Ärzte Zeitung, 10.07.2012

Landarzt-Mangel gefährdet Kliniken

Wenn auf dem Land, die Ärzte fehlen, können schlimmstenfalls auch die Kliniken ins Schleudern kommen - denn mit den Ärzten verlieren sie ihre Zuweiser.

Landarztmangel auch Gefahr für Kliniken

Ohne Worte.

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DÜSSELDORF (iss). Der sich abzeichnende Mangel an Haus- und Fachärzten auf dem Land kann für die Krankenhäuser in den betroffenen Regionen zum Problem werden.

Wenn die Patienten zur ambulanten Versorgung in die größeren Städte gehen, werden sie von den Ärzten auch in die dortigen Kliniken eingewiesen, prognostiziert Dirk Schmedding.

"Der Fachkräftemangel wird für uns zum Zuweisermangel", sagte der Unternehmensleiter "Neue Versorgungsformen" der Christlichen Krankenhaus Träger GmbH (CKT) in Emsdetten bei einer Fachtagung der nordrhein-westfälischen Regionalvereinigung des Bundesverbands Managed Care in Düsseldorf.

Die gute Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten ist deshalb in seinen Augen ein entscheidender Faktor für den künftigen Erfolg - verschärft wird der Handlungsbedarf durch den zunehmenden Konsolidierungsdruck im Klinikbereich.

Vertrauensarzt für die Niedergelassenen

"Wir haben in den vergangenen zehn Jahren einen ganzen Strauß an Maßnahmen zur Integration des ambulanten und des stationären Sektors entwickelt", berichtete er.

Zur CKT gehören drei Akutkrankenhäuser mit 200 bis 320 Betten und eine kleine Privatklinik.

"In jedem Krankenhaus haben wir einen Vertrauensarzt für die niedergelassenen Ärzte", sagte der Chirurg und Krankenhausmanager.

Die strukturierte Kommunikation zwischen den Kliniken und den niedergelassenen Ärzten sei sehr wichtig,. "Sie müssen jemanden haben, der sich in beiden Bereichen auskennt und der sich kümmert."

Die Möglichkeit zum Austausch bieten regelmäßige Ärzte-Stammtische und eigene Ärztinnen-Stammtische, zu denen alle Kollegen aus Klinik und Praxis eingeladen werden. "Da lernt man sich gut kennen."

MVZ können helfen

Zu den Kooperationsangeboten der CKT-Kliniken für niedergelassene Ärzte gehören die gemeinsame Gerätenutzung, Einkaufsgemeinschaften, die Vermietung von Operationssälen, die Teilanstellung von Niedergelassenen, die Einrichtung von Ärztehäusern oder ein Einweiserportal.

Einen wichtigen Stellenwert hat für Schmedding der Aufbau von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ).

"Ohne angestellte Ärzte im MVZ wird es nicht möglich sein, die Bevölkerung zu versorgen." Bei allen MVZ sei die CKT entweder alleiniger oder Mehrheitseigner.

Sobald sich der Arzt, der den Praxissitz an das MVZ abgibt, und das Krankenhaus einig seien, müssten sie mit den übrigen niedergelassenen Ärzten reden, sagte Schmedding. "Ganz wichtig ist, dass der Verkäufer mit dabei ist und sagt, dass er es so will."

Die Ärzte in den Zentren müssten den Kollegen in den Praxen deutlich machen, was sie vorhaben und wie sie mit ihnen zusammenarbeiten wollen. "Es wollen aber höchstens zehn Prozent kooperieren", sagte er.

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