Ärzte Zeitung, 30.01.2013

Wahlkampf in Hessen

"Die Kammer ist einfach nicht sexy"

In Hessen wird im Mai die Kammerversammlung neu gewählt. Der Marburger Bund macht schon mal mobil.

"Die Kammer ist einfach nicht sexy"

Fühlt sich an einen Altherrenverein erinnert: Dr. Susanne Johna.

© MB Hessen

FRANKFURT/MAIN. Beim letzten Mal war es eine Schlappe, die jetzt unbedingt verhindert werden soll. Der Marburger Bund will für die Kammerwahl seine Mitglieder mobilisieren - und das so früh wie möglich.

Deshalb wurde der Wahlkampf bereits jetzt eingeläutet, obwohl die hessischen Ärzte erst vom 22. Mai bis zum 5. Juni ihre Stimme abgeben dürfen.

Der MB hat allen Grund dazu, seine mehr als 10 000 Mitglieder zu mobilisieren. Bei der letzten Wahl war die Beteiligung schlecht und entsprechend das Wahlergebnis. Der MB stellt in der Kammerversammlung nur 19 der 80 Delegierten.

"Hätten alle unsere Mitglieder MB gewählt, wären wir auf 60 Sitze gekommen", sagte die Spitzenkandidatin Dr. Susanne Johna bei der Auftaktveranstaltung zur Wahl. Besonders niedrig war die Beteiligung unter den jungen Ärzten.

In der Altersgruppe der 24- bis 29-Jährigen nahm nur etwa jeder vierte Arzt sein Wahlrecht wahr (27,46 Prozent). Bei den über 50-Jährigen wählte aber auch nur jeder Zweite.

Für den MB hatte das schlechte Abschneiden fatale Konsequenzen. Stellte die Klinikärztegewerkschaft von 2004 bis 2008 mit Dr. Ursula Stüwe die Kammerpräsidentin, ist sie derzeit noch nicht einmal mehr im Präsidium der LÄK vertreten.

Stüwe versuchte bei der Auftaktveranstaltung in den Türmen der Deutschen Bank in Frankfurt für die Kammerwahl zu werben, indem sie berichtete, mit welchen unterschiedlichen Themen sie in ihrer Amtszeit beschäftigt war.

Image eines Altherrenvereins

Das habe von Stellungnahmen zum Fluglärm und zur Lebendspende von Organen bis hin zum neuen Friedhofsgesetz gereicht. Die Kammer habe sich auch daran beteiligt, die Notfallversorgung für die Fußball-WM zu erarbeiten.

Für die Stellungnahme zur Privatisierung des Uniklinikums Gießen-Marburg sei sie harsch angegriffen worden. "Im Nachhinein hatte ich mit allem, was ich daran kritisiert habe, Recht", sagte Stüwe.

Die Kammer unterstütze aber auch Gerichte bei der Suche nach Gutachtern, arbeite beim Rettungsdienstgesetz mit, organisiere werbefreie Fortbildungsveranstaltungen, rede bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte mit und vieles andere mehr.

Da sei es wichtig, wie die Kammer zusammengesetzt ist und von wem sie geführt wird, sagte Stüwe. Spitzenkandidatin Johna versuchte auch noch einige Missverständnisse von der letzten Wahl zu klären.

So hätten zum Beispiel MB-Mitglieder die Ärztinnenliste oder die Facharztliste gewählt ohne zu wissen, dass diese fast ausschließlich niedergelassene Ärzte verträten. So etwas dürfe dem MB nicht noch einmal passieren.

Dass sich mit Susanne Johna und Ursula Stüwe zwei Frauen so vehement für eine stärkere Wahlbeteiligung ins Zeug legen, ist offenbar eine kluge Entscheidung.

"Denn die Kammer ist nicht sexy und hat immer noch das Image eines Altherrenvereins", so ein Teilnehmer der Veranstaltung. (chb)

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