Ärzte Zeitung, 06.03.2012

Kinderärzte wollen neue Vorsorgen

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte wirbt dafür, die etablierten U-Vorsorgen um die neuen Früherkennungs untersuchungen zu ergänzen. Die Beratungen kämen bei Jugendlichen gut an.

Von Raimund Schmid

Kinderärzte drängen, neue Vorsorgen flächendeckend einzuführen

Mädchen bei einer Vorsorge: Die neuen Untersuchungen bedeuten Mehrarbeit.

© Jochen Tack / imago

WEIMAR. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) geht davon aus, dass die Zahl chronisch und psychisch kranker Jugendlicher, bei denen ein Missbrauch an Substanzmitteln und Medien festgestellt wird, künftig steigt.

Gestoppt werden könne dieser Trend nur dann, wenn es gelingt, einen Teil dieser Krankheiten und Abhängigkeiten nicht entstehen zu lassen, sagte Dr. Uwe Büsching, wissenschaftlicher Kongressleiter des Kongresses für Jugendmedizin des BVKJ, am vergangenen Wochenende in Weimar.

Dem werden die bisherigen Früherkennungsuntersuchungen für Kinder und Jugendlichen bisher nicht gerecht, hieß es. Deshalb werde die primäre Prävention nun ein tragender Bestandteil der neuen Kinder- und Jugendvorsorgen U10, U11, J1 und J2.

Nicht nur Ärzte, sondern auch Eltern und Jugendliche selbst fänden es nicht mehr zeitgemäß, bei den Früherkennungen oder Beratungen "nur kurz untersucht zu werden und darüber dann ein bisschen zu reden."

Um akute Gesundheitsprobleme oder Abhängigkeiten von Jugendlichen aufspüren zu können, hat der BVKJ mehrere Fragebögen - wie etwa den Mannheimer Fragebogen - entwickelt oder übernommen. Diese sollen Auffälligkeiten aufdecken, um die Ergebnisse dann mit den Jugendlichen zu besprechen.

Mut zu neuen Wegen

Nach den bisherigen Testanwendungen dieser neuen Vorsorge-Beratungen komme das neue Konzept bei Jugendlichen gut an, berichtete Büsching.

Dabei sollten Ärzte auch den Mut haben, neue Wege zu beschreiten. So ermunterte der Berliner Jugendmediziner Dr. Burkhard Ruppert seine Kollegen dazu, qualifizierte Medizinische Fachangestellte (MFA) stärker als bisher in die neuen Vorsorgen einzubeziehen. Bewährt habe sich ein Recall-System per E-Mail oder SMS, mit dem Jugendliche an die Vorsorgen erinnert werden könnten.

Die neuen Untersuchungen bedeuten für Ärzte Mehrarbeit, hieß es in Weimar. Zum einen müsste sich der Arzt mit den diversen Fragebögen auseinandersetzen. Zum anderen seien - trotz der Möglichkeiten, Aufgaben an die MFA zu delegieren - mindestens 25 Minuten reine Arztzeit für die neuen J1- und J2 Beratungen zu veranschlagen.

Auszahlen würde sich dies für den behandelnden Jugendmediziner nur dann, wenn mindestens 30 Vorsorgen nach dem neuen Muster im Quartal abgerechnet würden, erklärte Büsching.

Die Bundesregierung forderte der BVKJ dazu auf, die neuen Vorsorgen, die bereits jetzt über Selektivverträge anwendbar und abrechenbar sind, auch in die Regelversorgung zu übernehmen.

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