Ärzte Zeitung, 16.02.2012

Privatrechnung wird Zahnarzts Liebling

Die Selbstzahlerleistungen sind in den Zahnarztpraxen auf dem Vormarsch: Im Jahr 2030 werden die Zahnärzte 40 Prozent ihrer Umsätze mit IGeL machen, ergab eine Studie.

IGeL werden für Zahnärzte immer wichtiger

Gesunde Zähne gewinnen in der Bevölkerung an Bedeutung, sagen die Zahnärzte. Daher seien immer mehr Menschen bereit, dafür auch selbst zu bezahlen.

© Ihar Kaskevich / shutterstock.com

BERLIN (wul). Auch Zahnärzte werden in den kommenden Jahren zunehmend auf die von Patienten privat finanzierten Leistungen angewiesen sein.

Während der GKV-finanzierte Leistungssegment nur moderat um 0,88 Prozent jährlich wachsen soll, kann der sogenannte zweite Mundgesundheitsmarkt bis 2030 auf ein Wachstum von 2,39 Prozent hoffen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Darmstädter WifOR-Instituts und des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ), die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

"Es gibt in der Bevölkerung mittlerweile ein viel größeres Bewusstsein für den Wert gesunder Zähne. Das führt dazu, dass Patienten immer mehr vor allem präventive Leistungen nachfragen und bereit sind, dafür auch aus eigener Tasche zu zahlen", sagte Dr. Jürgen Fedderwitz, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV).

Während der aktuelle Anteil des zweiten Gesundheitsmarktes am Umsatz des gesamten Mundgesundheitsmarktes bei 29,6 Prozent liegt, wird er laut Studie bis 2030 auf 39,8 Prozent steigen. Das entspreche einer Steigerung des privat finanzierten Umsatzes von 6,73 Milliarden in 2010 auf 10,76 Milliarden Euro.

Weitere Arbeitsplätze werden geschaffen

Die Mundgesundheitswirtschaft sei aber vor allem ein Jobmotor. Im Jahr 2010 waren rund 410.000 Erwerbstätige in Zahnarztpraxen, Dentallaboren und im Vertrieb von Dentalprodukten tätig.

Laut Studie sollen bis 2030 weitere rund 76.000 Arbeitsplätze hinzukommen. Damit stiegen die Beschäftigungszahlen von rund 410.000 Beschäftigten in 2010 auf rund 486.000 in 2030. Das sei ein Gesamtzuwachs um 18,6 Prozent.

"An jeder Praxis hängen bereits heute im Schnitt neun Arbeitsplätze", sagte Fedderwitz. Es sei daher nicht nur aus versorgungspolitischen Gründen sinnvoll, eine wohnortnahe zahnmedizinische Versorgung sicherzustellen.

"Angesichts der Beschäftigungszahlen ist die freiberufliche Praxisorganisation auch unter beschäftigungspolitischen Gesichtspunkten sinnvoll", so Fedderwitz. Für Medizinische Versorgungszentren seien ländliche, strukturschwache Regionen nicht interessant.

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