Ärzte Zeitung, 08.05.2012

Ärztenetz Siegen: ein Modell mit Signalcharakter?

Das Ärztenetz Siegen startet mithilfe der KV Westfalen-Lippe ein regionales Versorgungsmanagement. Für das Pilotprojekt macht die KV zusätzliches Honorar locker.

Von Ilse Schlingensiepen

Ärztenetz Siegen: ein Modell mit Signalcharakter?

"Regionale Netze sind der Weg der Zukunftssicherung für die ambulante Versorgung", Dr. Gerhard Nordmann, Vize-Vorsitzender der KVWL

© KVWL

DORTMUND. In Siegen soll im kommenden Jahr der Startschuss für ein regionales Versorgungsmanagement fallen. In einem Pilotprojekt will das Ärztenetz Siegen mit Unterstützung der KV Westfalen-Lippe (KVWL) die Versorgung der Bevölkerung aktiv gestalten.

Die Ärzte erhalten dafür von der KVWL ein eigenes Honorarvolumen zur internen Verteilung.

"Regionale Netze mit einem effektiven Versorgungsmanagement sind in unseren Augen der Weg zur Zukunftssicherung wie zur Weiterentwicklung der ambulanten Versorgung", sagte der 2. KVWL-Vorsitzende Dr. Gerhard Nordmann auf der Vertreterversammlung in Dortmund.

Das Versorgungsstrukturgesetz stärke die regionalen Handlungsmöglichkeiten der KVen. Dabei gehe es nicht nur um die größere Autonomie bei der Honorarverteilung, sondern auch um die gezielte Steuerung der Versorgung, je nach den spezifischen Begebenheiten vor Ort, sagte Nordmann.

"Regional agieren, dabei lokale Strukturen und Erfordernisse berücksichtigen und damit die ambulante Versorgung flexibel an die Bedürfnisse von Ärzten und Patienten anpassen - das ist für uns ein zukunftsfähiger Weg."

Die KV werde vom Verwalter der bestehenden Versorgungsstrukturen zum Gestalter einer künftigen Struktur.

Die KVWL wolle ihren Mitgliedern keine Konzepte aufzuzwingen. "Westfalen-Lippe wird nicht morgen von einer Vielzahl an Versorgungsnetzen überzogen sein", betonte er. Die KV setze auf die Zusammenarbeit mit den Ärzten und Psychotherapeuten vor Ort.

Ärzte sollen Versorgungsziele des Ärztenetzes erarbeiten

Ein zentrales Element für das Versorgungsmanagement sei die Definition besonderer Versorgungsziele, sagte Thomas Müller, Geschäftsführer Zentralstab Unternehmensentwicklung und -steuerung bei der KVWL. "Die Versorgungsziele müssen von Ärzten entwickelt und von den Krankenkassen akzeptiert und gefördert werden."

Förderung von Netzen nach Paragraf 87 b SGB V

„Der Verteilungsmaßstab hat der kooperativen Behandlung von Patienten (...) Rechnung zu tragen; dabei können gesonderte Vergütungsregelungen für vernetzte Praxen auch als eigenes Honorarvolumen vorgesehen werden, soweit (...) das Praxisnetz von der Kassenärztlichen Vereinigung anerkannt wird. Kriterien und Qualitätsanforderungen für die Anerkennung von Netzen werden als Rahmenvorgabe für Richtlinien der KVen von der KBV im Einvernehmen mit den Krankenkassen bestimmt.“

In Siegen seien die Voraussetzungen für die Entwicklung eines regionalen Versorgungsmanagements gut, berichtete Müller. Die Ärzte dort hätten zehn Jahre Erfahrung mit der Zusammenarbeit im Netz, davon acht Jahre als Honorarnetz.

"In Siegen gibt es eine leicht überdurchschnittliche Morbidität, gerade bei den Diagnosen, die im morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich wichtig für die Krankenkassen sind."

Das regionale Versorgungsmodell müsse stufenweise entwickelt werden, sagte Müller. Die erste Stufe ist die Ausgestaltung des eigenen Honorarvolumens für das Netz.

Zurzeit entwickelt die KBV Kriterien für die Förderung von Netzen. Sie sollen nach Angaben von Müller bis Herbst mit dem GKV-Spitzenverband abgestimmt sein.

Eines sei für die KVWL klar: "Die Honorarweiterentwicklung darf nicht zu Lasten der Ärzte gehen, die nicht in Netzen sind." Vorstellbar sei es dagegen, durch Selektivverträge zusätzliche Honorare zu generieren.

Nicht zuletzt deshalb komme der Definition von Versorgungszielen große Bedeutung zu. "Sie werden das Salz in der Suppe sein", erwartet Müller.

Auch niedergelassene Ärzte und Kliniken sollen zusammenarbeiten

Als mögliche, für die Kassen attraktive Ziele nannte er die Steuerung der Arzneimittelausgaben, die bessere Versorgung von betagten und multimorbiden Patienten oder eine Steigerung der Präventionsquoten.

Das von der KVWL angestrebte Versorgungsmanagement bleibe aber nicht beim Ärztenetz stehen, betonte er. "Wir gehen auch auf die anderen Akteure im Gesundheitswesen zu." Gerade der Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken komme eine große Bedeutung zu.

"Die Kooperation ambulant-stationär kann weder aus Berlin noch aus Dortmund oder von einer anderen zentralen Stelle aus koordiniert werden. Das muss vor Ort geschehen", sagte Müller.

Es sei das Ziel, möglichst die gesamte Ärzteschaft der Stadt mit ins Boot zu holen, sagte der Allgemeinmediziner Dr. Hermann Kämpfer vom Siegener Ärztenetz. "Es gibt aber einige Skeptiker."

So sähen manche Kollegen den gemeinsamen Honorartopf kritisch, nicht jeder könne sich hinter Versorgungsziele stellen. "Wir haben noch Überzeugungsarbeit zu leisten", sagte Kämpfer.

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