Ärzte Zeitung, 25.03.2015

Notdienstreform

KV Bayerns will Ärzte entlasten

Die KV Bayerns will die Ärzte im Bereitschaftsdienst entlasten - und erhöht deshalb die Gruppengröße. Bis Ende des Jahres soll es im gesamten Bundesland nur noch Bereitschaftsdienstgruppen geben, in denen mindestens 15 Ärzte arbeiten.

MÜNCHEN. Bis Ende des Jahres soll es in ganz Bayern nur noch Bereitschaftsdienstgruppen geben, in denen mindestens 15 Ärzte Dienst tun.

Die Dienstbelastung soll so auf mehrere Schultern verteilt werden. Mit der Reform des Bereitschaftsdienstes will die KV Bayerns (KVB) vor allem "die Attraktivität der ärztlichen Tätigkeit gerade auf dem Land erhalten".

Zusammenlegung von Bereitschaftsdienstgruppen

Auf dem Weg dorthin sei man durch die Zusammenlegung und Umorganisation von Bereitschaftsdienstgruppen und der Einrichtung von zentral gelegenen Bereitschaftsdienstpraxen seit Mitte 2012 bereits ein gutes Stück vorangekommen, berichtete KVB-Vorsitzender Dr. Wolfgang Krombholz bei der Vertreterversammlung in München.

Derzeit gibt es in Bayern nur noch 33 Bereitschaftsdienstgruppen mit weniger als 15 Ärzten gegenüber 253 Gruppen mit mehr als 15 Teilnehmern.

Mit der Reform des allgemeinen ärztlichen Bereitschaftsdienstes werden auch Arztgruppen zum Dienst verpflichtet, die bislang freigestellt waren, wie etwa Psychotherapeuten, Pathologen oder Laborärzte.

Dafür wurde ein Hospitationsmodell mit einer finanziellen Förderung eingeführt, bei dem erfahrene Bereitschaftsdienstärzte neue Kollegen "an die Hand nehmen". Dieses Modell finde bei den Ärzten, die bereits daran teilnehmen, viel Zustimmung, berichtete Krombholz.

Ein weiterer Reform-Baustein sei die Einführung eines Poolarzt-Modells, mit dem der Bereitschaftsdienst vor allem in strukturschwachen Regionen gestärkt werden soll, kündigte er an.

50.000 Ärzte angeschrieben

Dabei sollen auf freiwilliger Basis junge oder auch ältere Ärzte, die gerne gelegentlich solche Dienste leisten möchten, eingebunden werden.

Dazu wurden vor Kurzem mehr als 50.000 Ärzte in ganz Bayern angeschrieben. 1071 Ärzte haben bislang ihr Interesse bekundet, sich am Bereitschaftsdienst zu beteiligen, wobei die meisten Rückmeldungen aus den Ballungszentren München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg kamen.

Voraussetzung für die Teilnahme am Poolarzt-Modell ist entweder eine mindestens zweijährige allgemeinmedizinische Weiterbildung oder eine Weiterbildung in einem anderen Fachgebiet nach Weiterbildungsrecht oder der erfolgreiche Abschluss einer solchen Weiterbildung.

Als Nächstes sollen nun Kooperationsvereinbarungen geschlossen werden, berichtete Krombholz.

Die KVB fördert das Poolarzt-System mit einer Einmalzahlung für die notwendige Ausstattung in Höhe von 1500 Euro, durch ein Kilometergeld für die Anfahrt sowie durch Übernachtungspauschalen, wenn der Einsatzort mehr als 75 Kilometer entfernt ist. (sto)

[25.03.2015, 09:58:33]
Dr. Wolfgang Bensch 
Dienstverpflichtung klingt natürlich besser als Zwangsarbeit
Aber kann mir jemand den Unterschied erklären?
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) definierte 1930 in Art. 2 Abs. 1 des Übereinkommens über Zwangs- und Pflichtarbeit die Zwangsarbeit als unfreiwillige Arbeit oder Dienstleistung, die unter Androhung einer Strafe ausgeübt wird. Nicht dazu gehören laut Abs. 2 des Übereinkommen: Militärdienst, übliche Bürgerpflichten, Arbeit im Strafvollzug, notwendige Arbeit in Fällen höherer Gewalt und Arbeit, die dem unmittelbaren Wohl der Gemeinschaft dient.  zum Beitrag »
[25.03.2015, 07:59:01]
Dr. Johannes Hupfer 
Vergrößerung der Gruppengröße ?
7 Tage Dienst---- Vergrößerung der Einsatzbereiche um mindestens das Doppelte...... plus
Reduzierung der Pauschalen...... Da hat man dem deutschen Michel mal wieder einen Goldesel verkauft.
wie schlau doch unsere KV- Fürsten sind.....

 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »