Ärzte Zeitung, 13.04.2012

Niedersachsen plant Krebs-Meldepflicht für alle Ärzte

Bei den Meldungen für das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen sind blinde Flecken entstanden. Die Lücken im Krebsregister will das Land nun mit einem Meldegesetz schließen.

Niedersachsen plant Meldepflicht bei Krebs

In Niedersachsen besteht bislang die Meldepflicht nur für die Pathologien. Das soll sich ändern.

© Rene Grycner/ fotolia.com

HANNOVER (cben). Für kleinräumige Auswertungen zur Krebshäufigkeit stehen dem Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen (EKN) bei 38 Prozent der gemeldeten Krebserkrankungen für das Diagnosejahr 2009 derzeit keine vollständigen Angaben zum Wohnort zur Verfügung.

In einigen Regionen wie in Salzgitter, Lüchow oder Friesland liege die Meldung von Krebserkrankungen unter 90 Prozent.

Das geht aus dem jüngsten Jahresbericht des Krebsregisters Niedersachsen für das Jahr 2009 hervor.

Gesetzentwurf in der Ressort-Abstimmung

"Bei Speiseröhren-, Bauchspeicheldrüsen- oder Kehlkopfkrebs liegt sogar die landesweite Erfassung unter 90 Prozent", sagt Heinke Traeger, Sprecherin im Gesundheitsministerium des Landes. "Bei Raten unter 90 Prozent wird die Arbeit mit den Zahlen schwierig."

Daher plant Niedersachsen per Gesetzesnovellierung die allgemeine Meldepflicht, wie sie schon in anderen Bundesländern eingeführt ist. "Der Gesetzentwurf ist bereits in der Ressort-Abstimmung", erklärt Traeger.

Derzeit besteht in Niedersachsen nur für die Pathologien eine Meldepflicht. Alle anderen Meldungen, etwa durch niedergelassene Ärzte, sind freiwillig.

Tendenziell dürften niedergelassenen Onkologen und Kliniken eher zu den intensiveren Meldern gehören als etwa Hausärzte oder niedergelassene Gastroenterologen, hieß es beim EKN. Klare Zahlen dazu liegen aber nicht vor.

Über 40.000 Menschen erkrankten 2009 in Niedersachsen an Krebs

Mit seinem Bericht stellt das EKN erstmals bevölkerungsbezogene Überlebenswahrscheinlichkeiten für Patientinnen und Patienten von zwanzig häufigen Krebserkrankungen vor.

Die für Niedersachsen ermittelten relativen Fünf-Jahres-Überlebensraten entsprechen den für Deutschland geschätzten Raten, die das Robert Koch-Institut im Februar 2012 veröffentlicht hat.

Danach überleben in Niedersachsen 60 Prozent der Männer und 64 Prozent der Frauen mit einer Krebserkrankung mindestens die fünf Jahre nach der Diagnosestellung.

"In den 1980er Jahren lagen die Überlebenschancen deutschlandweit noch bei unter 50 Prozent", so das Sozialministerium.

Im Berichtsjahr 2009 erkrankten in Niedersachsen 42.610 Menschen neu an Krebs, darunter 22.765 Männer und 19.845 Frauen. Etwa 21.500 Menschen sind im selben Zeitraum an Krebs gestorben.

Der vom EKN prognostizierte Anstieg bei den Neuerkrankungszahlen konnte für 2009 nicht verzeichnet werden, hieß es. Bei den Männern steht Prostatakrebs mit über 6600 Fällen an erster Stelle der Krebsneuerkrankungen.

Brustkrebs ist mit Abstand die häufigste Krebserkrankung bei Frauen mit mehr als 6900 neu Erkrankten. Darmkrebs und Lungenkrebs folgen sowohl bei Männern als auch bei Frauen an zweiter und dritter Position der häufigsten Krebserkrankungen in Niedersachsen.

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Schwierige Routine bei Krebs-Meldungen

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