansestadt kein Ärztemangel abzeichnet. An den Unis werden außerdem DIN-A4-Bögen mit Abreißfunktion an den Pinwänden angebracht, um den Studenten Internetadresse und Telefonnummer für eine erste Kontaktaufnahme zu geben.

In den Mensen und Cafés auf den Campi dienen die Kaffeebecher mit dem Logo der Kampagne als Werbemittel. Auch eine Sprechstunde soll an den Unis eingerichtet werden: Promoter, die selbst Medizinstudenten sind, werden ihre Kommilitonen über die Chancen und Möglichkeiten einer Niederlassung auf dem Land informieren.

Praktizierende Landärzte werden in die Sprechstunden eingebunden. Streetbrandings und Lichtprojektionen gegenüber den Kliniken begleiten die PR-Maßnahmen.

Die KV will mit den ungewöhnlichen Aktionen über die Landesgrenzen hinaus eine positive Auseinandersetzung mit dem zunehmenden Bedarf an Ärzten erreichen. Dabei soll es nicht nur um Hausärzte, sondern um alle Fachrichtungen gehen.

Gezielt auf Frauen sind die PR-Aktionen übrigens nicht zugeschnitten. Der hohe Anteil unter den angehenden Ärzten hätte dies durchaus rechtfertigen können. Von den 99 Ärzten in Weiterbildung zum Allgemeinmediziner sind 65 Frauen.

[17.04.2011, 09:42:54]
Dr. Friedrich Wetzel 
Landarzt Nein Danke
Landleben an sich ist schön. Aber meist nur GKV-Patienten, dadurch niedrige pauschale Bezahlung, lange Arbeitszeiten, ungeregelte Freizeit, deshalb familienschädlich.
Zu häufige Nacht- und Notdienste, die mies bezahlt sind.
Wegen Wiederholungsrezepte der Fachärzte durch Budgetüberschreitung ständige Regressandrohungen bis über die Rente hinaus. Zunehmende nervende Bürokratie.

Also lieber in die Stadt: weniger Stress, geregelte Arbeitszeit und Bereitschaftsdienst. Also mehr Freizeit.

Deshalb wollten in Bayern hauptsächlich die Landärzte aus dem ungerechten System aussteigen ! zum Beitrag »

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