Kongress, 08.04.2013

BDI-Präsident Wesiack

"Wir müssen uns kräftig einbringen"

BDI-Präsident Dr. Wolfgang Wesiack sieht das Arzt-Patienten-Verhältnis in Gefahr. Wir dokumentieren Auszüge seiner Festrede vom Sonntagabend beim 119. Internistenkongress in Wiesbaden.

Von Wolfgang Wesiack

wesiack-A.jpg

Wesiack: "Wir Ärzte sind in den letzten Jahren zunehmend beschimpft und diffamiert worden."

© BDI

Politiker scheuen sich, schmerzhafte Wahrheiten zu äußern wie zum Beispiel die einfache Tatsache, dass der nachweisbare medizinische Fortschritt, unser State-of-the-art-Wissen jährlich um etwa fünf bis acht Prozent wächst, die dafür notwendige Kostensteigerung seit vielen Jahren aber bei etwa zwei bis drei Prozent gehalten wird.

Oder die Tatsache, dass bei der GOÄ in 17 Jahren nicht einmal ein Inflationsausgleich, geschweige denn die längst überfällige Gebührenanpassung erfolgt ist. (...)

Worin besteht für uns Ärzte das Wesen einer guten medizinischen Versorgung der Bevölkerung? Dass wir unser gesichertes Wissen unseren Kranken entsprechend des morbiditätsgesicherten Bedarfs zur Verfügung stellen können.

Die Freiheit des ärztlichen Berufes ist dabei die Grundvoraussetzung. Mit ihr müssen wir aber auch verantwortungsbewusst umgehen.

Es ist schon auffällig, wie wir Ärzte in den letzten Jahren zunehmend beschimpft und diffamiert werden. Von der Politik, den Krankenkassen und natürlich von den Medien. Da werden Skandale hochgespült, die keine sind.

Wir sind alle nur noch korrupt, geldgierig und bereichern uns auf Kosten unseres solidarisch finanzierten Gesundheitssystems, also der Allgemeinheit. Wir stehen inzwischen unter einem permanenten Generalverdacht, sind nur noch in der Defensive und müssen uns für alles rechtfertigen. Dieses Vorgehen, meine Damen und Herren, hat Methode.

Wir, die Ärzteschaft, sollen für alle Missstände des Systems verantwortlich gemacht werden. Damit wollen die Herren aus Politik und Krankenkassen doch nur von ihrem eigenen Versagen und von ihrer eigenen Verantwortung ablenken!

Und die Patienten sind hochgradig irritiert! Wem sollen sie noch glauben? Es ist zwar immer wieder eindrucksvoll und auch beruhigend, wie viel Vertrauen uns die Patienten entgegen bringen und welch hohe Wertschätzung unsere Arbeit in der Bevölkerung genießt.

Es darf aber an der Stelle nicht verschwiegen werden, dass Patienten Vertrauen verlieren und wir Ärzte in Klinik und Praxis durch diese durchweg haltlosen Attacken dauerhaft demotiviert werden. Die nachlassende Attraktivität unseres Berufes und der sichtbare Ärztemangel sind deutliche Zeichen an der Wand.

In diesem Umfeld kommt die ärztliche Freiberuflichkeit immer mehr unter die Räder, auch wenn sie in ihrer Bedeutung höchstrichterlich unterstrichen wurde. Der unabhängige freiberufliche Arzt lässt sich in diesem politischen Umfeld offensichtlich nicht so steuern wie Politik und Kostenträger sich dies wünschen.

Ein weisungsgebundener angestellter Mediziner passt besser in dieses System. Es ist zu befürchten, dass unter solchen Bedingungen das Wichtigste, ein ungestörtes Arzt-Patienten-Verhältnis irreversibel beschädigt und damit das entscheidende Stück Menschlichkeit verloren geht.

Am 22. September wird ein neuer Bundestag gewählt. Die Gesundheitspolitik, so fürchte ich, wird im kommenden Wahlkampf kaum eine Rolle spielen. Stillhalten lautet die Devise.

Deshalb müssen wir uns im Vorfeld kräftig einbringen. Der BDI, der Berufsverband Deutscher Internisten als politischer Arm der Inneren Medizin, wird mit allen politisch relevanten Parteien Gespräche führen und unsere gemeinsamen Vorstellungen deutlich einbringen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »