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Ärzte Zeitung, 13.04.2012

Der Standpunkt

Hausärzte stärken statt Praxisgebühr

Die Überlegungen, eine fünf Euro Gebühr bei jedem Arztbesuch zu erheben, zeigt deutlich: Die Praxisgebühr wird nur noch als reines Finanzierungsinstrument verstanden. Ihr eigentliches Ziel hat sie ohnehin verfehlt, meint Anno Fricke.

Hausärzte stärken statt Praxisgebühr

Der Autor ist Korrespondent im Hauptstadtbüro der Ärzte Zeitung. Schreiben Sie ihm: anno.fricke@springer.com

Fünf Euro Gebühr bei jedem Arztkontakt. Dafür haben in dieser Woche Wirtschaftswissenschaftler der deutschen Gesellschaft für Gesundheitsökonomie plädiert.

Neu ist dieser Vorschlag nicht. Die Deutschen gingen seit jeher so oft zu ihren Ärzten, dass schon vor Jahren darüber nachgedacht wurde, wie Menschen vom Arztbesuch abgehalten werden konnten.

Vor rund zehn Jahren hatte die Union ein solches Modell im Programm. Zehn Prozent der Behandlungskosten sollten die Versicherten selbst tragen, mindestens jedoch fünf Euro. Schließlich einigte man sich auf den Kompromiss der jetzigen Gebühr von zehn Euro im Quartal, der seit 2004 gilt.

Der Vorschlag, die Praxisgebühr auszuweiten, fällt in eine Zeit, in der die Krankenkassen und der Gesundheitsfonds Überschüsse melden. Die Debatte, ob und wie man die Versicherten daran beteiligen könnte, zeigt, dass die Gebühr gar nicht mehr als Instrument mit Steuerungswirkung verstanden wird, sondern als reines Finanzierungsinstrument.

Zuzahlungen sollten aber vor allem eines leisten: Anreize setzen, auf unnötige Leistungen zu verzichten. Das ist mehr, als einfach nur die Krankenkassen zu entlasten. Seit der Einführung haben sich die Deutschen an die Praxisgebühr gewöhnt. 17 Arztbesuche pro Kopf und Jahr sind international Spitze.

Der Anreiz, Kostenbewusstsein zu entwickeln, ist verpufft. Dieses Schicksal könnte auch einer Neuauflage der Praxisgebühr mit fünf Euro Zuzahlung je Arztbesuch blühen. Auch daran kann man sich gewöhnen.

2,4 Milliarden Euro soll die neue Gebühr einbringen, haben die Ökonomen errechnet. Das sind 480 Millionen Arztkontakte, bei denen jeweils fünf Euro abgerechnet oder angemahnt werden müssten.

FDP und Union haben sich das Ziel gesteckt, "die Zahlung der Praxisgebühr in ein unbürokratisches Erhebungsverfahren zu überführen".

Am unbürokratischsten wäre es, die Praxisgebühr abzuschaffen und gleichzeitig kräftig in die hausärztliche Versorgung und damit in die Präventionsmedizin zu investieren. Das würde bestimmt zu einer Verringerung der Zahl der Arztbesuche führen.

Lesen Sie dazu auch:
Praxisgebühr für jeden Arztbesuch

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Berufspolitik (17550)
[13.04.2012, 13:48:40]
Peter Prominski 
...flach recherchiert!!!
Das Thema Praxisgebühr und ihre Steuerungswirkung ist seit Jahren ein sehr spannendes Thema. Schade, dass sich der Autor im letzten Absatz keine Mühe gibt und die Praxisgebühr sinnhaft hinterfragt, sondern die flache Argumentation einiger Verbände wiederkäut.
Präventionsleistungen werden heute schon außerhalb der RLV von den Kassen 1:1 vergütet. Aber warum sind die Leistungsfrequenzen der Prävention seit Jahren rückläufig??? An der Vergütung der Leistungen muss es nicht unbedingt liegen!
Eines scheint doch klar zu sein, die Ärzteschaft hat kein Interesse an einer Reduzierung der Arztkontakte (sofern er einmal im Quartal stattfindet)...
Und damit muss die Steuerung von Außen übernommen werden...

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