Ärzte Zeitung online, 05.11.2013

Hartmannbund

Studenten gegen PJ-Pflichtzeit in Allgemeinmedizin

"Zwangsmaßnahme" und "überflüssig" - so bezeichnen die Medizinstudenten den Vorstoß der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin, ein PJ-Pflichtquartal in der Allgemeinmedizin einzuführen.

NEU-ISENBURG. Die Medizinstudenten im Hartmannbund haben den Vorstoß der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) zu einer Pflichtzeit im Praktischen Jahr kritisiert.

"Wir lehnen eine Verpflichtung über die bisherigen PJ-Plichtabschnitte hinaus auch weiterhin ab - egal, ob in einem Tertial oder Quartal", sagte Theodor Uden, der Vorsitzende der Medizinstudierenden im Hartmannbund.

Die DEGAM hatte vergangene Woche ein Positionspapier vorgelegt, in dem die Gesellschaft die Einführung eines PJ-Pflichtquartals in der Allgemeinmedizin fordert.

Bereits vor einem Jahr war der Versuch, eine PJ-Pflichtzeit in der Allgemeinmedizin in die Approbationsordnung zu schreiben, gescheitert. Damals hatten sich auch die Studenten an den heftigen Protesten beteiligt.

Laut der Mitteilung des Hartmannbundes wird die Allgemeinmedizin in der derzeitigen Approbationsordnung bereits "ausreichend berücksichtigt".

Die Novelle aus dem vergangenen Jahr sieht vor, dass bis 2015 für zehn Prozent der Studierenden und ab 2017 für 20 Prozent Plätze für ein Wahltertial in Allgemeinmedizin-Praxen vorhanden sein sollen.

"Hier sollten erst einmal die Ergebnisse abgewartet werden, bevor neue, die Studierenden noch weiter einengende Zwangsmaßnahmen präsentiert werden", so Uden, der seit Mitte Oktober neuer Vorsitzender der Medizinstudenten im Hartmannbund ist. Uden studiert an der Medizinischen Hochschule Hannover. (bee)

[05.11.2013, 10:53:27]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Hasst der Hartmannbund (HB) die Allgemeinmedizin?
Höchste Zeit für den Hartmannbund (HB), seinen Vorsitzenden der Medizinstudierenden, Theodor Uden, zurückzupfeifen. Denn familienorientierte, hausärztliche Allgemeinmedizin, Innere, Pädiatrie bzw. in Teilen auch Gynäkologie und Geburtshilfe sind i n t e g r a l e r Bestandteil des Medizinstudiums und Staatsexamens.

Proteste der Studierenden aus Sicht der "Sturm und Drang"-Phase einer verwissenschaftlichten, an konkurrierenden Fachdisziplinen orientierten Spartenmedizin sind durchaus verständlich und nachvollziehbar. Sie werden jedoch durch die Realität konterkariert: Über 40 Prozent der später im Berufsfeld ambulante Medizin Tätigen werden über kurz oder lang dann doch in der Grundversorgung von Allgemeinmedizin und verwandten Fächern landen.

Die DEGAM ist durchaus berechtigt, universitäre Ausbildungsreformen und PJ-Pflichtabschnitte z. B. als Modellversuch zu fordern. Hausärztliche Allgemeinmedizin bedeutet ökologisch wie ökonomisch optimale Ausnutzung vorhandener Ressourcen. 80 bis 85 Prozent aller Beratungsanlässe werden innerhalb dieses Fachgebietes gelöst. Sie stellt eine adäquate Lotsen- und Steuerungsfunktion für ambulante/klinische, fach- und spezialärztliche Weiterbehandlung bzw. planvoll risikoadaptierte Stufendiagnostik und -therapie dar. In der biografischen Lebenswirklichkeit unserer Patientinnen und Patienten bzw. im ärztlichen Behandlungsalltag zwischen lapidarer Befindlichkeitsstörung und hochdramatischen Krankheitsverläufen sind die fach-/spezialärztlichen Behandlungen und klinischen Krankenhausbehandlungen grundsätzlich Ausnahmesituationen. Die lebenslange, generationenübergreifende, bio-psycho-soziale Begleitung ist d a s Metier der hausärztlichen Profession.

Dass ausgerechnet der Hartmannbund (HB) hier dazwischen grätschen will, ist bezeichnend für Standes- bzw. Facharztdünkel und Ausgrenzungsbestrebungen in diesem Verband.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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