Ärzte Zeitung, 19.03.2013

Schleswig-Holstein

Ärzte-Nachwuchs auf Kooperation getrimmt

Schleswig-Holsteins Kammerchef Bartmann hält es für sehr schwierig, junge Ärztinnen und Ärzte zum "Einzelkämpferdasein" in der Praxis zu überreden.

Von Dirk Schnack

BAD SEGEBERG. Die schwierige Balance zwischen berechtigten Klagen über Defizite und Werben um den Nachwuchs gelingt den ärztlichen Organisationen nicht immer.

Dies ist für Schleswig-Holsteins Kammerpräsident Dr. Franz-Joseph Bartmann aber nur ein Grund, weshalb sich weniger junge Kollegen für die Einzelpraxis auf dem Land entscheiden.

Schon Kinder werden heute zur Kooperation erzogen - auf ein Einzelkämpferdasein ist niemand mehr vorbereitet.

Schmaler Grat zwischen Kritik und Lamentieren

"Ist ein junger Mensch, der von der Kita bis zur Universität ausschließlich kooperative Arbeitsformen kennen- und schätzen gelernt hat, bereit, als Einzelkämpfer und isoliert auf dem Land gegen einen scheinbar grenzenlosen gesellschaftlichen Anspruch auf Unfehlbarkeit zu bestehen?", fragte Bartmann in der jüngsten Kammerversammlung in Bad Segeberg.

Verständnis zeigte Bartmann auch für junge Kollegen, die vor dem Schritt in die Selbstständigkeit die finanziellen Bedingungen genau abwägen und dabei auch die von Ärztefunktionären kritisierten Defizite einbeziehen. Bartmann sieht allerdings einen schmalen Grat zwischen berechtigter Kritik und Lamentieren.

Lockangebote von Kommunen kritisiert

Keine Lösungen sind für Bartmann Modelle, bei denen Kommunen Hausärzte mit großzügiger finanzieller Unterstützung in ihre Orte locken.

Solche Subventionen bewirken nach seiner Ansicht bestenfalls einen Kannibalismus um schon weitergebildete und aktiv tätige Allgemeinmediziner aus etablierten Praxen.

"Das eigentliche Problem ist doch, Hochschulabsolventen zur Weiterbildung in Allgemeinmedizin zu veranlassen", sagte Bartmann.

Er gab auch zu bedenken: Selbst wenn nach mehrjähriger Vakanz die Ansiedlung eines Stipendiaten gelingt, hat sich die Bevölkerung möglicherweise schon an den Service einer gut geführten Schwerpunktpraxis im Zentralort der Region mit geringen Wartezeiten und verbesserten Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten gewöhnt.

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