Ärzte Zeitung, 06.12.2011

Steigt Impfquote, wenn die Regresse fallen?

BAD SEGEBERG (di). Eine bessere Impfquote durch Aufhebung der Regresse: für die Ärztegenossenschaft Nord ist diese Formel realistisch, weil Ärzte derzeit auf den Kosten für unverbrauchte Impfdosen sitzen bleiben.

"Alle klagen über Defizite in der Versorgung und ein Schuldiger ist auch schnell gefunden - der Arzt", kritisierte Genossenschaftschef Dr. Klaus Bittmann Diskussionen über die Gründe für die derzeitigen Impfquoten.

Bittmann hält eine starke Verunsicherung der Ärzte durch anhaltende Regressdrohungen in diesem Zusammenhang für ein wichtiges Hindernis.

Ärzte stehen dabei vor dem Problem, die für ihre Patienten benötigte Menge an Impfstoff vorab einschätzen zu müssen. Je größer die bestellte Menge, desto preisgünstiger wird der Impfstoff.

Dies ist im Interesse der Krankenkassen, die jedoch Regresse vom Arzt einfordern, wenn der Impfstoff nicht verbraucht wird.

"Also wird der Arzt deutlich weniger Impfdosen bestellen und lieber nicht alle Patienten ansprechen oder teure Einzelverordnungen rezeptieren", schilderte Bittmann die Folgen der Regressdrohungen für die Impfquote.

Er forderte mehr Freiheit im System: "In Deutschland muss immer alles so lange reguliert werden, bis es nicht mehr funktioniert."

[07.12.2011, 10:29:52]
Dr. Andreas Petri 
falsche Anreize zur Steigerung der Impfbereitschaft
Den Wegfall von Regressen für zuviel georderte Impfungen (kenne keinen einzigen Fall) oder budgetüberschreitende Medikamente würde ich begrüßen. Meiner Ansicht nach steigert das aber nicht die Impfquoten.

Eine gut organisierte Impfpraxis wird selten zuviele Impfungen bestellen. Die schlecht Organisierten, die nach meiner Einschätzung auch nur inkonsequent impfen, haben dann mal am Ende der Grippe-Saison 200 Impfdosen zuviel (mündliche Mitteilung von 2 Arzthelferinnen einer allgemeinmedizinischen und internistischen Praxis).

Ich halte es für einen Fehler, dass bei Impfungen weder vorbildliches Impfen noch schlamperhafte Organisation mit Verfall von Impfungen folgenlos bleibt. Die Impfungen sollten besser honoriert werden, aber es sollte kontrolliert werden, wenn massenhaft Impfungen nicht zugeordnet werden können.

Die "Schweinegrippepandemie" war ein Sonderfall, wo die Lieferzeit für die Impfungen zu lang waren, die 10er Packungen unpraktikabel, und die Warteliste sich je nach Pressemeldungen füllten und leerten, so dass hier eine gute Logistik kaum umsetzbar war.

Dr. Andreas Petri, Kinder- und Jugendarzt

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