Ärzte Zeitung, 02.03.2015

Niedersachsen

Feuerwehr will ärztlichen Bereitschaftsdienst koordinieren

Der ärztliche Bereitschaftsdienst koordiniert von der Feuerwehr? Diese Idee sorgt in Niedersachsen für Wirbel. Die KV ist nicht begeistert.

Von Christian Beneker

Feuerwehr will ärztlichen Bereitschaftsdienst koordinieren

Den Bereitschaftsdienst über die Rettungsdienstzentrale der Feuerwehr zu koordinieren, ist für die KV Niedersachsen aktuell keine Option.

© Pleul/dpa

HANNOVER. Hannovers Feuerwehr-Chef Claus Lange will den ärztlichen Bereitschaftsdienst der Stadt durch die Rettungsdienstzentrale der Feuerwehr koordinieren lassen. Die KV Niedersachsen (KVN) hingegen hält von dem Vorschlag gar nichts.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst in Hannover sei schlecht organisiert, habe Lange auf einer Podiumsdiskussion der CDU-Regionsfraktion zum Thema gesagt, wie Hannovers Feuerwehrsprecher Michael Hinz der "Ärzte Zeitung" bestätigte.

Die Notaufnahmen der Krankenhäuser seien überfüllt, weil viele Patienten, die eigentlich vom ärztlichen Bereitschaftsdienst versorgt werden könnten, dort zu lange warten müssten und deshalb in den Notaufnahmen der Krankenhäuser erscheinen oder gar mit dem Notruf 112 den Rettungswagen alarmieren.

So blockieren schließlich Patienten mit vergleichsweise kleinen gesundheitlichen Problemen die Notaufnahmen der Kliniken und die Rettungswagen.

Würden nun Rettungs- und Bereitschaftsdienst aus einer Hand organisiert, ließen sich die Einsätze von Bereitschafts- und Rettungsdienst wesentlich besser koordinieren, hieß es.

Unterstützung aus der Politik

Andreas Burgwitz von der Regions-CDU unterstützt den Hannoveraner Feuerwehr-Chef in seiner Haltung. "Der Bereitschaftsdienst ist ineffizient organisiert", sagte Burgwitz der "Ärzte Zeitung".

Anders als in der Rettungsleitstelle werde beim ärztlichen Bereitschaftsdienst nicht zunächst "per Telefon grob abgeklärt", ob die Patienten an einer Kleinigkeit leiden oder etwa an einem Herzinfarkt.

"Diese grobe Einordnung können nur die Fachleute in der Leitstelle leisten", sagte Burgwitz. Feuerwehrsprecher Hinz argumentierte entsprechend.

Der fahrende Bereitschaftsdienst der KVN in Hannover läuft über Taxis. "Wenn ein Patient anruft, dann erreicht er in der Zentrale ebenfalls einen speziell ausgebildeten Sanitäter", betonte dagegen Detlef Haffke, Sprecher der KV Niedersachsen.

"Also auch beim Bereitschaftsdienst kann am Telefon abgeklärt werden, ob es sich um einen dringenden Notfall handelt oder nicht."

Allerdings kommen Wartezeiten vor, räumt Haffke ein. "Dann greift mancher Patient schon mal erneut zum Telefon und wählt mit 112 den Rettungsdienst."

Man habe von Claus Lange im Übrigen Zahlen über das Problem gefordert "und bis heute nicht erhalten", kritisierte Haffke.

Tatsächlich stelle die KV allerdings immer deutlicher fest, dass Patienten "ein Rund-um-Versorgungspaket" erwarten und glauben, am Krankenhaus stünde ihnen sofort die gesamte Diagnostik zu Verfügung, nachdem sie die 112 gewählt und den Rettungswagen alarmiert haben, hieß es.

Viele Patienten seien auch unsicher, wer ihr Problem am besten behandeln könnte.

Bei seiner Kritik dürfte Lange auch die verkürzten Zeiten im Hannoveraner ärztlichen Bereitschaftsdienst im Auge gehabt haben. Nach Angaben der KVN wurden sie um zwei bis drei Stunden gekürzt. "In der Mittagszeit und ab sieben Uhr morgens haben die Praxen ganz normal geöffnet", so Haffke. "In dieser Zeit braucht es keinen Bereitschaftsdienst."

Finanzielle Beteiligung erhofft

Mehr noch. Derzeit baut die Hannoveraner Feuerwehr eine neue "Feuer- und Rettungswache I". "Der erste Bauabschnitt ist fertig", sagt Hinz.

Aber für den zweiten, in dem auch die neue Leitstelle untergebracht werden soll, sucht die Feuerwehr dringend Partner, um sich die hohen Kosten zu teilen, wie Hinz bestätigte.

"Eben erst hat die Polizeidirektion Hannover für eine Beteiligung an der Leitstelle abgesagt," so Hinz. Claus Lange habe bei seinen Kooperationswünschen auch an die KVN gedacht.

"Aber das will die KVN nicht", sagte Haffke.

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