Ärzte Zeitung, 17.12.2014

Rollende Praxis

Als Subventionsprojekt liegen geblieben

Der Praxisbus in Ost-Niedersachsen erreichte genau die Patientengruppe, die angesprochen werden sollte. Doch das preisgekrönte Projekt war am Ende zu teuer.

WOLFENBÜTTEL. Preisgekrönt und abgeschafft: Eben noch wurde die "Rollende Arztpraxis" in Ost-Niedersachsen im Rahmen des Innovationsprojektes "Deutschland. Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen" gewürdigt. Zum Jahresende stellt sie ihren Betrieb ein.

Der Gründe: Der Praxisbus zog unterm Strich zu wenige Patienten an und spielte zu wenig Geld ein.

Die Idee war gut. Wenn die alten Patienten auf ihren Dörfern keinen Hausarzt mehr vorfinden, dann kommt der Hausarzt zu ihnen - per Bus - und versorgt die immobilen Patienten vor Ort.

Das hieß am Dorfgemeinschaftshaus, der Dorfschule oder auf dem Schützenplatz.

Auf der Abschlussveranstaltung in Winnigstedt erklärte Landrätin Christiana Steinbrügge: "Das Projekt hat deutlich gemacht, dass mobile ärztliche Versorgung auf dem Land machbar und möglich ist. Das Angebot wurde gut angenommen, auch das Interesse der Medien war groß."

Zwischen sechs Dörfern unterwegs

Seit August 2013 war die Rollende Arztpraxis im Landkreis Wolfenbüttel zwischen sechs Dörfern unterwegs.

Die abschließende Bilanz kommt laut KV Niedersachsen zu dem Ergebnis: "Es nahmen genau diejenigen Menschen die Leistungen der Rollenden Arztpraxis in Anspruch, die zuvor als Zielgruppe angedacht waren. Dabei handelt es sich überwiegend um ältere und wenig mobile Patientinnen und Patienten."

Das Durchschnittsalter betrage 69,1 Jahre, berichtet die KV. Oftmals litten sie an chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder Diabetes.

"Über die Hälfte von ihnen kommt mit zwei oder mehr Diagnosen in die mobile Hausarztpraxis, die von Mitgliedern aller beteiligten Krankenkassen in Anspruch genommen wird. Insgesamt gab es rund 500 Patientenkontakte", so die KV.

Die Rollende Arztpraxis könne die ländliche Versorgung ergänzen, aber nur ungefähr die halbe Kapazität einer Hausarztpraxis erreichen. Das genügt nicht, um am Netz zu bleiben.

"Dass die Rollende Arztpraxis unter den gegebenen Umständen nur als subventioniertes Modell betrieben werden kann, war allen Beteiligten von Anfang an klar", erklärte Stefan Hofmann, Geschäftsführer der Bezirksstelle Braunschweig der KVN.

Eine Versorgungslücke werde deshalb nicht entstehen. Auch die Landrätin sagte: "Offenbar ist die ärztliche Versorgung für unseren Bereich derzeit noch ausreichend."

Zu den Projektpartnern zählten unter anderem mehrere Krankenkassen, die KVN, der Landkreis Wolfenbüttel und Volkswagen. (cben)

[17.12.2014, 19:50:11]
Jörg Dähn 
Was dieser Artikel verschweigt:
Die rollende Arztpraxis ließ sich nur durch Zwangsverpflichtung der beratenden Ärzte der KV betreiben. Und die Umsätze haben bei weitem nicht gereicht, um die Kosten zu decken. Eine Totgeburt von Anfang an und anhand dieser finanziellen Umstände auf keinen Fall wiederholenswert. zum Beitrag »

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