Ärzte Zeitung online, 06.12.2013

Aus der KBV-VV

Hausarzt-EBM wird nicht ausgesetzt

Der Hausarzt-EBM bleibt, dennoch soll es weitere Anpassungen geben: Dafür haben sich die Delegierten der KBV-VV ausgesprochen. Zuvor hat Vorstand Regina Feldmann von ersten Verhandlungsergebnissen berichtet: So soll die Versichertenpauschale im Vertretungsfall erhöht werden.

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KBV-Vorstand Regina Feldmann informiert die KBV-Vertretr über die Verhandlungen über den neuen Hausarzt-EBM.

© Bild13 / imago

BERLIN. Die Vertreterversammlung der KBV hat am Freitag beschlossen, den Hausarzt-EBM nicht auszusetzen, nachdem erste Korrekturen erreicht worden sind. Die Delegierten forderten den Vorstand auf, in der zweiten Stufe der Reform weitere Anpassungen vorzunehmen.

In ihrer Sitzung am 20. September hatten die Delegierten zwar grünes Licht gegeben, dass der neue Hausarzt-EBM zum 1. Oktober startet, allerdings nur unter der Bedingung, dass in vielen Punkten nachverhandelt wird.

KBV-Vorstand Regina Feldmann hat in der VV am Freitag die Vertreter darüber informiert, dass die Verhandlungen über den Hausarzt-EBM zu konkreten Ergebnissen geführt hätten.

So soll die Versichertenpauschale im Vertretungsfall erhöht werden, und zwar um die halbe versorgungsbereichsspezifische Grundpauschale.

Nichts Neues zur Abstaffelungsregelung

Die Gesprächspauschale (03230) bei Nebeneinanderberechnung der Versichertenpauschale 03000 ist nicht mehr an die Voraussetzung einer Dauer von 20 Minuten gebunden.

Die Schlechterstellung zur Abrechnung der versorgungsspezifischen Grundpauschale in versorgungsbereichsübergreifenden Gemeinschaftspraxen ist bereits im Bewertungsausschuss am 25. September aufgehoben worden.

Kein Konsens wurde bei der Abstaffelungsregelung gefunden. Die Weiterentwicklung ist weiter vorgesehen.

Eine Veränderung der Abrechnungsvoraussetzungen für die Chronikerziffer 03221 sowie der Budgetregelung zum hausärztlichen Gespräch lehnt der GKV-Spitzenverband nach Angaben von Feldmann ab. (af/ths)

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Regina Feldmann (363)
[09.12.2013, 23:16:58]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
@ Dr. Wolfgang Bensch. Betreff: "Das Leben der Anderen"?
Der Film "Das Leben der Anderen" (Deutschland 2006, Regie und Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck) stellt den STASI-Apparat und die Kulturszene Ost-Berlins ins Zentrum einer ernsthaft-kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR. Der Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Kürzel HGW XX/7), gespielt von Ulrich Mühe (*1953 #2007) im Ost-Berlin des Jahres 1984, observiert den Theaterschriftsteller Georg Dreyman (Sebastian Koch) und sammelt Belastungsmaterial im Auftrag seines Vorgesetzten Anton Grubitz (Ulrich Tukur). DDR-Kulturminister Bruno Hempf (Thomas Thieme) will Dreyman ausschalten, um dessen attraktive Lebensgefährtin und Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) zu erobern. Je tiefer der STASI-Hauptmann in die ihm völlig fremde Welt der Kulturschaffenden abhörend eintaucht, desto bewusster erwacht seine kulturelle Reflexion. Er versucht schlussendlich, die von ihm observierten Menschen-Objekte mit seiner neu erworbenen kulturellen Subjektivität und Solidarität zu schützen, kann aber das dramatische Ende trotz aller seiner Bemühungen nicht verhindern. Der Film greift auf, dass wahre Kunst das Gute im Menschen hervorzubringen vermag. Er zeichnet die Möglichkeit einer Versöhnung zwischen Opfern und Tätern auf, als Jahre später darüber ein Buch von Georg Dreyman erscheint: "Die Sonate vom Guten Menschen" mit der Zueignung "HGW XX/7 gewidmet, in Dankbarkeit". Der Film wurde neben vielen Auszeichnungen mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film prämiert.

