DEGAM-Präsident

Pflichtquartal erhöht Qualität des Studiums

Der Präsident der DEGAM, Ferdinand Gerlach, fordert eine zügige Umsetzung der von Schwarz-Rot versprochenen Verbesserungen in der Weiterbildung. Für ihn entscheidend: die Allgemeinmedizin. Die brauche ein Pflichtquartal. Das würde letztlich das Studium insgesamt verbessern.

Raimund SchmidVon Raimund Schmid Veröffentlicht:
DEGAM-Präsident Professor Ferdinand Gerlach wirbt für das Pflichtquartal.

DEGAM-Präsident Professor Ferdinand Gerlach wirbt für das Pflichtquartal.

© Institut für Allgemeinmedizin

FRANKFURT/MAIN. In Deutschland schließt in jedem Jahr nur jeder zehnte Nachwuchsmediziner seine Weiterbildung als Facharzt für (Innere und) Allgemeinmedizin ab. Notwendig wären allerdings doppelt bis dreimal so viele Abschlüsse als Generalist, um künftig den Bedarf mit Hausärzten decken zu können.

Auf dieses Missverhältnis hat Professor Ferdinand Gerlach, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" hingewiesen.

10.694 der insgesamt 11.891 Weiterbildungsabschlüsse entfielen im Jahr 2012 auf inzwischen 80 verschiedene Facharztbezeichnungen, 1197 (und damit nur noch 10,07 Prozent) auf die Allgemeinmedizin.

Insgesamt ist die Zahl der niedergelassenen Fachärzte von 1993 bis 2012 bereits um 56,6 Prozent gewachsen, wohingegen die Zahl der Hausärzte im gleichen Zeitraum um zehn Prozent gefallen sei. Und dieser Trend setze sich fort.

Erschwerend kommt hinzu, dass nicht jeder Arzt, der seine Weiterbildung als Allgemeinarzt abgeschlossen hat, für die Versorgung auch tatsächlich zur Verfügung steht. Denn ein Teil der weitergebildeten jungen Allgemeinärzte seien "atypische Hausärzte", weil sie keine Hausbesuche machten, keine Rezepte ausstellten oder sich primär der Psychotherapie oder Homöopathie widmeten.

Als umso dringlicher sieht es Gerlach an, das im Koalitionsvertrag angekündigte Vorhaben der Entwicklung eines "Masterplans Medizinstudium 2020" baldmöglichst umzusetzen.

Bedarf auch in anderen Fachgebieten

Besonders wichtig sei der Passus, die Förderung der Weiterbildung im Fach Allgemeinmedizin um 50 Prozent zu erhöhen und bei Bedarf länderübergreifend zu koordinieren.

Dies sei deshalb notwendig, weil zuletzt Fördertöpfe in den KV-Bereichen Bremen, Berlin, Nordrhein und Hessen früh ausgeschöpft waren und die Förderung der Weiterbildungen in der Allgemeinmedizin auf diese Weise wiederholt blockiert wurden.

Sinnvoll sei auch die nun im Koalitionsvertrag vorgesehene Option, künftig die ärztliche Weiterbildung aller grundversorgenden Fachgebiete in ambulanten Einrichtungen strukturell und finanziell zu fördern. Ein erkennbarer Bedarf bestehe hier außer bei der Allgemeinmedizin zum Beispiel in der Augenheilkunde, der Dermatologie oder der Pädiatrie.

Entscheidend für eine praxisnähere Ausbildung sei aber die zügige Einführung des Pflichtquartals Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr. Dies käme nicht nur der Nachwuchsgewinnung im Bereich Allgemeinmedizin zugute.

Ein Pflichtquartal in einer der bereits aktiven 4600 hausärztlichen Lehrpraxen würde auch die Breite und Qualität des Medizinstudiums für alle Studierenden verbessern, zeigt sich Gerlach überzeugt.

Bis 2019 könnte ein PJ-Quartal schrittweise eingeführt werden, wozu an den bundesweit 37 Studienstandorten jeweils rund 125 neue Lehrpraxen gewonnen werden könnten. Nach Berechnungen der DEGAM seien dafür überschaubare Investitionsmittel (durchschnittlich 676.000 Euro pro Standort) nötig.

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Kommentare
Dr. Helmut Müller 26.03.201418:23 Uhr

Und bist Du nicht willig ...

Es hat ja Gründe, warum viele junge Kollegen/innen sich nicht für eine Weiterbildung in der Allgemeinmedizin entscheiden. Und diese Gründe sind vielfältig: Angestellte Tätigkeit wird bevorzugt, Niederlassung oder Tätigkeit in der "Provinz" ist nicht attraktiv, Verdienst ist bescheiden uvm. Und diese Entscheidungen erfolgen ja nicht unreflektiert, sondern sind wohlbegründet. Daher sind von vornherein alle Zwangsmaßnahmen wie
Pflichtquartal oder Pflichtweiterbildung (sehr kontrovers auf dem letzten Deutschen Ärztetag in Hannover diskutiert) als kontraproduktiv anzusehen. Zwangsmaßnahmen werden die jungen Kollegen/innen eher abstoßen als Sympathie für das Fach Allgemeinmedizin zu erwecken. Die gebetsmühlenartigen Forderungen der DEGAM und ihres Präsidenten langweilen allmählich, zumal echte, innovative Ansätze fehlen. Schade ..

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