Ärzte Zeitung, 06.02.2015

KBV-Chef Gassen fordert

Feste Preise für Ärzte

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) nutzt die Beratungsphase des Versorgungsstärkungsgesetzes, um an der Honorarschraube zu drehen. Beim GKV-Spitzenverband stoßen die Vorschläge der Vertragsärzte auf strikte Ablehnung.

Von Anno Fricke

Feste Preise für Ärzte

BERLIN. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen will die parlamentarischen Beratungen des Versorgungsstärkungsgesetzes dafür nutzen, die Mengenkomponente der Vergütung aufzuwerten. Jede von den Ärzten erbrachte Leistung solle künftig bezahlt werden.

Dafür bedürfe es allerdings einer Anpassung der gesetzlichen Vorgaben, sagte Gassen in Berlin.

Die KBV geht unter Berufung auf eine Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) davon aus, dass aktuell in allen KV-Regionen Ärzte mehr arbeiten als sie vergütet bekommen.

Das liege daran, dass der Versorgungsbedarf der Bevölkerung schneller wachse, als die zwischen Kassen und KVen verhandelten prospektiven Mengenvereinbarungen, sagte Gassen.

Prospektive Mengenvereinbarungen abschaffen

Diese Form der Budgetierung wirke sich direkt auf die Versorgung aus, warnte der KBV-Chef. "Der richtige Weg, die besten Köpfe für die ärztliche Versorgung zu gewinnen, führt über feste Preise für die Leistungen von Vertragsärzten", sagte Gassen.

Die ließen sich am besten erreichen, wenn die prospektiven Mengenvereinbarungen abgeschafft würden. Besser sei es, die Vergütung regional anhand des tatsächlichen Versorgungsbedarfes zu organisieren.

Beim GKV-Spitzenverband wird dies anders gesehen. "Sollen alle Leistungen in die Kalkulation einbezogen werden, wie es die KBV nun vorschlägt, müsste entsprechend der Orientierungswert abgesenkt werden", hat der Verband der "Ärzte Zeitung" mitgeteilt.

Die Versorgung der Patienten sei sichergestellt. Vor dem Hintergrund der regionalen Versorgungsstruktur würden die tatsächlich von den Versicherten in Anspruch genommenen Leistungen von den Kassen über die Gesamtvergütung finanziert.

Es sei falsch, dass unter den aktuellen Budgets knapp zehn Prozent der erbrachten vertragsärztlichen Leistungen durch die Kassen nicht gegenfinanziert würden. Diese Zahl nennt die KBV als Bundesdurchschnitt.

Orientierung an Versorgungsparamentern

Die Fehlinterpretation resultiere aus der Verwechslung von vereinbarter Gesamtvergütung mit der preislichen Bewertung der vereinbarten oder abgerechneten Leistung, heißt es in der Stellungnahme.

Noch 2008 habe die KBV das Ziel verfolgt, einen hohen Preis - Orientierungswert - für die ärztliche Leistung festzulegen.

Die KBV schlägt vor, die Leistungsmengen künftig stärker anhand von Versorgungsparametern zu verhandeln. So sei die Pflegebedürftigkeit ein guter Gradmesser für Morbidität, sagte der Leiter des ZI, Dominik von Stillfried (siehe Grafik).

Auch die Zahl der Krankenhausfälle in Abhängigkeit von der Facharztdichte im ambulanten Bereich könne herangezogen werden. Gleiches gelte für die Zahl der vermeidbaren Krankenhauseinweisungen.

Auch regionale Versorgungsziele wie zum Beispiel ein ausreichend hoher Anteil von Masernimpfungen sollten Teil der Mengenkomponente werden, schlägt von Stillfried vor.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Ambulant vor stationär?

[06.02.2015, 09:59:09]
Dr. Wolfgang Bensch 
Regelleistungsvolumen, Pauschalierung war einmal?
Die KBV agiert wie ein Komödiantenstadl - wohl als Reaktion auf die Truppe, die Herrn Gassen an die Spitze der Organisation beförderte.
Wann kommt das Geständnis:
Wir haben überhaupt keinen Einfluss, aber wir arbeiten gerne für unser Geld, das ihr dafür bezahlt! zum Beitrag »

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