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Ärzte Zeitung, 24.04.2014

Bessere Leistungen, weniger Geld

Kardiologie unter Druck

Das DRG-System wirke sich fatal auf die kardiologischen Abteilungen in den Kliniken aus, beklagen die Kardiologen auf ihrer Jahrestagung in Mannheim - und rechnen vor: Für identische oder bessere Leistungen gebe es 2014 zehn Prozent weniger Geld als im Vorjahr.

Kardiologie unter Druck

Herzkatheter: Kardiologen spüren den Spardruck an den Kliniken und die Folgen des DRG-Systems.

© Mathias Ernert

MANNHEIM. "Der Spardruck, der auf den kardiologischen Abteilungen in Deutschland lastet, ist enorm", sagte PD Lutz Frankenstein vom Uniklinikum Heidelberg bei der 80. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) am Donnerstag in Mannheim.

Deutsche Kliniken müssten nämlich damit rechnen, im Jahre 2014 für identische oder bessere Leistungen in der Herz-Kreislauf-Medizin zehn Prozent weniger Geld zu bekommen als im Vorjahr.

Diese relevante Mindervergütung betrifft Frankenstein zufolge kathetergestützte Interventionen, Schrittmacher/Defi-Implantationen sowie Ablationen und enge die Spielräume angesichts des ohnehin schon bestehenden Spardrucks weiter ein. Dies bleibe nicht ohne Folgen für die hohe Leistungsfähigkeit der Herz-Kreislauf-Medizin in Deutschland, warnt die Fachgesellschaft.

DRG-System schuld

Die veränderte Bewertung identischer Leistungen ist auf den Katalogeffekt im DRG-System zurückzuführen. Denn niedrig gehaltene Kosten der Kliniken innerhalb eines Jahres gehen im Folgejahr in die Kalkulation des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) ein und führen zwei Jahre später zu niedrigeren Pauschalen und damit höherem Kostendruck.

So seien für die Implantation eines Medikamenten-freisetzenden Stents im Jahre 2009 noch knapp 700 Euro vergütet worden, im Jahre 2014 seien es nur etwas mehr als 200 Euro.

Ökonomisch abgestraft werden Frankenstein zufolge nicht nur größere Innovationenin kardiologischen Abteilungen, sondern auch kleinere Weiterentwicklungen, die mehr Geld kosten. Solche Entwicklungen würden erst nach frühestens zwei Jahren in die Fallpauschalen einfließen.

Solange müsse die Differenz aus dem Budget der Kliniken abgedeckt werden - "ein Spagat, der zunehmend an die Substanz geht".

Immerhin, so Frankenstein, sei es inzwischen gelungen, wichtige Behandlungspfade wie den Ischämienachweis mittels Myokardszintigraphie beziehungsweise Druckdraht in den entsprechenden DRGs abzubilden. Dies sei medizinisch und ökonomisch sinnvoll, um die Frage zu entscheiden, ob eine Stent-Implantation notwendig sei.

Herzkatheter-Untersuchungen werde nicht zu häufig durchgeführt

Den Vorwurf, dass zu häufig Herzkatheter-Untersuchungen in deutschen kardiologischen Abteilungen vorgenommen werden, um Gewinne zu generieren, gehe an der ökonomischen Realität vorbei, konterte Frankenstein.

So liege die Differenz für eine Katheteruntersuchung und -behandlung versus konservativer Behandlung ohne Herzkatheter für Patienten mit einer KHK oder Angina pectoris lediglich bei 400 bis 500 Euro, was allein schon im Personal- und Materialeinsatz im Katheterlabor aufgehe.

In Deutschland wurden im Jahr 2012 etwa 850 000 Herzkatheter-Untersuchungen und/oder Herzkatheter-Interventionen vorgenommen. Zwar hatten knapp die Hälfte der Patienten weder einen Herzinfarkt, noch benötigten sie eine Katheterintervention, wie PD Dr. Kurt Bestehorn aus Dresden anhand der Daten des AQUA-Instituts (Angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen) ausführte.

Doch wurde dadurch bei 77 Prozent erstmals eine Herzerkrankung diagnostiziert. Es werde in Deutschland also nicht leichtfertig zum Herzkatheter gegriffen.

Gute Ergebnisse gebe es auch in der Versorgung von Herzinfarkt-Patienten: In Deutschland sterben nur vier Prozent in der Klinik - das sei im internationalen Vergleich gut. (bd)

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