Ärzte Zeitung, 24.11.2011

Montgomery wettert gegen Schlechtreden des Arztberufs

Die Ärzteschaft wird von ihrer eigenen Negativ-Propaganda eingeholt, warnt BÄK-Präsident Dr. Frank Ulrich Montgomery. Nachwuchs gewinnt man mit positiven Botschaften. Für den Präsidenten der Bundesärztekammer ist der Norden hierfür Vorreiter.

Von Dirk Schnack

Montgomery wettert gegen Schlechtreden des Arztberufs

Dr. Frank Ulrich Montgomery: "Wir werden von unserer eigenen Propaganda eingeholt"

© dpa

KIEL. Die Nachkriegsgeneration lebte, um zu arbeiten. Die Generation Golf arbeitete, um zu leben. Die heute in den Beruf startende Generation will beim Arbeiten leben: Auf diese Formel verkürzte Montgomery beim Parlamentarischen Abend der KV Schleswig-Holstein die sich verändernde Lebenseinstellung der Generationen.

Kritik verband der Präsident der Bundesärztekammer mit dieser Beobachtung nicht - keine Generation habe der nächsten ihre Lebenseinstellung vorzuschreiben, so Montgomery in Kiel.

Die wandelnde Einstellung der Menschen zur Arbeit, die Folgen des Arbeitszeitgesetzes und der steigende Anteil von Frauen in der Medizin sind für ihn wesentliche Gründe dafür, dass trotz steigender Arztzahlen heute mehr Ärzte gesucht werden als früher.

Weniger Jahresarbeitszeit heißt, es müssen mehr Köpfe her

Weil Beschäftigte heute rund ein Drittel weniger Jahresarbeitszeit zur Verfügung stellen als in den Aufbau- und Wachstumsjahren der Republik, müssen deutlich mehr Köpfe her. Die bekommt man aber nicht durch Negativberichterstattung, gab Montgomery in Kiel zu bedenken.

Kritik an Missständen hält er zwar für berechtigt, nicht aber ein dauerhaftes Schlechtreden des Berufes. "Wir werden von unserer eigenen Propaganda eingeholt", beschrieb Montgomery die derzeitige Situation.

Statt düstere Perspektiven zu skizzieren, wie es nach seiner Beobachtung manche Berufsverbände tun, hält er positiv besetzte Kampagnen wie die der gastgebenden KV für die Landarzttätigkeit für den richtigen Weg.

"Für Ärzte gibt es keine Zukunftsangst, das ist einer der sichersten Berufe überhaupt", nannte Montgomery einen möglichen Ansatzpunkt für positive Botschaften.

Selbstverwaltung sollte Initiative zeigen

Fest steht führ ihn, dass die Gesundheitspolitiker dieses Problem nicht alleine lösen können. Infrastruktur- und kommunalpolitische Fragen müssten einbezogen werden.

Und statt auf die Politik zu warten oder zu schimpfen, sollte die Selbstverwaltung Eigeninitiative zeigen - auch hier sieht Montgomery die Nord-Kampagne als Vorbild. Nichts Positives kann er dagegen den aktuellen Auseinandersetzungen zwischen den KVen, die sich in verschiedenen Fraktionen über Honorarfragen streiten, abgewinnen.

Montgomery warnte in diesem Zusammenhang vor der Gefahr, sich in innerärztlichen Grabenkämpfen zu verzetteln. Dies sei die "böse Saat" früherer Gesundheitspolitik mit dem Ziel, dass "wir alle übereinander herfallen".

[24.11.2011, 11:34:16]
Dr. Jürgen Schmidt 
Rhetorik ist noch keine Politik
Man darf es einem Ärztekammerpräsidenten nicht übelnehmen, wenn er sich bei solchen Gelegenheiten mit berufspolitischem smalltalk begnügt, man darf es nur nicht überschätzen. Wenn aber - um die Eintracht nicht länger zu stören - die innerärztlichen Grabenkämpfe als böse Saat einer früheren Gesundheitspolitik interpretiert werden, lohnt es sich nicht mehr, noch weiter zuzuhören.

Die wirklichen Gefahren sind andere. Der bevor stehende wirtschaftliche Abschwung, ein wahrscheinlicher Regierungswechsel, mit einer anderen Gesundheitspolitik, vor allem aber der fehlende Realitätssinn der Ärzteschaft für politische Entwicklungen deuten auf harte Zeiten, die bevor stehen. Darüber sollte beizeiten nachgedacht werden.

Die harten Themen vermeiden und Konflikte weichspülen, das zählt nicht zu den Beweisen berufspolitischer Kompetenz.  zum Beitrag »
[24.11.2011, 09:57:29]
Lutz Barth 
Die Zeit der "leisen Töne" scheint vorbei zu sein!
Nun – die Öffentlichkeit dürfte von dem Engagement des Präsidenten der BÄK mehr als beeindruckt sein. Die Zeit der „leisen Töne“ scheint vorüber und der als eloquent und durchaus streitbar geltende Präsident der BÄK läuft zu „Hochtouren“ auf.
Die Worte scheinen wohlgesetzt zu sein: Nicht das er irgendeiner Generation etwas vorschreiben wolle, aber seine Befürchtung, dass sich die Ärzteschaft in „innerärztliche Grabenkämpfe“ verzetteln könnte, lässt dann doch aufhorchen. Dies sei die „böse Saat“ früherer Gesundheitspolitik und was liegt es da näher, so mein Eindruck, dass die BÄK über die ärztlichen Selbstverwaltungskörperschaften nach mehr „allgemeinpolitischer Macht“ strebt.

Die Gesundheitspolitiker werden es nicht alleine richten können und da ist vor allem die Ärzteschaft gefragt. Nun – ein mehr an gesundheitspolitischem Engagement eröffnet so den Ärztefunktionären freilich auch die exklusive Möglichkeit, sich einiger politischer Spielregeln zu bedienen. Dort, wo Grabenkämpfe zu befürchten anstehen, kann dann im Zweifel die BÄK als Arbeitsgemeinschaft und damit oberste Sachwalterin der „gesundheitspolitischen Ausrichtung“ schon einmal an die „Fraktionsdisziplin“ erinnern und ein Schelm ist derjenige, der in diesem Zusammenhang an einen doch autoritativ wirkenden Titels eines „Zuchtmeisters“ denkt.

Nun – wir werden sehen, wie die freie Ärzteschaft hierauf zu reagieren gedenkt. Das „allgemeine“ Staatsvolk wird sich indes die Frage stellen, ob hier nicht die Grenzen der demokratischen Legitimität erreicht sind, wenn und soweit über Gebühr eine kleine handverlesene Schar von Ärztefunktionären meint, ein allgemeines „gesundheitspolitisches Mandat“ wahrnehmen zu wollen, wobei freilich nicht ausgeschlossen ist, dass das Engagement noch ausbaufähig ist!
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