Direkt zum Inhaltsbereich

Fischbach

"Gender-Aspekte müssen immer mitgedacht werden"

Heute startet der 3. Bundeskongress Gendermedizin. BMG-Staatssekretärin Ingrid Fischbach ist Schirmherrin. Im Interview erläutert sie, warum Gendermedizin für die Gesundheitspolitik wichtig ist.

Veröffentlicht:
Ingrid Fischbach (CDU) ist Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium.

Ingrid Fischbach (CDU) ist Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium.

© Chaperon

Das Interview führte Anno Fricke

Ärzte Zeitung: Sie haben die Schirmherrschaft für den Bundeskongress Gender Gesundheit übernommen: Warum ist Ihnen das Thema wichtig?

Ingrid Fischbach: Aus den Anfängen der geschlechtergerechten Medizin vor gut 30 Jahren ist heute die Forderung nach einer genderspezifischen Gesundheitsversorgung entstanden.

Für mich steht fest: Ohne eine geschlechtersensible Herangehensweise ist eine qualitativ gute und effektive Gesundheitspolitik kaum noch denkbar. Deshalb musste ich nicht lange nachdenken, sondern habe die Schirmherrschaft für den Bundeskongress Gender-Gesundheit 2015 sehr gerne übernommen.

Gender-Aspekte sind zum Beispiel in der Arzneimittelforschung von Bedeutung. Was tut die Bundesregierung, damit die unterschiedliche Verstoffwechselung von Arzneimitteln bei Männern und Frauen in Arzneimittelstudien abgebildet wird?

Fischbach: Seit 2004 ist gesetzlich vorgeschrieben, dass bereits mit der Antragstellung zur Genehmigung einer klinischen Prüfung der Nachweis einer angemessenen Beteiligung von Frauen und Männern als Prüfungsteilnehmer vorgelegt werden muss.

Und der Sponsor einer klinischen Prüfung muss eine Begründung dafür beifügen, dass die gewählte Geschlechterverteilung in der Gruppe der betroffenen Personen zur Feststellung möglicher geschlechtsspezifischer Unterschiede bei der Wirksamkeit oder Unbedenklichkeit des geprüften Arzneimittels angemessen ist.

Außerdem ist eine Verpflichtung zur Angabe geschlechtsspezifischer Arzneimittelwirkungen in der Packungsbeilage und der Fachinformation verankert.

Was kann die Bundesregierung tun, um Gender-Aspekte in der Aus-, Weiter- und Fortbildung von Ärzten zu akzentuieren? Wird dieses Thema zum Beispiel beim Patientenschutz adressiert?

Fischbach: Es ist wichtig, Gender-Aspekte auf allen Ebenen mitzudenken. Der Bundesgesetzgeber hat mit der Approbationsordnung für Ärzte die Rahmenbedingungen für die ärztliche Ausbildung vorgegeben, die von den Bundesländern und Hochschulen selbstständig umgesetzt werden.

Neben grundlegenden Kenntnissen und Fähigkeiten soll es in der ärztlichen Ausbildung darum gehen, welche Einflüsse von Familie, Gesellschaft und Umwelt auf die Gesundheit einwirken.

Auch ethische Grundlagen ärztlichen Verhaltens und praktische Erfahrungen im Umgang mit Patientinnen und Patienten sollen vermittelt werden, überall hier spielen Gender-Aspekte eine wichtige Rolle. Aber nicht nur die Bundesregierung ist hier gefordert, im Bereich der Fort- und Weiterbildung sind auch die Bundesländer und Landesärztekammern gefragt.

Gleichzeitig gehört es zu den Aufgaben der Ärzteschaft, in den Patientenschutz, das heißt in Aktivitäten zur Patientensicherheit und in das individuelle Arzt-Patienten-Verhältnis, Gender-Aspekte einzubeziehen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Bundesamt für Soziale Sicherung

Kampf gegen Upcoding: Kassenaufsicht gelähmt von Bürokratie

Praxiswissen und Innovation

Neuauflage des Tages der Privatmedizin am 21. November

Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kleine konkrete Schritte

So lassen sich Patienten zu mehr Therapieadhärenz motivieren

Lesetipps
KI erleichtert Hackern Angriffe ernorm. Praxen sollten zumindest einmal überlegen, ob sie sich gegen solche Störungen absichern wollen, etwa mit Blick auf den Betriebsstillstand.

© Klaus Ohlenschläger / picture alliance

Für wenige Hundert Euro im Jahr

Warum Ärzte über eine Cyberversicherung nachdenken sollten

An Asian senior man’s hand relax on the bed side while sleeping

© Reagan Liew Zhi Sin / Getty Images / iStock

Pflichten, Abrechnung und Angehörigenwünsche

Worauf es bei der ärztlichen Leichenschau ankommt