Ärzte Zeitung, 12.05.2014

Besuch von der Abgeordneten

Warum Ärzte mit Politikern reden sollten

Austausch von Politikern und Hausärzten kann fruchtbar sein, dachte sich Dr. Holger Reimann. Ihn hat BMG-Staatssekretärin Ingrid Fischbach in der Praxis besucht. Reimann meint: Ärzte sollten öfter mit Politikern reden.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Wenn sich ihnen die Gelegenheit zum Gespräch mit Politikern bietet, sollten Ärzte die Chance nutzen. "Wenn wir den Politikern unsere Erfahrungen nicht schildern, dann erfahren sie manche Sachen einfach nicht", sagt Hausarzt Dr. Holger Reimann. Der Internist aus Meinerzhagen weiß, wovon er redet, denn er konnte Besuch aus Berlin in seiner Praxis begrüßen.

Im Zuge des nordrhein-westfälischen Kommunal-Wahlkampfs war die Parlamentarische Staatssekretärin aus dem Bundesgesundheitsministerium Ingrid Fischbach (CDU) in die westfälische Stadt gekommen. Dort hat sie sich bei Reimann aus erster Hand über aktuelle Probleme der niedergelassenen Ärzte informiert.

"Wir hatten ein sehr angenehmes Gespräch, Frau Fischbach war gut vorbereitet", berichtet der Arzt. Ihn freut, dass sich die Politikerin ausreichend Zeit für den Besuch genommen hatte.

In dem Austausch ging es vor allem um den sich abzeichnenden Ärztemangel in der Region. Fischbach wisse, dass Handlungsbedarf besteht, sagt er. "Dadurch kommt natürlich noch kein HNO-Arzt oder kein Augenarzt nach Meinerzhagen, aber es ist wichtig, dass die Politik unsere Probleme im Blick hat."

Mit 53 Jahren ist Reimann selbst noch nicht auf der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für seine Praxis. "Doch wenn wir jetzt nicht die Weichen in die richtige Richtung stellen, haben wir in zehn, zwölf Jahren gravierende Probleme."

Politiker sollen wissen, wo Ärzten der Schuh drückt

Er hat sich mit der Politikerin über die aus seiner Sicht notwendigen Änderungen im Medizinstudium ausgetauscht, etwa die zu große Bedeutung des Numerus clausus. "Die jungen Mediziner werden zu wenig auf die Praxis vorbereitet", betont Reimann.

In dieser Frage habe sich Fischbach genauso offen gezeigt wie beim Problem der Benachteiligung der Ärzte in NRW im Vergleich zu den Kollegen in anderen Ländern - ein Faktor, der manchen Arzt von der Niederlassung in der Region abhält.

"Fischbach hat zugestanden, dass die Politik das Thema in Angriff nehmen muss." Er habe seinerseits von der Staatssekretärin erfahren, dass es bei der Bedarfsplanung viel mehr regionale Handlungsspielräume gibt, als es häufig dargestellt wird.

Reimann ist froh, dass er die CDU-Politikerin auch über die aktuellen Schwierigkeiten bei der Abrechnung in den geschiedsten Hausarztverträgen informieren konnte.

Für 2013 haben die teilnehmenden Hausärzte von den Kassen bislang nur Abschlagszahlungen erhalten. Die Staatssekretärin habe angekündigt, dass sie sich um das Thema kümmern werde.

Der Hausarzt hält es für wichtig, dass Politiker wissen, wo Ärzten der Schuh drückt. "Sie müssen unsere Sicht der Dinge kennen."

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