Ärzte Zeitung, 04.07.2011

KV Westfalen-Lippe will rote Laterne loswerden

Mit Regionalisierung alleine ist es nicht getan, warnen die Delegierten der KV Westfalen-Lippe. Sie fordern eine Aufstockung der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung, damit die Versorgung der Bevölkerung nicht in Gefahr gerät.

Von Ilse Schlingensiepen

KV Westfalen-Lippe will keine Ruhe geben

Die rote Laterne steht in Westfalen-Lippe, dort ist die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung im Bundesvergleich am niedrigsten.

© radarreklama / fotolia.com

DORTMUND. Die Rückkehr zu den regionalen Kompetenzen bei der Honorarverteilung darf erst nach einer bundesweiten Angleichung der Vergütungen umgesetzt werden. Das fordert die KV Westfalen-Lippe (KVWL).

"Ohne vorherige Konvergenz ist die Rückkehr zur Regionalität Betrug an der KVWL", sagte der Vorsitzende Dr. Wolfgang-Axel Dryden bei der Vertreterversammlung (VV) in Dortmund.

"Erst eine sockelwirksame Aufstockung unserer morbiditätsbedingten Gesamtvergütung je Versicherten unter Berücksichtigung der Morbidität lässt eine faire Weiterentwicklung zu", sagte Dryden. Hier sieht er die Krankenkassen in Westfalen-Lippe in der Pflicht.

Niedrige Arznei- und Heilmittelausgaben

Schließlich habe Westfalen-Lippe nicht nur die bundesweit niedrigste morbiditätsbedingte Gesamtvergütung, sondern auch die viertniedrigsten Arzneimittelausgaben und die niedrigsten Heilmittelausgaben. Für die Kassen sei die Versorgung also günstig.

Nach Einschätzung der KVWL wäre angesichts der Zuflüsse aus dem Risikostrukturausgleich das Saldo für die Kassen auch nach einer Anhebung der Vergütung auf den Bundesdurchschnitt noch positiv.

Die Ärzte in Westfalen-Lippe müssten Politikern und Bürgern deutlich machen, was es für die Versorgung bedeute, dass die Kassen ihre Mittel nicht zielgerichtet einsetzen, sagte Dryden. Die niedrige Vergütung halte Ärzte davon ab, sich in der Region niederzulassen.

Er verwies darauf, dass Westfalen-Lippe schon die niedrigste Hausarztdichte und die viertniedrigste Facharztdichte habe. "Wenn die Basis noch schwächer wird, ist die Versorgung der Bevölkerung in Gefahr."

VV-Mitglieder sollen selbst aktiv werden

Die KVWL habe bereits mit vielen Politikern Gespräche über das Thema geführt, sagte KVWL-Vize Dr. Gerhard Nordmann. Er forderte die VV-Mitglieder auf, selbst aktiv zu werden und sich an ihre Abgeordneten vor Ort zu wenden.

"Nur wenn wir die politischen Meinungsbildner informieren, werden wir in Berlin etwas erreichen können."

Der Vorsitzende der KBV Dr. Andreas Köhler hält es für richtig, dass die Ärzte in der KVWL in Sachen Konvergenz Druck machen. "Es darf nicht ruhig werden", forderte er. Ohne wahrnehmbaren Druck werde die Politik in dieser Frage nichts tun.

Wahrscheinlich muss das Gesetz durch den Bundesrat

Köhler sieht nach wie vor eine Chance für die Angleichung der Vergütung. Die Tatsache, dass das Versorgungsstrukturgesetz offensichtlich durch den Bundesrat muss, erhöhe die Chancen der Ärzte in den betroffenen Regionen.

"Durch die Zustimmungspflicht werden die Karten neu gemischt", sagte Köhler. Der Referentenentwurf sieht bisher keinen Passus zur Konvergenz vor.

Noch sei nicht klar, ob die Regelungen zur Konvergenz auf Bundes- oder auf regionaler Ebene zwischen Ärzten und Kassen verhandelt werden, sagte Köhler. Er werde jetzt noch mal mit den KVen diskutieren, was sie wollen.

"Ich habe das dumme Gefühl, es wäre besser, wenn die KBV es macht." Die für die Konvergenz notwendigen Finanzmittel werden aber nicht allein bei den Kassen zu holen sein, erwartet Köhler. "Wir brauchen die zähneknirschende Zustimmung der anderen KVen."

[04.07.2011, 18:26:21]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Schluss mit Schlusslicht!
Bei Mangel an Vertragsarztkompetenz in der Bundespolitik sei daran erinnert, dass die Kernkompetenz für Gesundheits- und Krankheitsfragen im föderalen System Ländersache ist. Beim 3. Jahreskongress der KVWL am 18.6.2011 wurde von der Landesgesundheitsministerin für NRW, Barbara Steffens, im grünen Schulterschluss mit der KVWL die Notwendigkeit einer bundesweiten Konvergenzregelung mit einheitlichem GKV-Vergütungsdurchschnitt bei Haus- und Fachärzten unterstrichen.

Patientenangepasste Systemstrukturen, wohnortnahe Primärarztsysteme mit sprechender, problemzentrierter Medizin, Zeit für ausführliche Anamnese, Untersuchung und Diagnostik bevor teure, belastende, Zeit und Ressourcen schöpfende Apparatemedizin zum Einsatz kommt, setzen eine bundesweit einheitliche Vertragsarztvergütung voraus. Damit nicht nur in NRW eine demografiefeste Versorgung im ländlichen Raum und in sozialen Brennpunkten durch höhere Fallzahlen kompensiert wird.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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