Ärzte Zeitung, 13.10.2011

Psychotherapeuten wollen maximal drei Wochen Wartezeit

KIEL (di). Die Psychotherapeutenkammer Schleswig-Holstein fordert, die Wartezeiten bei niedergelassenen Psychotherapeuten auf höchstens drei Wochen zu verkürzen. Um das zu erreichen, müsste die Zahl der niedergelassenen Psychotherapeuten deutlich erhöht werden.

Grund für die Forderung sind lange Wartezeiten auf einen Termin bei einem Psychotherapeuten in den ländlichen Regionen im Norden.

Nach Angaben der Kammer müssen Patienten in Ostholstein 23,5 Wochen auf einen Termin warten, dies ist fast doppelt so lang wie im Bundesdurchschnitt - und mehr als sechsmal so lang, wie die Kammer es für therapeutisch vertretbar hält.

Die Kammer kritisiert in diesem Zusammenhang die derzeitige Bedarfsberechnung, wonach auf dem Land vier Psychotherapeuten ausreichen sollen, um rund 100.000 Menschen zu versorgen - in der Großstadt dagegen werden auf die gleiche Bevölkerungszahl 38,8 Psychotherapeuten zugelassen.

Kammer: Jeder vierte Mensch auf dem Land psychisch krank

"Psychische Erkrankungen sind auf dem Land nicht neunmal seltener als in der Großstadt", erklärte die Kammer dazu.

Nach ihren Angaben leidet jeder vierte Mensch auf dem Land innerhalb eines Jahres an einer psychischen Erkrankung.

Würden diese Menschen eine leitliniengerechte und wohnortnahe Versorgung verlangen, blieben jedem Psychotherapeuten pro Patient nur wenige Minuten für eine komplette Behandlung. Eine psychotherapeutische Kurzzeittherapie dauert bis zu 25 Sitzungen à 50 Minuten.

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