Ärzte Zeitung online, 06.03.2014

Wartezeiten

Ärzteverbände gegen Express-Überweisungen

Scharfe Kritik an der Idee der Express-Überweisungen: Der Hartmannbund fürchtet vermehrt Konflikte im Arzt-Patienten-Verhältnis.

BERLIN. Als völlig realitätsfern bezeichnet der Hartmannbund die Idee der "Express-Überweisung". Sie sei ein "gänzlich ungeeignetes Instrument". Der Vorschlag ziele am eigentlichen Problem vorbei, hat der Verband am Mittwoch mitgeteilt. Er schaffe sogar Neue.

Ist der Patient eine normale oder eine schnelle Überweisung wert? Mit dieser Frage könnten sich Ärzte bei jedem Vorgang konfrontiert sehen, fürchtet der Hartmannbund.

Normale Überweisungen könnten in den Augen der Patienten als Überweisung zweiter Klasse gelten, ergänzt ein Sprecher des NAV-Virchow-Bundes. Bislang würden ungerechtfertigt lange Wartezeiten einfach durch Kommunikation zwischen Hausarzt und Facharzt verhindert.

Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes, sieht die eigentliche Ursache des Wartezeitenproblems in der Vergütungssituation der Ärzte.

"Das Honorarsystem ist nach wie vor so angelegt, dass die Kolleginnen und Kollegen zu hohen Fallzahlen gezwungen sind. Da sind angesichts sinkender Kapazitäten der medizinischen Versorgung hier und da Wartezeiten schlicht systemimmanent", erklärt Reinhardt.

Missbrauch fürs Marketing?

Eine solche Form der Überweisung könnte in den Augen der Patienten als Bevorzugung wahrgenommen werden, was zu viel Unmut führen könnte, heißt es beim NAV-Virchow-Bund.

Der Bundesvorsitzende Dirk Heinrich mahnt: "Es würde die Gefahr bestehen, dass die schnelle Überweisung als Marketinginstrument missbraucht werden könnte."

Damit üben die Ärzteverbände Kritik an der Idee der "dringlichen Überweisung". Die hatte Professor Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, über Weihnachten zur Diskussion gestellt. "Das Terminmanagement muss in den Händen der Ärzte bleiben", sagte Montgomery damals.

Ziel des Vorstoßes ist es, die im Koalitionsvertrag vereinbarte Terminvergaberegelung zu verhindern. Die KVen müssten dafür eigens Servicestellen schaffen.

Wenn ein Patient dennoch länger als vier Wochen auf einen Facharzttermin warten müsste, soll er einen Termin zur ambulanten Behandlung im Krankenhaus bekommen. Finanziert werden sollen diese Klinikbehandlungen aus dem Honorartopf der Vertragsärzte.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bekräftigte im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" kürzlich, dass die KV-Servicestellen eingerichtet werden. Wie viel diese zu tun hätten, liege dann in der Hand der Ärzteschaft, sagte Gröhe. (mh)

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