Ärzte Zeitung online, 13.05.2015

Ärztetag

Protokoll von Tag zwei

Beim 118. Deutschen Ärztetag ist am Mittwoch ein breites Themenspektrum abgedeckt worden - von der GOÄ-Novelle über die Ebola-Epidemie bis hin zur Arzt-Patienten-Kommunikation. Der zweite Tag in der Nachlese.

Tag zwei im Live-Ticker

Der 118. Deutsche Ärztetag geht in den zweiten Plenumstag.

© Marco Hübner

FRANKFURT AM MAIN. Der 118. Deutsche Ärztetag findet bis 15. Mai in Frankfurt/Main statt. Wir zeichnen den zweiten Tag nach.

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17:48 Uhr: Der Ärztetag verabschiedet nach intensiver Diskussion und mit großer Mehrheit einen Entschließungsantrag des BÄK-Vorstand zur Kommunikation.

Bei Flüchtlingen, Asylbewerbern und weiteren akut aufgenommenen Migranten sollen demnach Kommunen und Krankenkassen stärker in die Pflicht genommen werden. Sie müssten professionelle „Sprach- und Kulturmittler“ finanzieren, heißt es im Antrag, zumindest für die Erstversorgung, die Diagnose von akut behandlungsbedürftigen Erkrankungen und wichtigen Vorsorgemaßnahmen wie etwa Impfstatus, Kinder- und Schwangerenvorsorge.

„Vom Frankfurter Ärztetag geht ein Zeichen aus, dass wir Ärzte den zentralen Stellenwert des ärztlichen Gesprächs im Gesundheitswesen kennen und anerkennen“, sagte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke. Der Ärztetag beschließt mit dieser Abstimmung seinen Sitzungstag.

16:52 Uhr: Die Delegierten diskutieren aktuell einen Entschließungsantrag des Vorstands der Bundesärztekammer, nach dem ärztliche Kommunikation stärker unterstützt und gefördert werden muss.

Die Fakultäten müssten die in der Approbationsordnung festgelegte Kompetenzentwicklung in der ärztlichen Gesprächsführung konsequent ausbauen. Ärztliche Kommunikation müsse darüber hinaus durch geeignete Übungssituationen trainiert werden können, heißt es in dem Antrag.

Ausdrücklich begrüßt wird die Entwicklung eines Curriculums der BÄK zur ärztlichen Gesprächsführung, das für die Weiterbildung in allen Fachrichtungen genutzt werden soll. Die Liste der Redner ist lang.

16:07 Uhr: Der Ärztetag diskutiert jetzt das Thema Kommunikation. "Patienten wollen nicht nur gute Medizin, sie erwarten vom Arzt genügend Zeit, Geduld, Ehrlichkeit und verständliche Informationen", sagt Professor Ulrich Schwantes, Allgemeinmediziner aus Sommerfeld.

"Die Strategien zur Verbesserung der Kommunikation müssen vielschichtig sein", fordert die Kölner Medizinsoziologin Professor Nicole Erdmann.

15:19 Uhr: Nach der Mittagspause appellieren die Delegierten des Ärztetages in Frankfurt an die Bundesregierung, ein staatlich finanziertes und organisiertes medizinisches Hilfswerk (MedHW) einzurichten, "um medizinische Soforthilfe mit speziell ausgebildetem Gesundheitspersonal in Krisengebieten zu leisten", heißt es in dem Antrag. Auch fordern die Delegierten die Bundesregierung auf, das im Winter 2014 umgerüstete Rettungsflugzeug "Robert Koch" zu erhalten.

"Das Schutzkonzept entspricht dem einer deutschen Sonderisolierstation und ist damit eine weltweit einzigartige Lufttransportmöglichkeit von Patientinnen und Patienten mit hochkontagiösen Erkrankungen in allen Krankheitsstadien", heißt es in dem Antrag.

International bleibt es auch am Nachmittag: Der frühere ukrainische Gesundheitsminister Dr. Oleg Musii berichtet über die Lage von Ärzten in Krisengebieten.

Viele Ärzte, die Verwundete auf dem Maidan Platz in Kiew versorgt haben, leiden immer noch unter der traumatischen Erfahrung, erzählt Musii im exklusiven Video-Interview mit der "Ärzte Zeitung".

14:00 Uhr: Auf einer Pressekonferenz zog BÄK-Präsident Professsor Frank Ulrich Montgomery eine erste Bilanz des Ärztetages. "Es ist uns gelungen, unsere Positionen klar und verbindlich im Diskurs mit dem Minister darzustellen", sagte Montgomery über die Eröffnungsveranstaltung in Frankfurt vor Journalisten.

Die Delegierten des Ärztetages diskutierten am Mittwochvormittag über die Konsequenzen aus der Ebola-Krise. In der "motivierten und engagierten" Debatte, so Montgomery, sei die Dimension klar geworden, dass es sich nicht nur um eine medizinische Krise handele. "Wir müssen auch künftig mehr in die kaputten Gesundheitssysteme investieren", so Montgomery.

Der Vorstand der Bundesärztekammer werde in der Debatte am Nachmittag einen Antrag einbringen, in dem ein neues Hilfswerk gegründet werden soll, kündigte der BÄK-Präsident an. Damit sollen auch die rechtlichen Absicherungen sowie die Freistellungen vom Arbeitgeber für deutsches Klinikpersonal angestoßen werden. "Künftig muss die Hilfe auf Knopfdruck passieren", so Montgomery.

