Ärzte Zeitung, 20.09.2013

Kommentar zum Notdienst in Thüringen

Weniger ist mehr

Von Robert Büssow

Notdienste sind für niedergelassene Ärzte oft ein notwendiges Übel und in vielen Ländern daher eine Dauerbaustelle. Den Stein der Weisen hat noch keine KV gefunden. Stets sehen sich einige Ärzte übervorteilt, da die Belastungen in den Regionen unterschiedlich verteilt sind.

In Thüringen wurde mit der Reform vor drei Jahren offenbar ein Modell gefunden, das auch in der Breite auf Akzeptanz gestoßen ist. Die Notdienstbereiche wurden massiv zusammengelegt und zentralisiert.

Das paradoxe Ergebnis: Auf einen Schlag nur noch halb so viele Fälle, bei gleichzeitig weniger Beschwerden. Auch die Kassen rieben sich verwundert die Augen.

Das hat zwei Ursachen: Die Lasten wurden auf mehr Schultern verteilt und die längeren Wege zur Notdienstzentrale, verbunden mit einer etwas restriktiveren Handhabung von Hausbesuchen, haben offenbar die Spreu vom Weizen echter Akutfälle getrennt.

Die Hürden für einen Anruf beim ambulanten Notdienst lagen in der Vergangenheit sehr niedrig. Einige Patienten warteten ganz bewusst die Sprechzeiten ab, um dann beim Notdienst vorstellig zu werden. Der Missbrauch des Systems konnte eingedämmt werden.

Der positive Nebeneffekt: Die Niederlassung auf dem Land wird für junge Ärzte attraktiver, wenn sie keinen Dauereinsatz im Notdienst befürchten müssen.

Wenn jetzt der Trend zur Zentralisierung geht, sollte der nächste Schritt allerdings sein, auch eine Zusammenlegung von Rettungsdienst und Notdienst in den Fokus zu nehmen

Lesen Sie dazu auch:
Thüringen: Notdienst-Ärzte oft nicht erreichbar

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »