Ärzte Zeitung, 27.05.2014

Kommentar zur KBV

Neue Harmonie und Geschlossenheit

Von Wolfgang van den Bergh

Business as usual - könnte man meinen, wenn man den Verlauf der KBV-Vertreterversammlung einen Tag vor der Eröffnung des 117. Deutschen Ärztetag in Düsseldorf Revue passieren lässt. Um 13 Uhr (!) war Schluss - der Diskussionsbedarf offenbar erschöpft.

Mit Spannung wurde der erste "Bericht zur Lage" des neuen KBV-Vorsitzenden Dr. Andreas Gassen erwartet. Er selbst wolle sich keine Schonfrist geben, hatte er zuvor in Interviews angekündigt. Und die Delegierten machten es dem Nachfolger von Andreas Köhler auch nicht gerade schwer.

Freundlicher Applaus während und nach seinem Bericht - Nettigkeiten in der Diskussion, offenbar ganz im Sinne vieler Delegierter, die immer noch mit dem Lecken ihrer Wunden nach den schmerzhaften Auseinandersetzungen der vergangenen Monate beschäftigt waren.

Fürwahr, die Harmonie überraschte, was wohl auch daran gelegen hatte, dass das Thema Substitution und Delegation ärztlicher Leistungen plötzlich als eines von zwei zentralen Themen heftig, aber kaum kontrovers diskutiert wurde. Will heißen: Wenn es darum geht, ein "Arzt-Light-Modell" zu etablieren, wie mit dem achtsemestrigen Bachelor-Studiengang vorgesehen, steht die Front der Ablehnung.

Dazu hatte Gassen eher beiläufig die Steilvorlage geboten. Sogar den Bundesärztekammer-Präsident drängte es, sich dem Antrag der Delegierten anzuschließen - ja zur Delegation, nein zur Substitution.

Ob allerdings die Einigkeit mit der BÄK auch beim Thema Weiterbildung Bestand hat, wird der Ärztetag zeigen. Erinnert sei an den nach zähen Verhandlungen im letzten Jahr ausgehandelten Kompromiss.

Gestern erläuterte Regina Feldmann erstmals ihr Stiftungskonzept für die Finanzierung einer versorgungsorientierten Weiterbildung. Die Antwort hatte Minister Gröhe zuvor in einem FAZ-Interview gegeben: Er warnt vor zu viel Bürokratie.

Und wie soll's mit der KV-Reform weitergehen? Der Satzungsausschuss soll eine Diskussionsgrundlage bis September vorbereiten - kein Wort zu den Inhalten, nur eine höfliche Warnung an Kritiker im eigenen Lager.

Alles andere hätte vielleicht den harmonischen Verlauf der VV gestört. Nur soviel: Eine wortgetreue Umsetzung der politischen Forderung werde es nicht geben, so Gassen. Ob das auch die Koalition so sieht?

Lesen Sie dazu auch:
KBV-VV: Klare Absage an starre Terminvergaben

[27.05.2014, 17:12:26]
Dipl.-Psych. Roland Hartmann 
Stiller Protest der Psychotherapeuten???
Sehr geehrte Damen und Herren des Ärzteblattes,

wie weit es mit der neuen Geschlossenheit und Harmonie wirklich gediegen ist, wird sich auch hinsichtlich der weiterhin gravierenden Honorarbenachteiligung der Psychotherapeuten innerhalb der KBV zeigen. Leider haben Sie in Ihrem Artikel mit keinem Wort erwähnt, dass die Vertreterversammlung begleitet war von einem stillen Protest von über 100 aus dem ganzen Bundesgebiet angereisten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.

Der Protest sollte auf die seit der "Integration" der Psychotherapeuten in die KBV vor 15 Jahren dauerhaft und zunehmend gravierenderen honorarpolitischen Benachteiligung der Psychotherapeuten im Vergleich zu den anderen Fachgruppen innerhalb der KBV hinweisen.

Der Protest sollte die Delegierten der Vollversammlung daran erinnern, dass die Psychotherapeuten nachweislich durchschnittlich ein Honorar erhalten, das sogar weit unterhalb der Hälfte des Durchschnittshonorars der sonstigen Fachgruppen entspricht.

Dr. Gassen hat in seiner Rede ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er die berechtigten Honorarproteste der Psychotherapeuten versteht und unterstützt. Ein entsprechender Beschluss der Vollversammlung zur Unterstützung der sprechenden Medizin wurde auch entsprechend beinahe einstimmig angenommen. Dies hätte sicherlich auch eine Erwähnung in Ihrem Artikel verdient.

Mit freundlichen Grüßen,

Dipl.-Psych. Roland Hartmann zum Beitrag »

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