Ärzte Zeitung online, 06.02.2012

Führt Fusion im Norden zu größtem kommunalen Klinikträger?

In Schleswig-Holstein verhandeln zwei kommunale Krankenhausträger über die Fusion ihrer sechs Standorte. Unterstützung kommt aus der Politik.

HEIDE (di). In Schleswig-Holstein bahnt sich eine weitere Klinikfusion an. Diesmal prüfen zwei kommunale Träger mit sechs Standorten einen Zusammenschluss. Die Fusion zum Klinikverbund Westküste prüfen die Westküstenkliniken (Heide und Brunsbüttel) und das Klinikum Nordfriesland (Husum, Tönning, Niebüll sowie Föhr-Amrum).

Damit könnte der mit Abstand größte kommunale Klinikträger im Norden entstehen, der entlang der Nordseeküste eine Kette von Standorten betreibt.

Der Zusammenschluss wäre nach Übernahme der Damp-Gruppe durch Helios und dem gerade angekündigten Rückzug von Paracelsus aus dem Norden (wir berichteten) ein weiterer entscheidender Schritt zur Neuordnung des Klinikmarktes im Norden.

Der Trend geht zu immer weniger Trägern, die mehr Standorte betreiben, um Synergieeffekte nutzen zu können. 

Die Aufsichtsräte beider kommunalen Träger hatten nach einer gemeinsamen Sitzung ihren Willen zu einer engeren Zusammenarbeit bekräftigt und eine Fusion nicht ausgeschlossen. "Wenn wir Dithmarscher und Nordfriesen gemeinsam nach vorn schauen und dabei neue Wege beschreiten, haben wir eine gute Chance, die kommunale Trägerschaft aller Kliniken von der dänischen Grenze bis zur Elbe zu erhalten", sagte Dithmarschens Landrat Dr. Jörn Klimant.

Schlechte Rahmenbedingungen beschleunigen Annäherung

Grund für die überraschende Annäherung sind die nach Auffassung beider Träger "dramatisch verschlechterten Rahmenbedingungen". Zu den Problemen zählen die im Vergleich zu anderen Bundesländern niedrigen Landesbasisfallwerte, Probleme, Nachwuchsärzte zu gewinnen - der Aufwand dafür ist an der Küste höher und damit teurer - sowie der Erhalt von Standorten unterhalb einer kritischen Größe, die aber versorgungsrelevant sind.

Solche Häuser sind oft nur in einem größeren Verbund zu betreiben, weil dann wirtschaftliche und medizinische Synergie effekte genutzt werden können.

Während das Dithmarscher WKK Erfahrungen in Kooperationen durch die Mitarbeit im kommunalen 6K-Verbund besitzt, sind aus dem Klinikum Nordfriesland noch keine Vernetzungsbestrebungen mit anderen Trägern bekannt.

Ein vor Jahren gestarteter Versuch einer Privatisierung scheiterte dort an einem Bürgerentscheid. Als Grundlage für eine Entscheidung über eine Fusion dient unter anderem eine Untersuchung der Bilanzen, die derzeit von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vorgenommen wird.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Auf die frühe Info kommt es an

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »