Ärzte Zeitung, 09.03.2012

Erlaubnis zum Abwerben

Wohlwollende Unterstützung aus der Hansestadt: Weil Schleswig-Holstein dringend neue Landärzte braucht, darf die KV jetzt auch in Hamburg um junge Mediziner buhlen. Eine bundesweit einmalige Aktion.

Schleswig-Holstein darf für Nachwuchs in Hamburg werben

HAMBURG (di). Landverschickung für Hamburger Ärzte: Eine bundesweit einmalige Absprache zwischen Stadt- und Land-KV soll dies möglich machen. Erste Aktionen der KV Schleswig-Holsein starten demnächst in der Metropole.

Die Nord-KV darf mit wohlwollender Unterstützung der KV Hamburg rechnen, wenn sie demnächst mit Plakaten vor dem UKE ärztlichen Nachwuchs auf die Vorteile einer Niederlassung auf dem platten Land aufmerksam macht.

Eine Zusammenarbeit zwischen zwei KVen in dieser Form ist ungewöhnlich - schließlich gibt es auch in Hamburg Bezirke, wo zusätzliche Ärzte willkommen wären.

Aber Hamburgs KV-Vize Walter Plassmann gibt zu bedenken: "Wir können nicht die Augen davor schließen, dass schon kurz hinter den Stadtgrenzen ganz andere Versorgungssituationen herrschen."

Damit spielt er auf die Situation in einigen Regionen Steinburgs oder Dithmarschens an - direkt vor den Toren der Hansestadt gibt es zahlreiche Praxen, die keinen Nachfolger finden.

Werbung mit dem Hochdruckreiniger

Plassmann verweist auch darauf, dass Hamburg und die umliegenden Regionen immer mehr zur Metropolregion zusammen.

Die KV Schleswig-Holstein will zunächst das Interesse der jungen Ärzte mit verschiedenen Werbeformen wecken: Lesezeichen in Fachbüchern, Sattelschützer mit dem Logo der Kampagne oder das Stapeln von Umzugskartons mit Slogans über das Landarztleben etwa könnten dazu gehören.

Damit schließt die KV an ihre Aktionen vom vergangenen Jahr an, als Lichtprojektionen, Streetbrandings und andere Werbemaßnahmen im eigenen Bundesland für Aufsehen sorgten.

Im vergangenen Jahr gab die KV Schleswig-Holstein dafür 50 000 Euro aus, in diesem Jahr sind weitere 30.000 Euro veranschlagt.

Das im vergangene Jahr ausgegebene Geld gilt in Bad Segeberg als gut angelegt: Unter dem Strich standen intensive Kontakte zu Kommunen und neue Lehrarztpraxen: 36 neue Lehrärzte in 25 Praxen konnte man gewinnen - 19 davon auf dem Land.

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