Soweit, so gut, Herr Kollege und Orthopäde Wolfgang Bensch. Aber was hat, bitteschön, dieser Film, wenn Sie ihn denn überhaupt gesehen und verstanden haben, mit 'Wessen Handschrift zeigt der Hausarzt-EBM? Beachtlich die Aufregung und natürlich ist es wieder einmal ein EBM, den "die Anderen" für uns gemacht haben' zu tun? Denn dass 'Funktionäre eigentlich so anders oder gar schon abartig' sein könnten, davon handeln zig tausende Bücher, Theaterstücke und Essays in Belletristik, Prosa und Poesie auf der ganzen Welt.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[08.12.2013, 13:55:41]
Dr. Wolfgang Bensch 
Wessen Handschrift zeigt der Hausarzt-EBM?
Beachtlich die Aufregung und natürlich ist es wieder einmal ein EBM, den "die Anderen" für uns gemacht haben. Das "Leben der Anderen" scheint ein großes Thema in Deutschland zu sein und damit werden sogar Oscars fällig ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Leben_der_Anderen
Was ist im Leben ärztlicher Funktionäre eigentlich so anders oder gar schon abartig?
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[06.12.2013, 17:44:59]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Die ich rief, die Geister, Werd ich nun nicht los. In die Ecke, Besen! Besen!" (J. W. v. Goethe)
Falsche Argumente werden vorgebracht und bleiben stehen: Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV-VV hat jetzt beschlossen, den neuen Einheitlichen Bewertungsmaßstab für Hausärztinnen und Hausärzte (HA-EBM-neu) n i c h t auszusetzen? Das bedeutet im Umkehrschluss, die Facharzt-lastige KBV-VV hatte vorher allen Ernstes eilig einen "halbgaren" neuen HA-EBM beschlossen, der primär als Experimentier-Baukasten auf dem Rücken der Hausärzte austesten sollte, was ihn als besser erprobte und perfektionierte Version eines "FA-EBM-neu" dann für alle Fachärzte zumutbar werden lässt.
Helmut Laschet hatte in der Ärzte Zeitung unter - http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/846806/hausarzt-ebm-diese-punkte-nachverhandelt.html - auf die Schwachpunkte hingewiesen. KBV, KBV-VV bzw. der (erweiterte) Bewertungsausschuss wollten den o h n e Probelauf und Evaluation zum 1.10.2013 hastig zusammengebastelten neuen Hausarzt-EBM bereits am 30.11.2013 nachverhandelt haben. Änderungswünschen sollten dann ausgerechnet dem Spitzenverband Bund (SpiBu) der GKV-Kassen präsentiert werden. 6 strittige Punkte wurden von H. Laschet kolportiert:. • Versichertenpauschale und erstes ärztliches Gespräch mit nur 10 Minuten Gesprächszeit nicht möglich. • f e h l e n d e hausärztliche Strukturpauschale (03040) im Vertretungsfall, als ob der Vertragsarzt für ein Vertretungsfall keinerlei Praxisstrukturen vorhalten müsste.• Rationierte und budgetierte Gesprächsleistungen o h n e realitätsbezogene Bedarfsadaptation. • völlig unlogische Zu- und Abschläge für große und kleine Praxen. • Verwirrende Neu-Definition chronisch Kranker. • Hausarzt-Benachteiligungen in fachübergreifenden Gemeinschaftspraxen. Dem SpiBu sollte damit "gedroht" werden, ab 1. Januar 2014 wieder zum a l t e n EBM zurückzukehren.

Aber auch jetzt bleiben zentrale Probleme und Ungereimtheiten ungelöst. Die neuen EBM GOP 03230/04230 sind definitiv k e i n e "Einzelleistung", wie unter www.kbv.de/honorar behauptet. Sie sind budgetiert und pro Patient pro Quartal nur h ä l f t i g abrechenbar. Sie betragen 90 Punkte (9,00 Euro); das Gesprächskontingent bei 1.000 Scheinen im Quartal beträgt 4,50 Euro (45 Punkte). Rationierung u n d die Zeitvorgabe von m i n d e s t e n s 10 Minuten erbringen einen Hausarzt-Stundenlohn von u n t e r 27 bis u n t e r 54 Euro da zwischen den theoretisch möglichen 6 Patienten pro Stunde Wechsel-, Dokumentations-, Verordnungs-, Therapie- und Rüstzeiten erforderlich sind. Eine adäquate, Frequenz- und Aufwands-adaptierte Vertretungspauschale ist weiterhin nicht in Sicht.

Skandalös bleibt die "Chronikerziffer": Die beim Erstkontakt anzusetzende GOP 03220 (13,00 Euro) soll in der Abrechnung dokumentar- und ersatzlos gelöscht werden, wenn mit dem Zweitkontakt die GOP 03221 ausgelöst wird. Diese ist mit lächerlichen 2,00 Euro "Mehrwert" bewertet und löst ein Gesamthonorar für 2 Chroniker-Beratungen und Zeitvorgaben von insgesamt 15 Euro aus. Soll mit dieser Konstruktion etwa Verwirrung und fehlende dokumentarische Nachweisbarkeit provoziert werden?

Zusätzlich gibt es KBV-Spaltungsgerüchte, da die hausärztlichen Belange in den Einzel-KVen, in der KBV-VV und im KBV-Vorstand unter Facharztdominanz stehen. Symptomatisch dafür: Dem hausärztlichen Vorstandsbereich, von Frau Kollegin Regina Feldmann vertreten, sitzt nach der schweren Erkrankung des Kollegen Andreas Köhler eine fünfköpfige Facharzt-Phalanx gegenüber. Da müsste mal gründlich ausgefegt werden!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Kaprun/A)
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