Ärzte Zeitung online, 10.03.2014

Kommunikation

Spreng liest Ärzten die Leviten

Ärzte haben vor allem eine Chance in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen zu werden, wenn sie sich zu Fürsprechern der Patienten machen, sagt der Kommunikationsberater Michael Spreng.

Spreng liest Ärzten die Leviten

Michael Spreng bei seinem Vortrag in der nordrheinischen Kammerversammlung.

© Bülent Erdogan

DÜSSELDORF. Die Ärzteschaft hat es selbst in der Hand, für ein positiveres Erscheinungsbild in den Medien zu sorgen.

Die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kommunikation haben die Ärzte dabei, wenn sie nicht als Anwälte ihrer selbst, sondern als Anwälte der Patienten auftreten, sagte der Politik- und Kommunikationsberater Michael Spreng bei der Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein in Düsseldorf.

"Wenn Sie klug sind, sind Sie keine Ärzte-Lobby, sondern eine Patienten-Lobby. Nur dann können Sie auch Multiplikatoren Ihrer eigenen Interessen sein", riet Spreng seinen Zuhörern. Was Ärzte fordern, müsse zum Wohl ihrer Patienten sein.

Nach seiner Meinung reagieren die Mediziner zu häufig, anstatt pro-aktiv zu handeln. Den jüngsten Beleg dafür sieht er in dem Plan der Großen Koalition, Patienten bei mehr als vier Wochen Wartezeit auf einen Facharzttermin den Weg in die Krankenhaus-Ambulanz zu öffnen.

Das stelle den Patienten unabhängig von seiner Versicherungsart wieder in den Mittelpunkt, lobte Spreng. "Warum ist der vernünftige Vorschlag Ihres Präsidenten Montgomery, stattdessen eine dringliche Überweisung vom Haus- zum Facharzt einzuführen, erst unter politischem Druck gekommen, statt von sich aus?" fragte er.

Achillesferse Wartezeitendiskussion

Das Thema Wartezeiten und damit verbunden die Zwei-Klassen-Medizin ist nach seiner Einschätzung die Achillesferse der Ärzteschaft. "Das prägt immer häufiger das Bild von Ihnen, und das ist nicht die Schuld von Herrn Lauterbach."

Nach Einschätzung des Journalisten, der unter anderem stellvertretender Chefredakteur der Bild Zeitung war und im Jahr 2002 für Edmund Stoiber (CSU) den Wahlkampf geleitet hatte, kommen die Ärzte an mehr Offenheit und Transparenz nicht vorbei, wenn sie in ihrer Kommunikationsarbeit erfolgreich sein wollen.

Spreng empfiehlt die Abkehr von der Wagenburg-Mentalität, die den Angriff gegen Einzelne immer gleich als Angriff auf die gesamte Berufsgruppe versteht.

Eine solche Haltung führe dazu, dass die guten mit den schlechten in einen Topf geworfen werden. Gefragt sei deshalb die "Entsolidarisierung", so Spreng: Ärzte sollten schwarze Schafe in den eigenen Reihen brandmarken, statt sie zu schützen.

Wer das mache, sei kein Netzbeschmutzer, sondern glaubwürdig. "Glaubwürdigkeit ist die entscheidende Voraussetzung jeder erfolgreichen Kommunikation."

Die Ärzte sollten Auswüchse des Berufsstands beim Namen nennen und Transparenz über ihre wahre Lage, auch die materielle schaffen, sagte Spreng. Das sei zwar schwierig, baue aber neues oder zusätzliches Vertrauen auf. "Was sich nicht kommunizieren lässt, sollte man sein lassen."

Mehr über Erfolge als über Geld reden

Der Medien-Experte forderte die Ärzte auf, mehr Selbstbewusstsein zu zeigen. Schließlich habe die Medizin in den vergangenen Jahren gute Fortschritte bei der Bekämpfung und Heilung von Krankheiten gemacht. "Das ist ein Pfund, mit dem Sie mehr wuchern können."

Er rät, mehr über Behandlungsleistungen, diagnostische Superleistungen und den medizinischen Fortschritt zu reden und weniger über Geld.

Er wisse, dass es vielen in den vergangenen Jahren schlechter gehe, Klinikärzte unter Zeit- und Kostendruck litten und viele Allgemeinmediziner ihre Praxis kaum noch finanzieren könnten, betonte Spreng.

"Aber Sie erhalten mehr Verständnis, wenn sie mit dem Positiven werben, statt zu jammern; wenn Sie Ihre Leistungen ins Licht stellen, nicht Ihre bedrängte Lage, wenn Sie sich an dem gelungenen Gewerkschaftsslogan orientieren: gutes Geld für gute Leistung."

Nach Ansicht Sprengs müssen Ärzte um die Medien werben, wenn sie etwas erreichen wollen. "Ein objektiver und transparenter Bericht über einen Arzt, der von seinen Einnahmen nicht mehr leben kann, der Jahr für Jahr höhere Einkommensverluste erleidet, der Sprechstundenhilfen entlassen muss, bewirkt mehr und ist mehr wert als jede Lobbyarbeit im verdächtig Verborgenen."

Schafft die Ärzteschaft es, die Medien zu überzeugen, dann könnten sie auch Einfluss auf die Politik nehmen. "Die Öffentlichkeit muss davon überzeugt werden, dass das Bild vom goldenen Beruf nicht mehr stimmt, bevor Sie die Politik überzeugen können." (iss)

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