Ärzte Zeitung, 06.05.2015

Facharzttermin

Lange Wartezeit nur ein Mythos

Die Koalition plant Terminservicestellen als Lösung für ein Problem, das es eigentlich gar nicht gibt: Diesen Schluss jedenfalls legt eine aktuelle Kassenstudie zu Wartezeiten beim Facharzt nahe.

Von Florian Staeck

Lange Wartezeit auf Facharzttermin nur ein Mythos

Die lange Wartezeit fängt nicht erst im Wartezimmer, sondern bereits bei der Terminvergabe an. Meint man. Eine aktuelle Studie zeichnet jetzt ein etwas anderes Bild.

© Robert Kneschke / fotolia.com

DRESDEN. Knapp 60 Prozent der Patienten erhalten einen Termin bei einem Facharzt binnen zwei Wochen. Bei 14 Prozent dauert es zwei bis drei Wochen, weitere zehn Prozent der Patienten müssen sich drei bis vier Wochen gedulden.

Das geht aus einer repräsentativen Online-Befragung unter 1000 Bürgern ab 18 Jahre hervor, die im März im Auftrag der IKK classic befragt worden sind.

Die Kasse betont, gleichermaßen in der Stadt wie auf dem Land erhielten 60 Prozent der Umfrageteilnehmer binnen 14 Tagen einen Facharzttermin.

Drei Viertel erhalten ihren Wunschtermin

Für drei Viertel der Patienten entsprach der vergebene Termin ihrem Wunschtermin, heißt es in der Untersuchung "Arztsuche und Arztauswahl 2015".

Die große Koalition will im Rahmen des Versorgungsstärkungsgesetzes verpflichtend Terminservicestellen bei den KVen etablieren.

Nun muss IKK classic-Vorstand Gerd Ludwig konstatieren: "In der Wahrnehmung der Bürger spielen Versorgungsengpässe oder Terminprobleme eine geringere Rolle als erwartet."

Regional variieren die Wartezeiten: In Hamburg erhielten 41 Prozent der Patienten binnen einer Woche einen Termin, niemand musste länger als acht Wochen warten.

Das ist im Osten anders: Dort mussten in Mecklenburg-Vorpommern 22 Prozent und in Brandenburg 18 Prozent länger als acht Wochen sich gedulden.

Zwar zeigt sich auch in der Kassen-Studie, dass bundesweit 48 Prozent der PKV-Patienten ihren letzten Facharzttermin nach einer Woche erhalten haben, bei den GKV-Patienten waren es 26 Prozent.

Doch der Zufriedenheitswert lag bei beiden Gruppen bei 75 Prozent, berichtet die IKK classic und kommentiert: "Der Vorteil der einen ist also nicht automatisch ein Nachteil für die anderen."

Räumliche Nähe spielt große Rolle

Für 72 Prozent der Befragten ist der Weg zu ihrem Hausarzt weniger als fünf Kilometer weit, bei weiteren 17 Prozent sind es fünf bis zehn Kilometer Entfernung.

Die räumliche Nähe ist auch das Top-Kriterium für die Auswahl des Hausarztes (43 Prozent). 40 Prozent der Teilnehmer berichteten, sie wären durch Empfehlung von Familie, Freunden oder Kollegen auf den Hausarzt gekommen.

Bei der Suche nach einem Facharzt verlassen sich 39 Prozent der Patienten auf die Empfehlung eines anderen Arztes. Fast ebenso viele fragen Familie, Freunde oder Kollegen um Rat (37 Prozent). Mehr als jeder Fünfte sucht auf Bewertungsportalen oder in Internetforen nach Ärzten (22 Prozent).

Bei den bis zu 30-Jährigen galt dies sogar für 35 Prozent. Immerhin noch neun Prozent der Teilnehmer gaben an, sie griffen zu den Gelben Seiten, um einen Facharzt zu finden.

[06.05.2015, 21:59:50]
Dr. Henning Fischer 
Schluß mit dem Privatpatienten-Quatsch
wenn Morgen alle Privaten, die ca. 5% der Patienten ausmachen, plötzlich versterben würden, blieben die Termine für Kassenpatienten annähernd gleich.

Einfach mal den Verstand einschalten! zum Beitrag »
[06.05.2015, 16:36:35]
Cornelia Dölling 
Hannelore Quadèlle
Sehr geehrte Damen und Herren,
da taucht bei mir ebenfalls die Frage auf, auf welchem Planeten leben diese Menschen? Auf meinen Facharzt-Termin/Neurologe, wegen Polyneuropathie, habe ich sechs Monate gewartet!! September 2014 Termin in der Praxis geben lassen für Februar 2015. Der von der gesetzlichen Krankenkasse angebotene Service "schnelleren Termin beim Facharzt" ist voll daneben. Ohne jegliche Auswirkung; oder Termin bei einem Arzt, der viel zu weit weg vom Wohnort ist. Termin beim Kardiologen! März 2015 in der Praxis angefragt; Termin im September 2015 erhalten. Usw.
Sehr ausschlaggebend ist, auf welcher Seite man steht. Privat- oder Kassenpatient. Eine TV-Reportage hat dieses Problem deutlich geschildert. Im Großen und Ganzen sind die Entscheidungen im Gesundheitswesen von Menschen am grünen Tisch gemacht worden, die eigentlich, da gesund und ohne chronische Erkrankung an der Realität vorbeischlittern. Trotz allem ist die Versorgung gut in Deutschland, jedoch die Profitgier zerstört vieles.

Mit freundlichen Grüßen
Hannelore Quadèlle
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[06.05.2015, 13:12:16]
Fred Kölpin 
facharzttermin
sorry,
auf welchem planeten leben die macher dieser "studie" ?
aus meinem bekanntenkreis und aus eigener erfahrung folgende facharztwartezeiten :
kardiologe ab 3 monate, locker auch mal 6 monate und mehr
neurologe ab 8 wochen
endokrinologe ab 8 wochen
psychotherapeut ab 9 monate
augenarzt 4 monate und mehr
oder sollte gar die mehrzahl der befragten der kategorie privatpatient entstammen ?

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[06.05.2015, 10:06:17]
Ramona Gerbing 
Unterteilung der Fachärzte
Sehr geehrte Damen und Herren,
mich würde interessieren, wie sich das Ergebnis auf einzelne Fachärzte verteilt? Erfahrungsgemäß ist es so, dass es ein großer Unterschied ist, ob der Patient einen Augenarzt, Psychologen, Neurologen, Orthopäden, Endokrinologen, Radiologen, Schmerztherapeuten konsultiert, oder einen Termin beim HNO-Arzt benötigt. Patienten, die aufgrund der Leitlinie ein MMK (Multimodales Therapiekonzept) absolvieren müssen, haben extrem Probleme. Um die Voraussetzung für eine Kostenübernahme für eine bariatrische Operation zu erfüllen, haben die Psychotherapeuten nicht selten Wartezeiten von 1 Jahr und mehr. Das Gleiche betrifft die Endokrinologen.
Mit freundlichen Grüßen
Ramona Gerbing
www.adipositas24.de zum Beitrag »
[06.05.2015, 08:35:46]
Dr. Henning Fischer 
Gröhe läßt das Deck schrubben
während das Schiff sinkt.

20 Jahre blödsinnige Gesundheitspolitik
Seehofer, Schmidt, Gröhe
kann es noch schlimmer werden? zum Beitrag »

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