Ärzte Zeitung, 10.07.2013

Kranke Patienten beim Hausarzt

Jeder Fünfte muss mindestens zwei Tage warten

Patienten sind zufrieden mit ihren Ärzten, wie eine KBV-Umfrage zeigt. Allerdings müssen sie gerade im Osten lange auf einen Termin warten.

Von Sunna Gieseke

Jeder Fünfte muss mindestens zwei Tage warten

14 Prozent der Patienten in Ostdeutschland gaben an, 2012 mehr als drei Wochen auf einen Arzttermin gewartet zu haben.

© Ryan McVay / Getty Images

BERLIN. Die Türen der Hausarztpraxen stehen Patienten weit offen: Es gibt kaum Wartezeiten auf einen Termin und auch in der Praxis geht es meist schnell.

Das geht aus einer Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen unter 6093 zufällig ausgewählten Bundesbürgern hervor.

Auftraggeber der Befragung ist die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Die repräsentativen Ergebnisse wurden am Dienstag in Berlin vorgestellt.

39 Prozent werden ganz ohne Termin behandelt

Demnach kamen 39 Prozent der Befragten ganz ohne Termin bei den Hausärzten dran. 21 Prozent mussten ein bis drei Tage, drei Prozent mussten mehr als drei Wochen auf einen Termin warten. Auch in der Praxis selbst ging es schnell, hier hatten die Befragten kaum Wartezeiten.

Bei den Fachärzten mussten nur 22 Prozent nicht auf einen Termin warten. Vier Prozent der Befragten mussten sich ein bis drei Tage, 21 Prozent sogar mehr als drei Wochen gedulden. Aber: 82 Prozent gaben an, die Wartezeiten seien nicht zu lang gewesen.

"Leider sind die Wartezeiten auf einen Facharzttermin auch bei akuten gesundheitlichen Problemen recht lang", sagte KBV-Chef Dr. Andreas Köhler.

Beim Hausarzt seien hingegen 68 Prozent der Patienten mit aktuellen Problemen sofort, weitere elf Prozent am nächsten Tag behandelt worden. Jeder Fünfte musste demnach allerdings mindestens zwei Tage warten, ehe er behandelt wurde.

Zufrieden mit Hausärzten

Den Hausärzten sprechen die Patienten ihr Vertrauen aus. 54 Prozent der Befragten sagten, das Vertrauen in ihrem Hausarzt sei "sehr gut", 39 Prozent bewerteten das Verhältnis als "gut".

Lediglich drei Prozent beschrieben es als "weniger gut". Zum Vergleich: Bei den Orthopäden sind es neun Prozent, die das Vertrauensverhältnis als "weniger gut" bezeichnen.

"Trotz aller öffentlicher Debatten und Diffamierungen gegenüber der Ärzteschaft sind die Patienten kontinuierlich sehr zufrieden", kommentierte Köhler.

Auch die Fachkompetenz bewerteten die Befragten bei den Hausärzten als "sehr gut" (44 Prozent), oder "gut" (49 Prozent). Drei Prozent sagten, die Fachkompetenz ihres Hausarztes sei "weniger gut".

Im Osten dauert es länger

76 Prozent der Befragten sagten zudem, dass es genügend Hausärzte in der Nähe ihres Wohnortes gebe, 19 Prozent verneinten dies - und 22 Prozent gaben an, selbst einmal Probleme gehabt zu haben, einen Hausarzt zu finden.

"Die östlichen Bundesländer sind Spitzenreiter, was den tatsächlich erlebten Mangel angeht", sagte KBV-Vize Regina Feldmann.

Zum Beispiel Sachsen-Anhalt: Hier sagten 45 Prozent, es gebe einen tatsächlichen Hausarztmangel. Die Patienten im Osten müssen länger auf einen Arzttermin warten: Bei 14 Prozent waren es mehr als drei Wochen, im Westen warteten neun Prozent so lange.

Der Facharztmangel spielt für die Versicherten eine sehr große Rolle: Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) findet, dass es in ihrer Nähe genügend Fachärzte gibt, 38 Prozent verneinen das - davon hatten 34 Prozent bereits selbst Probleme, einen Facharzt zu finden.

Vor allem fehlten laut der Befragungsergebnisse Grundversorger wie Orthopäden, Augenärzte und Hautärzte. "Wenn der Ärztemangel durch den Hinweis auf insgesamt steigende Arztzahlen negiert wird, so wird damit das eigentliche Problem verkannt", sagte Feldmann.

Es komme nicht nur darauf an, dass Ärzte ausgebildet werden und sich niederlassen, sondern auch welche, sagte die KBV-Vize mit Verweis auf die fehlenden Grundversorger.

IGeL wenig problematisch

Die Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) werden von den Versicherten als wenig problematisch angesehen. Das geht ebenfalls aus den Ergebnissen hervor. 21 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen ihr Arzt eine IGeL angeboten habe(2011: 24 Prozent).

17 Prozent fragten selbst nach einer solchen Leistung. "Angebot und Nachfrage halten sich die Waage", so Feldmann.

90 Prozent derer, die ein Angebot vom Arzt erhalten hatten, fanden, dass sie ausreichend Bedenkzeit gehabt hätten, das Angebot anzunehmen oder auch nicht.

Jeder Fünfte muss mindestens zwei Tage warten

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Den Kredit nicht verspielen

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[10.07.2013, 09:14:28]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Herr Doktor, wenn ich schon mal da bin ..."
Meine Innenstadtpraxis wird an manchen Tagen geradezu überlaufen von primär orthopädischen Akut- und Notfallpatienten, die einfach kein fachärztliches Gehör finden und von den dortigen MFAs abgewiesen werden. Diese Patienten kommen o h n e Termin in meine Sprechstunde, haben dann aber die Erwartung, zugleich bestehende Haut-, HNO-, Herz-, Stoffwechsel-, Psychiatrie- und Psychosomatik-Probleme a u s f ü h r l i c h erörtern zu können. "Herr Doktor, wenn ich schon mal da bin ...".

Ihre Krankenkassen-Hotline hat ihnen nämlich eingeflüstert, das jeder Patient in Deutschland zu jeder Tages- und Nachtzeit jederzeit alles untersuchen, besprechen und therapieren lassen kann. Entrüstet und enttäuscht ist so mancher, wenn ich bei Primärproblemen des Bewegungsapparats n i c h t die gewohnte orthopädische "Mischspritze" aus Kortison, Diclofenac und Vitamin B ansetze, sondern leitliniengerecht und damit zeitlich wesentlich aufwendiger therapiere. Meine Bestellpraxis geht dabei allerdings manchmal im "organisierten Chaos" unter.

Die hier angesprochenen Probleme gelten übrigens analog auch für andere Fachrichtungen. Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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