Ärzte Zeitung online, 19.09.2013

KV Bayerns

Neuer EBM spaltet Haus- und Fachärzte nicht

Neuer EBM spaltet Haus- und Fachärzte nicht

An der EBM-Reform scheiden sich die Geister. Neben Schleswig-Holstein üben auch Hamburg und Nordrhein heftige Kritik an den Plänen der KBV. Nun bekennt sich der Chef der KV Bayerns als Befürworter der umstrittenen Reform.

Von Jürgen Stoschek

MÜNCHEN. Vorwürfe, dass der neue EBM zu einer Spaltung von Haus- und Fachärzteschaft führt, sind nach Ansicht des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), Dr. Wolfgang Krombholz, "völlig aus der Luft gegriffen".

Die getrennte Weiterentwicklung der Honoraranteile im hausärztlichen und fachärztlichen Bereich sorge dafür, "dass durch ein Drehen von Stellschrauben am EBM kein Mittelabfluss von einem Bereich in den anderen stattfinden kann", betonte Krombholz im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Dass die KV Schleswig-Holstein daraus jetzt ein Gegeneinander von Arztgruppen konstruiert, könne er nicht verstehen.

Mit dem neuen Hausarzt-EBM, der zum 1. Oktober in Kraft treten soll, ändere sich gegenüber der bisherigen Situation "gar nicht so viel", erklärte Krombholz.

Wichtig sei jedoch, dass die hausärztliche Tätigkeit künftig in einem eigenen Kapitel abgebildet werde.

Mit dem neuen EBM werde ein Beitrag zur Definition des hausärztlichen Arbeitsfeldes geleistet. Zusammen mit dem neuen Bundesmantelvertrag für Ärzte werde dann der hausärztliche Versorgungsauftrag beschrieben.

Eigentliche Reform kommt nach der Reform

Die eigentliche Reform beginne nach dem 1. Oktober, erklärte Krombholz, der sich ausdrücklich als Befürworter der EBM-Reform bekannte. Jetzt gehe es darum, den Bedarf zu entwickeln, der bisher "auf der Strecke" geblieben sei.

"Das sind mindestens sechs bis sieben Prozent, die die Hausärzte aufgrund der Pauschalierung bisher nicht darstellen konnten", sagte er.

Als Beispiel nannte Krombholz eine neue Abrechnungsziffer für neu entdeckte Chroniker. Bei Patienten, die erstmals als chronisch krank identifiziert sind, stecke im ersten Jahr viel Arbeit wie etwa bei der Einstellung eines Diabetikers, die derzeit nicht adäquat vergütet werde, begründete Krombholz. Diese Arbeit müsse bezahlt werden.

Zur Frage der extrabudgetären Bezahlung von Pauschalen erklärte Krombholz, nach seinen Vorstellungen sollte vorerst nur die Hausarztpauschale ausbudgetiert werden, nicht jedoch die Versichertenpauschale.

Würden beide Pauschalen ausbudgetiert, unterläge ein Großteil des hausärztlichen Honorars nicht mehr der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) und könne dann auch nicht mehr nach den Mechanismen der MGV weiterentwickelt werden.

"Hausärzte werden nicht pleitegehen"

Die zum 1. Oktober in Kraft tretenden EBM-Änderungen seien im Übrigen die Basis, um ab 1. Juli 2014 eine Strukturkomponente zur Bereitstellung technischer Leistungen im hausärztlichen Bereich zu implementieren und damit ohne "Hamsterrad" die Investition von Geräten, die zum hausärztlichen Versorgungsauftrag gehören, zu refinanzieren, erklärte Krombholz.

Gleichwohl gebe es unter Ärzten im Zusammenhang mit der EBM-Reform Sorgen und Befürchtungen, die er nicht wegdiskutieren wolle, räumte Krombholz ein.

Ab 18. September werde er deshalb durch ganz Bayern reisen, um den Hausarzt-EBM zu erläutern und Hintergründe aufzuzeigen.

"Ich erwarte heiße Diskussionen", erklärte Krombholz. Und der ein oder andere Hausarzt werde ihm dann sicher vorwerfen, dass er jetzt pleitegehen werde. "Das ist Unsinn", sagte Krombholz.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »