Ärzte Zeitung, 16.04.2013

Schleswig-Holstein

KV pocht auf einen Nachschlag

KV pocht auf einen Nachschlag

Ein Kieler Gutachten legt nahe, dass die Kassen mehr Geld aus dem Fonds erhalten als sie für die Versorgung ausgeben. Die KV Schleswig-Holstein will jetzt einen Nachschlag von 36,5 Millionen Euro.

BAD SEGEBERG. Die gesetzlichen Krankenkassen stellen das Geld, das sie für die Versorgung aus dem Gesundheitsfonds erhalten, nicht in jedem Bundesland eins zu eins zur Verfügung.

Die KV Schleswig-Holstein sieht allein für den Norden eine Lücke von 36,5 Millionen Euro, über die sie mit den Kassen verhandeln will.

Fehlbetrag von 36,5 Millionen Euro

Grundlage der Forderung ist ein Gutachten des Kieler Instituts für Mikrodatenanalyse im Auftrag der KV. Darin hat Institutsleiter Dr. Thomas Drabinski die beiden Morbimodelle von Bundesversicherungsamt und Bewertungsausschuss verglichen.

Das erste entscheidet über die Zuweisungen der Krankenkassen aus dem bundesweiten Gesundheitsfonds, das zweite ermittelt Empfehlungen für die Wachstumsrate der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung, die im Zuge der regionalen Verhandlungen zwischen KVen und Krankenkassen jährlich zu vereinbaren ist.

Ergebnis: Die Kassen bekommen aus dem Gesundheitsfonds rechnerisch mehr Geld für ihre Versicherten zugewiesen, als sie auf Landesebene für die ambulante Versorgung weitergeben. In Schleswig-Holstein beläuft sich der Fehlbetrag 2013 laut Gutachten auf rund 36,5 Millionen Euro.

"Krankenkassen keine Sparkassen"

KV-Chefin Dr. Monika Schliffke pocht darauf, dass die Kassen das erhaltene Geld auch zur Verfügung stellen. "Krankenkassen sind keine Sparkassen", sagte Schliffke.

Drabinski schlägt vor, die beiden Modelle zu verändern und aufeinander abzustimmen: "Nur dann kann sichergestellt werden, dass die Finanzmittel des Gesundheitsfonds zielgenau für die ambulante Versorgung der Patienten zur Verfügung stehen."

Die KV forderte, das Morbi-Modell des Instituts des Bewertungsausschusses aufzulösen. Die aus diesem Modell resultierende Benachteiligung in der Honorarbemessung sei für die Ärzte im Norden inakzeptabel.

Die KV kündigte an, dies in den Verhandlungen mit den regionalen Krankenkassen zum Ausdruck zu bringen. Nicht untersucht wurde, ob auch andere KVen durch die unterschiedlichen Modelle benachteiligt werden.

Drabinski hält dies in Ländern mit vergleichbarer Morbiditätsstruktur wie Schleswig-Holstein für möglich. (di)

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