Ärzte Zeitung, 25.11.2011

GBA-Chef sieht bei Delegation die Kassen am Zug

Die vom Bundesausschuss geschaffene Möglichkeit, ärztliche Aufgaben auf Kranken- und Altenpfleger zu übertragen, sollte nun auch erprobt werden.

BERLIN (fst). Bei Modellvorhaben zur Delegation oder Substitution ärztlicher Leistungen durch qualifizierte Pflegekräfte liegt nun der Ball bei den Krankenkassen, sagt der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Dr. Rainer Hess.

Falls das Bundesgesundheitsministerium die - noch nicht in Kraft getretene - Richtlinie passieren lässt, sei es an den Kassen, mit Leistungserbringern Modellvorhaben zu vereinbaren, schreibt Hess im aktuellen Newsletter des GBA.

Richtlinientext beschreibt positiv die jeweiligen Verantwortungsbereiche

Der Ausschuss-Chef würdigte, dass der Beschluss im Oktober einstimmig auch mit Zustimmung der Patientenvertreter erfolgt sei.

Der Richtlinientext arbeite sich nicht an den "verbrauchten begrifflichen Gegenpolen" Delegation und Substitution ab, "sondern beschreibt positiv die jeweiligen Verantwortungsbereiche und grenzt sie rechtlich voneinander ab, ohne die im Interesse der Patienten ohnehin notwendige Kooperation zu gefährden", skizziert Hess den Kompromiss.

Die Modellversuche sind auf die Indikationen Bluthochdruck, Demenz, chronische Wunden sowie Diabetes Typ 1 und 2 beschränkt. Diagnose und Indikationsstellung blieben "eindeutig in der Verantwortung des Arztes", gleiches gelte für den Therapieplan.

Sache der Vertragspartner welche Tätigkeiten einbezogen werden

Der zu erstellende Tätigkeitskatalog beschreibe dann sowohl diagnosebezogene Leistungskomplexe als auch Einzeltätigkeiten wie Infusionstherapie oder Injektionen. Zusätzlich werde auch der Umfang der Tätigkeiten festgelegt.

Wie weitgehend Leistungen von Nicht-Ärzten vorgenommen werden dürfen, bestimme sich auch durch Qualifikationsanforderungen. Nun sei es Sache der Vertragspartner, auf Grundlage der Richtlinie auszuwählen, "welche Tätigkeiten sie im konkreten Modellversuch auf lokaler Ebene einbeziehen und zu einem Versorgungsmodell bündeln wollen".

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