Ärzte Zeitung, 26.11.2012

Honorarverhandlungen

Vielerorts verhärtete Fronten

Ein Streit, der nur vertagt wurde: Nach den heiklen Honorarverhandlungen zwischen KBV und GKV-Spitzenverband müssen nun die Regionen ran. Vielerorts wird heftig gestritten, in Hamburg etwa stehen die Zeichen auf Sturm.

Von Jürgen Stoschek

Konflikte vielerorts

Am Ende zählt, was auf den Cent genau rauskommt: Die Honorarverhandlungen in den Regionen nehmen Fahrt auf.

© Umdorf / imago

MÜNCHEN. Zwischen Kassen und KVen herrscht derzeit vielerorts dicke Luft. "Die Kassen lassen die regionalen Honorarverhandlungen systematisch platzen", sagte Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchowbundes am Montag.

Die Entwicklung kommt nicht ganz überraschend: Nachdem die Forderungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nach einem deutlich höheren Orientierungswert letztlich nur zu einer mageren Erhöhung um 0,9 Prozent geführt hatte, setzten die Vertreter der Vertragsärzte ihre ganze Hoffnung auf regionale Honorarverhandlungen.

Doch offenbar geht die Rechnung nicht auf. "Die Kassen blockieren, wo sie können und schielen von vornherein auf die Einberufung des Schiedsamtes", so die Einschätzung Heinrichs, der auch Sprecher der Allianz deutscher Ärzteverbände ist.

Hamburg: KV-Chef sauer über Knausrigkeit der Kassen

Jüngstes Beispiel sind die geplatzten Honorarverhandlungen in Bayern. Ein erstes Arbeitsgespräch, bei dem Ende Oktober die Eckpunkte besprochen werden sollten, sagten die Kassen kurzerhand ab.

Ein weiteres Arbeitsgespräch, zu dem die Kassen kurzfristig eingeladen hatten und das dann zur Überraschung der KV-Vertreter als Verhandlungsrunde deklariert wurde, blieb ergebnislos.

Bereits drei Wochen nach Beginn der Gespräche erklärten die Kassen die Verhandlungen für gescheitert. Am 16. November beantragten sie die Einleitung eines Schiedsverfahrens.

Auch in Hamburg stehen die Zeichen wie berichtet auf Sturm. Dort haben die Kassen eine Anhebung der Honorare angeboten, die noch nicht einmal die Preissteigerungen des vergangenen Jahres ausgleicht.

Hamburgs Vertragsärzte würden damit wieder einmal schlechtergestellt als die Ärzte in den anderen Bundesländern, kommentierte KV-Chef Dieter Bollmann die Knausrigkeit der Kassen.

Kassen in Bayern auf Konfrontationskurs

In Bayern, wo die Kassen noch vor wenigen Jahren gutes Geld für Strukturverträge ausgegeben haben, die ihresgleichen suchten, versucht die KV, an alte Zeiten anzuknüpfen, und fordert Zuschläge für "regionale Besonderheiten der Kosten- und Versorgungsstruktur".

Doch die Kassen befinden sich offenbar auf Konfrontationskurs. "Mit ihrem jetzigen Auftreten setzen die Kassen ihre Politik der andauernden Provokationen gegenüber uns Ärzten nahtlos fort", ärgert sich Heinrich.

Nach seiner Ansicht geht es dabei gar nicht um die Belange der Patienten. Vielmehr verfolgten die Kassen das Ziel, die Kosten, die mit einer steigenden Morbidität der Bevölkerung einhergehen, auf die Ärzte abzuwälzen.

"Dabei handelt es sich um einen langfristigen Prozess mit vielen kleinen Schritten, wie wir ihn jetzt wieder in den Regionen beobachten können", sagte der NAV-Vorsitzende.

Verhandlungen auch in Sachsen gescheitert

Der GKV-Spitzenverband hält die Vorwürfe für unangebracht: "Es ist schade, dass hier wieder von Leuten Radau gemacht wird, die selbst gar nicht an den Verhandlungen beteiligt sind", sagte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, der "Ärzte Zeitung".

"Die Vertreter der Krankenkassen auf der Landesebene verhandeln jetzt ebenfalls mit dem Ziel, für die gute Versorgung der Patienten regionale Lösungen zu finden, die Ärzte und Kassen gemeinsam tragen können", so Lanz weiter.

Während auch in Sachsen die Verhandlungen gescheitert sind, laufen sie in anderen KV-Regionen noch oder werden erst aufgenommen.

In der KV Schleswig-Holstein wird von einem "konstruktiven" Verhandlungsklima berichtet, in Westfalen-Lippe und in Nordrhein haben die Verhandlungen gerade erst begonnen. (Mitarbeit: bee, sun)

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