Ärzte Zeitung, 16.10.2011

Perspektiven des Versorgungsgesetzes: Hoffnungsträger und Reformplacebo?

Perspektiven des Versorgungsgesetzes: Hoffnungsträger und Reformplacebo?

Die Auswirkungen der geplanten Gesundheitsreform werden in der Bundesregierung und bei Akteuren in Sachsen-Anhalt sehr unterschiedlich beurteilt.

MAGDEBURG (zie). Sinnvolle Reform oder Placebo? Beim Gesundheitsforum der AOK Sachsen-Anhalt "Landpartie für Ärzte -
(k)einer kommt mit" gingen die Erwartungen an das geplante Versorgungsstruktur-Gesetz weit auseinander.

Thomas Ilka, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, zeigte sich überzeugt, dass das Gesetz "speziell junge Ärzte bewegt, sich in unterversorgten ländlichen Regionen niederzulassen".

Diese Hoffnung hielt der Gesundheitsökonom Professor Dr. Stefan Greß aus Fulda für übertrieben: "Die Heterogenität der Versorgungslandschaft wird zunehmen", die Maßnahmen seien zu kurz gegriffen und speziell in unterversorgten Regionen wie Sachsen-Anhalt werde das Gesetz kaum Auswirkungen haben.

Greß plädiert für dezentrale Lösungen und regionale Versorgungsstrategien. In diesem Punkt weiß er sich eins mit Landesgesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD): "Wenn es in Dörfern keine Ärzte mehr gibt, fragen die Menschen uns und nicht in Berlin nach den Gründen, und von uns erwarten sie auch Lösungen."

Den Fachministerien auf Länderebene müsste ein größeres Mitspracherecht bei der Gestaltung des Gesundheitswesens eingeräumt werden, forderte Bischoff. Dass Eigenverantwortung in Sachsen-Anhalt durchaus Früchte trägt, hätten Land, Kassenärztliche Vereinigung und die AOK des Landes bewiesen.

Als Beleg verwies der Minister auf Stipendien für angehende Ärzte, die sich im Lande niederlassen wollen, oder auf die von der KV betriebenen Filialpraxen in strukturschwachen Regionen.

Jetzt kommt es nach Ansicht von Bischoff darauf an, die Kommunen bei der Besetzung verwaister Arztpraxen noch stärker ins Boot zu holen. Junge Ärzte fragten nicht nur nach dem Verdienst, sie wollen auch wissen, wie das soziale Umfeld aussieht: Kinderbetreuung, Freizeitangebote oder Arbeitsmöglichkeiten für den Partner seien wichtige Faktoren für eine Niederlassung.

Bedenklich empfindet Uwe Deh, seit Anfang Oktober geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes, dass im Gesetz klare Aussagen für Patienten fehlten. Dabei seien sie doch bei Problemen vor Ort zu allererst betroffen.

"Ich habe Zweifel, ob die beabsichtigte zentrale Planung den Anforderungen entspricht." Wichtiger wäre es gewesen, den Akteuren vor Ort Anreize zu geben, sich an Überlegungen für eine bessere Versorgung zu beteiligen. Eine überalterte Bevölkerung mit vielen multimorbiden Patienten benötige neue Versorgungskonzepte, an denen Land, Ärzte, Kommunen und Kassen mitwirken müssten, so Deh.

Dr. Burkhard John, Vorstand der KV Sachsen-Anhalt, möchte auf diesem Weg Filialpraxen zu vernetzten Versorgungszentren ausbauen. "Hier können im Wechsel verschiedene Fachärzte, die bei der KV angestellt sein können, praktizieren." Im Prinzip handele es sich bei Filialpraxen um dezentrale MVZ, erläuterte John.

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