Ärzte Zeitung, 09.05.2012

Streit um Leistungen für Psychotherapie

In Bremen gibt es Ärger zwischen KV und Hausärzteverband. Der Grund: Honorare für psychotherapeutische Leistungen.

BREMEN (cben). Bremens Hausärzteverband hat seine Mitglieder aufgefordert, der Abrechnung für das vierte Quartal 2011 vom 22. April 2012 flächendeckend vorsorglich zu widersprechen.

Zuvor hatte Bremens Hausärztechef Dr. Hans-Michael Mühlenfeld die KV Bremen überzeugen wollen, die Widerspruchsfrist gegen die Abrechnung so lange zu strecken, bis die Frage der Bezahlung psychotherapeutischer Leistungen aus dem Vorwegabzug juristisch geklärt sei.

Letzteres hat die Vertreterversammlung (VV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) veranlasst.

Eine Fristverlängerung bis zum Herbst hätte im Zweifel manchen Einspruch überflüssig gemacht, argumentiert Mühlenfeld. Die KV Bremen (KVHB) lehnte ab und Mühlenfeld konterte.

"Da der Vorstand der KVHB nicht bereit ist, die Einspruchsfrist gegen die Abrechnung 4/2011 bis zur rechtlichen Klärung zu verlängern, müssen wir Ihnen empfehlen, vorsorglich Widerspruch gegen die Abrechnungen einzulegen", heißt es in einem Fax an die Mitglieder.

Hintergrund: Fachärztliche Leistungen gingen von Hausarzthonorar ab

Hintergrund der Aktion ist der Umstand, dass "ein Teil der psychotherapeutischen Leistungen vor der Honorartrennung, also im Vorwegabzug gezahlt worden ist, somit also fachärztliche Leistungen den hausärztlichen Honoraranteil schmälern", so Mühlenfeld in seinem Fax.

"In Bremen komme hinzu, dass "nicht abgerufene Honorarmengen aus dem Topf für hausärztliche Leistungen zurück in das Sammelhonorarkonto fließen und dann im nächsten Quartal (erneut) ,getrennt‘ werden", heißt es in dem Schreiben.

In anderen KV Bezirken bleibe solches Geld im hausärztlichen Topf. "Wir wollen den Fachärzten kein Honorar streitig machen", erklärt Mühlenfeld. "Aber wir wollen auch nicht die möglicherweise steigende Morbidität im psychotherapeutischen Bereich mitfinanzieren."

Bremens KV-Chef Dr. Jörg Herrmann kritisiert die Faxaktion. "Wir erwarten in Bremen keine Ausweitung der psychotherapeutischen Leistungen. Im Gegenteil. In Bremen geht die Zahl der Psychotherapeuten leicht zurück", so Herrmann zur "Ärzte Zeitung".

Nach Auskunft der KV Bremen liegt der Anteil der Psychotherapeuten-Honorare am Gesamthonorar mit plus/minus 21 Millionen Euro relativ konstant bei acht bis zehn Prozent.

An einen massenhaften Widerspruch gegen die Abrechnung vom April glaubt Herrmann nicht.

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