Ärzte Zeitung, 11.11.2013

Goslar

Kindernotdienst vor dem Aus?

Die KV Niedersachsen stellt die Weichen im fachärztlichen Notdienst neu. In Goslar soll Ende 2014 der kinderärztliche Notdienst eingestellt werden. Das ruft Pädiater und örtliche Politiker auf den Plan.

Von Christian Beneker

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Mit Kirche und von oben: Goslar droht, bald ohne Kindernotdienst zu sein.

© imagebroker / imago

GOSLAR. Die KV Niedersachsen (KVN) diskutiert darüber, fachärztliche Bereitschaftsdienste im Land zu reduzieren oder einzustellen. In Goslar im Harz haben die Pläne, den Kinderärztlichen Bereitschaftsdienst ab Ende 2014 einzustellen eine Welle der Empörung ausgelöst.

"Die KV-VV wird am 16. November über die Zukunft des ärztlichen Bereitschaftsdienstes diskutieren", erklärte die KV auf Anfrage. Insgesamt gibt es in Niedersachsen 16 kinderärztliche Bereitschaftsdienste, die neben den hausärztlichen Bereitschaftsdienstringen existieren.

Darüber hinaus arbeiten derzeit insgesamt 20 augenärztliche Bereitschaftsdienste, acht HNO-Bereitschaftsdienste, sechs chirurgische, drei gynäkologische und jeweils ein hautärztlicher, nervenärztlicher und MKG-chirugischer Bereitschaftsdienst, so die KV.

"Der kinderärztliche Bereitschaftsdienst wird fortgeführt, dort wo bestimmte Voraussetzungen vorliegen", hieß es.

Und in Goslar? Hier müssten die Eltern mit ihren Kindern 40 bis 50 Kilometer zum Beispiel ins Krankenhaus Braunschweig fahren oder den hausärztlichen Bereitschaftsdienst in Anspruch nehmen, da das Goslarer Krankenhaus keinen kinderärztlichen Notdienst vorhält.

Landrat Thomas Brych, Oberbürgermeister Oliver Junck (CDU) sowie die Landtagsabgeordneten Petra Emmerich-Kopatsch und Alexander Saipa wenden sich geschlossen gegen die geplante Streichung. Die Abgeordneten sprechen von einem "katastrophalen Signal". Die Abschaffung des Kindernotdienstes sei "unzumutbar". Die Kinderärzte vor Ort stoßen ins gleiche Horn.

Obwohl der Notdienst für die sechs Goslarer Kinderärzte eine erhebliche Belastung bedeutet, stehen sie zu dem Angebot und kritisieren die KV-Pläne: "Die KV will doch in erster Linie Geld sparen!", sagte der Kinderarzt Dr. Walter Heusel aus Goslar der "Ärzte Zeitung".

Tatsächlich wird nach Auskunft der KV Niedersachsen der Kinderärztliche Bereitschaftsdienst lebhaft frequentiert. 1500 Behandlungsfälle zählt man in Goslar im Quartal. "Für einen Behandlungsfall bekommen wir 25 Euro, das heißt, es dreht sich pro Quartal um ein Volumen von 375.000 Euro, und zwar extrabudgetär", sagt Heusel.

Stefan Hofmann, Geschäftsführer der KV-Bezirksstelle Braunschweig, begründet die Überlegungen mit der Bereitschaftsdienstordnung. Darin heißt es, dass die Dienstbelastung im Bereitschaftsdienst für einen Arzt vier Mal im Quartal nicht überschreiten soll.

Das passt nicht zur Goslarer Praxis. "Es geht um das Gleichheitsgebot", so Hofmann. "Und da die Kinderärzte in Goslar außerdem 55 Jahre und älter sind, müssen wir an den Nachwuchs denken. Viele Bereitschaftsdienste wären kein Argument für junge Kinderärzte, um nach Goslar zu gehen."

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