Über das Interesse an der Ebola-Versorgung bedankte sich der Präsident der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen, Dr. Tankred Stöbe. "Ich bin froh über das rege Interesse. Die Aufklärung über die Krankheit muss weitergehen", so Stöbe. Statt neuer Institutionen sollten vor allem bestehende Strukturen ausgebaut werden. Auch wirbt er dafür, dass der von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ins Spiel gebrachte "Weißhelmtruppe" dringend umbenannt wird.

"Dies rückt den zivilen Einsatz zu nah an militärische Interventionen." Professor Gottschalk vom Gesundheitsamt Frankfurt betonte erneut, dass Ebola keine Bedrohung für Deutschland sei. Auf der Pressekonferenz äußerte sich die BÄK-Spitze auch erneut zum Thema GOÄ. Dazu hatten die Delegierten am Vormittag entsprechende Anträge abgestimmt.

"Wir waren noch nie soweit wie jetzt", erklärte Dr. Theo Windhorst, der zuständige BÄK-Verhandlungsführer. Er zeigte sich zuversichtlich, dass der "Marathon" sich auf der Zielgeraden befindet. Und: "Ich spüre den Dampf des Druckkessels der Ärzteschaft im Rücken."

11.55 Uhr: Zwei eindrucksvolle Referate zum Thema Ebola: Dr. Tankred Stöbe von "Ärzte ohne Grenzen" berichtet von der Dynamik der Ebola-Epidemie.

Man habe anfangs gedacht, der Ausbruch lasse sich regional eingrenzen - das war leider falsch, berichtete Stöbe. Insgesamt hat es in Westafrika 26.393 Ebola-Fälle mit bislang 11.005 Toten gegeben.

Stöbe berichtete von der Arbeit in einem von "Ärzte ohne Grenzen" geleiteten Behandlungszentrum. Teilweise habe es sich um eine "Verwaltung des Sterbens" gehandelt, allein 3000 Ebola-Patienten seien in Behandlungszentren von "Ärzte ohne Grenzen" gestorben.

Im Kontrast dazu schilderte Professor René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamts in Frankfurt, die Versorgungsmöglichkeiten hierzulande: Drei Ebola-Patienten wurden in Deutschland behandelt, einer davon ist gestorben. Die Behandlung allein eines Patienten habe 1,3 Millionen Euro gekostet.

Die sieben Sonderisolierstationen seien exzellent ausgestattet. "Erschüttert" zeigte sich Gottschalk über die Furcht des medizinischen Personals in deutschen Kliniken - hier gebe es noch erheblichen Informationsbedarf.

10:50 Uhr: Der Ärztetag fordert, obwohl das Versorgungsstärkungsgesetz noch gar nicht verabschiedet ist, "rechtsichere Kriterien", wann eine Arztpraxis nicht mehr nachbesetzt werden soll. Das wird von vielen Delegierten als eine Form vorauseilenden Gehorsams gesehen.

Die Abstimmung fällt knapp aus: 110 Delegierten stimmen dem von Dr. Wolfgang Wesiack und Kollegen gestellten Antrag zu, 93 lehnen ihn ab.

Außerdem sprechen sich die Delegierten mehrheitlich gegen Kompetzenzentren im Rahmen der Weiterbildung aus, die außerhalb der Ärztekammern angesiedelt sind. Dies ist ein klare Niederlage für die Hausärzte. Die aktuelle Fassung des VSG sieht diese Kompetenzzentren vor. Klar sprechen sich die Delegierten ebenso dafür aus, dass Kinder vor dem Besuch von Kita oder Schule vollständig geimpft sein sollten - sonst kein Kita- oder Schulbesuch.

10:06 Uhr: Der Deutsche Ärztetag hat sich kritisch mit dem Sachstandsbericht zur GOÄ-Novelle auseinandergesetzt. Dabei fordern Delegierte wiederholt größere Transparenz über die Fortschritte bei den Verhandlungen ein.

Angenommen wird ein Antrag, nach dem Gebührenordnungspositionen für andere Berufe in der GOÄ abgelehnt werden. Die GOÄ solle eine rein ärztliche Gebührenordnung bleiben, heißt es. Skeptisch zeigen sich Delegierten gegenüber Forderungen nach einer Neuverhandlung mit dem Ziel des Inflationsausgleichs.

BÄK-Vorstandsmitglied Dr. Theo Windhorst hatte zuvor gewarnt, diese Forderung wäre den Verhandlungspartnern nicht vermitelbar, da sie mit Mehrkosten von zehn Milliarden Euro einhergehen würde.

09:36 Uhr: Nach intensiven Diskussionen am Dienstag zur aktuellen Gesundheitspolitik und zur Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) setzten die Delegierten ihre Beratungen am Mittwoch fort. Als erstes sollen die Anträge zur GOÄ abgestimmt werden, danach die gesundheitspolitischen Themen.

Später am Vormittag wollen sich die Delegierten des Ärztetages mit der Ebola-Krise beschäftigen. Dazu ist der Präsident von Ärzte ohne Grenzen Deutschland eingeladen, sowie der Leiter des Gesundheitsamtes Frankfurt. Ab dem frühen Nachmittag soll es um das Thema Kommunikation mit dem Patienten gehen.

Protokoll: Rebecca Beerheide/Florian Staeck

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