Ärzte Zeitung online, 01.10.2013

Thüringen

Wettbewerb ruft Kammer auf den Plan

Veranstaltungen der Thüringer Kliniken sind der Ärztekammer ein Dorn im Auge geworden. Denn diese seien zu "aggressiven Patienten-Marketing-Strategien" geworden und verletzten die ärztliche Berufsordnung.

Von Robert Büssow

Ärztekammer Thüringen warnt vor unlauterem Wettbewerb

Patientenveranstaltung (Archivbild): In Thüringen haben Veranstaltungen mancher Kliniken die Kammer alarmiert.

© Klaro

ERFURT. Mit aggressiven Werbekampagnen wildern Thüringens Krankenhäuser zunehmend auch im Revier ihrer Konkurrenten. Für die Landesärztekammer haben die als "Informationsveranstaltung für Patienten" titulierten Marketingaktionen nun die rote Linie überschritten. In den vergangenen Monaten hätten sich vermehrt Ärzte über unangemessene Aktionen beschwert.

Das Problem ist offenbar so gravierend, dass sich die Delegiertenversammlung der Ärztekammer damit beschäftigt und nun eine Resolution verabschiedet hat.

Darin heißt es: "Bei den in jüngster Zeit in Thüringen stattfindenden Patientenveranstaltungen und Zeitungsanzeigen, die einer aggressiven Patienten-Marketing-Strategie folgen, sieht die Landesärztekammer die Einhaltung der in der ärztlichen Berufsordnung niedergelegten Regeln massiv gefährdet."

Konkret geht es um das Verbot anpreisender, irreführender oder vergleichender Werbung. Auch das Prinzip der Kollegialität ruft die Kammer in Erinnerung. Auslöser der ungewöhnlich offenen Kritik an den Krankenhäusern waren mehrere Vorfälle vor allem seitens privater Kliniken.

Zuletzt hatte etwa das SRH Klinikum Suhl im Stadttheater Hildburghausen ihr Leistungsspektrum vorgestellt. Die Henneberg-Klinik Hildburghausen hatte sich über die Patientenwerbung beschwert.

Allerdings verzichtet inzwischen so gut wie keines der 45 Krankenhäuser in Thüringen auf die meist gut besuchten Informationsveranstaltungen. Die Uniklinik Jena etwa veranstaltet eine Patienten-Universität, andere Häuser bieten Gesundheitsgespräche und kooperieren mit den Offenen Kanälen von Rundfunk und Fernsehen vor Ort.

Steigender Wettbewerbsdruck

"Das ist auch ein Ausdruck des zunehmenden Wettbewerbsdrucks", sagt Ulrike Schramm-Häder, Sprecherin der Ärztekammer. Prinzipiell werde diese Praxis der Patientenakquise auch nicht verdammt, sondern als "sinnvoll" erachtet, um Vertrauen zu schaffen. Verboten ist laut Berufsordnung hingegen berufswidrige Werbung.

"Es muss der Eindruck einer dem Selbstverständnis des Arztes zuwiderlaufenden Kommerzialisierung des Arztberufes vermieden werden", schreibt die Kammer.

Die Geschäftsführungen der betroffenen Kliniken werden in der Resolution deshalb aufgefordert, die Berufsordnung sowie die Verpflichtung zur kollegialen Zusammenarbeit zu respektieren.

Laut SRH-Klinikum Suhl ist die Informationskampagne Teil des Programms zum 15-jährigen Bestehen. Ganz gezielt habe man die Marketingoffensive in umliegenden Städten gestartet, wohl wissend, dass es dort eigene Krankenhäuser gebe, erklärte die Geschäftsführung gegenüber der Tageszeitung "Freies Wort" in Suhl.

"Wir sind ein Haus der Maximalversorgung und stehen als solches auch als Schwerpunktversorger mit überregionalem Auftrag im Krankenhausplan des Landes", sagte Sprecher André Raffel. Es werde überdies immer schwieriger, schwarze Zahlen zu schreiben.

Thüringen gehört bundesweit zu den Ländern mit der höchsten Krankenhausdichte. In den 45 Kliniken stehen pro 100.000 Einwohner 727 Betten zur Verfügung - im Vergleich zu 614 im Bundesdurchschnitt. Die Auslastung der Betten liegt bei nur 76,3 Prozent.

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