Ärzte Zeitung, 07.10.2013

Baden-Württemberg

Gesundheit im Dialog statt basta und Schluss

Stuttgart 21 hat gezeigt, wie es nicht geht: Mit der Landesgesundheitskonferenz startet in Baden-Württemberg eine neue Etappe der auf Dialog angelegten Gesundheitspolitik der grün-roten Landesregierung.

Von Lucie Neumann

STUTTGART. "Je früher Bürger in Prozesse eingebunden werden, umso mehr kann Bürgerbeteiligung leisten", sagte Baden-Württembergs Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) bei der Landesgesundheitskonferenz in Stuttgart.

Teilnehmer waren alle institutionellen Akteure des Gesundheitswesens wie auch die Vertreter der 34 kommunalen Gesundheitskonferenzen sowie Repräsentanten von Selbsthilfegruppen und interessierte Bürger.

Das Gesundheitswesen stehe vor großen Herausforderungen - Altpeter nannte beispielhaft die Alterung der Gesellschaft oder die Zunahme chronischer Erkrankungen.

Regionalisierte Gesundheitsförderung wichtig

Seit gut einem Jahr wird in Baden-Württemberg ein "Zukunftsplan Gesundheit" vorbereitet. In dem breit angelegten Teilhabeprojekt soll ein gemeinsames Gesundheits-Leitbild erarbeitet werden.

In parallelen Arbeitsgruppen durchleuchteten die Teilnehmer einen Katalog von 40 Anregungen aus der Bürgerschaft für ein solches Leitbild. Einigkeit herrschte zwischen Fachleuten und Bürgern beispielsweise beim hohen Stellenwert einer gut vernetzten und regionalisierten Gesundheitsförderung.

Die Realisierbarkeit der Vorschläge zu Prävention, Versorgung, Rehabilitation und Pflege soll im November von einem Redaktionsteam mit Delegierten aller beteiligten Gruppen ausgelotet und im Dezember dann abgeschlossen werden.

Gleiches gilt für fünf Pilotprojekte. Sie wurden im Auftrag des Sozialministeriums vom Landesgesundheitsamt gemeinsam mit der Universität Stuttgart und den Partnern vor Ort konzipiert.

Räumlich spannen sie sich von den Landkreisen Reutlingen und Calw über die Städte Weinheim und Stuttgart-Mönchfeld bis in die Gemeinde Sulzfeld im Kreis Karlsruhe.

Telematik ein Thema

Die Themenvielfalt reichte von der Neuausrichtung defizitärer Kreiskliniken über Bewegungsförderungs-Projekte für Menschen ab 50 Jahre. Andere Projekte beschäftigten sich etwa mit der Frage, wie Telematik nutzerfreundlicher werden kann.

Altpeter zog ein positives Fazit zum Verlauf der kommunalen Pilotprojekte und landesweiten Bürgerdialoge. Durch die breite Beteiligung hätten sich neue Impulse gerade auch aus der Sicht von Patienten ergeben.

Durch Bürgerbeteiligung könne die Akzeptanz für schwierige Entscheidungen, etwa in der Krankenhausversorgung, erhöht werden. Es müsse jedoch darauf geachtet werden, dass die Kompetenzen gewählter Gremien, etwa von Gemeinderäten und Kreistagen, nicht angetastet werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »