Ärzte Zeitung, 10.11.2011

Notarzt-Hubschrauber vor Gericht

Im Norden sorgt ein Hubschrauber für Wirbel. Vier Menschenleben wurden dank KUNO-SH 01 schon gerettet, doch die Kassen wollen nicht für den Notarzt-Hubschrauber zahlen. Jetzt will der Betreiber vor das Sozialgericht ziehen.

Von Dirk Schnack

Hubschrauber für die notärztliche Versorgung

Der Notarzt kommt im Norden künftig auch per Hubschrauber. Die Krankenkassen halten das allerdings nicht für erforderlich.

© Dirk Schnack

NORDERSTEDT. Der Probebetrieb für den umstrittenen Notarzthubschrauber KUNO-SH 01 ist beendet. Ob es zum Regeleinsatz kommt, wird wohl politisch entschieden.

"Unser Hubschrauber hat vier Menschen das Leben gerettet", sagt Florian Gottschalk. Der Sprecher der gemeinnützigen Organisation KBA ist überzeugt, dass KUNO SH-01 notwendig ist und weiterhin verletzte Menschen versorgen sollte.

Die Kassen haben an ihrer ablehnenden Haltung nichts geändert. Die beiden Parteien haben sich auch im Laufe des jetzt beendeten dreimonatigen Probebetriebs nicht angenähert.

Evaluation bis Januar

In diesem Zeitraum war der Helikopter insgesamt 64 Mal im Norden Hamburgs im Einsatz. In einigen Fällen wäre nach Darstellung Gottschalks andere Hilfe für die Betroffenen zu spät gekommen.

Die KBA lässt den Helikopter-Betrieb nun wissenschaftlich auswerten und will im Januar Ergebnisse präsentieren.

Gottschalk sieht darin eine wertvolle Hilfe für eine von der KBA angestrebte politische Entscheidung, weil die Krankenkassen Notärzte auch weiterhin ausschließlich über die Straße zu den Verletzten bringen lassen wollen.

Per Helikopter geschieht dies bislang ausschließlich in einer deutschen Region, in Bad Doberan.

Finanzierung durch Sponsoren

Der dreimonatige Probebetrieb hat gezeigt, dass Kuno SH-01 nur im Kreis Segeberg gerufen wurde. Andere Leitstellen im Norden hatten die Anweisung, den Helikopter nur einzuschalten, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind.

KBA hatte für den Probebetrieb Sponsoren gewonnen. Nachdem die Kassen sich nicht gesprächsbereit gezeigt hatten, will die Organisation die Einsätze nun abrechnen und dafür das Sozialgericht einschalten.

Der Notarzthubschrauber transportiert keine Verletzten und ist nicht vergleichbar mit Rettungshubschraubern. Der Einsatz von KUNO SH-01 hatte bundesweit Aufmerksamkeit erzeugt.

Die KBA hat für das Projekt einen Health Media Award für den "Best Special-Health Event" erhalten, weil es nach Jury-Meinung "in besonderer Weise auf die sich zuspitzende Verschlechterung der notärztlichen Versorgung insbesondere in ländlichen Gebieten aufmerksam" gemacht hatte.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »