Ärzte Zeitung, 10.06.2015

Psycho-Honorare

KVWL macht Therapeuten wenig Hoffnung

Bei der Vertreterversammlung signalisiert der KV-Vorstand zwar Unterstützung, verweist aber auf die harte Haltung der Kassen im Bewertungsausschuss. Die Psychotherapeuten indes suchen Koalitionen mit den Fachärzten.

Von Ilse Schlingensiepen

DORTMUND. Bei der Anpassung der psychotherapeutischen Vergütung wird es am 23. Juni im Bewertungsausschuss voraussichtlich keine Einigung zwischen Ärzten und Krankenkassen geben.

"Fakt ist, dass die Ärzteseite eine Erhöhung der Vergütung vorgeschlagen hat, welche die Kassenseite auf keinen Fall mittragen will", berichtete der 2. Vorsitzende der KV Westfalen-Lippe (KVWL) Dr. Gerhard Nordmann auf der Vertreterversammlung (VV) in Dortmund.

Wenn der Bewertungsausschuss kein Einvernehmen herstellen kann, wird der Erweiterte Bewertungsausschuss angerufen. "Was immer am Ende dieses jetzt in Bewegung gekommenen Prozesses stehen wird: Ich kann nur mit einer Lösung leben, die sowohl den Interessen der Psychotherapeuten als auch denen der Fachärzte Rechnung trägt", sagte Nordmann.

Nicht zu Lasten der Fachärzte

Grundsätzlich hält der KV-Vorstandsvize er die Forderung der Psychotherapeuten nach einer Erhöhung der Vergütung für berechtigt. Die unbestritten notwendigen Verbesserungen in der Psychotherapie dürften aber nicht zu Lasten der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung der Fachärzte gehen, stellte er klar.

Vor der KVWL-VV hatten in Dortmund rund 70 Psychotherapeuten für bessere Honorare demonstriert. "Psychotherapeuten sind hochqualifizierte und schlecht bezahlte Fachkräfte im Gesundheitswesen", sagte die Psychotherapeutin Angelika Enzian, die Schriftführerin der VV ist. "Das trifft gleichermaßen auf ärztliche Psychotherapeuten, psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten zu."

Es gehe den Psychotherapeuten nicht um eine Umverteilung der Gesamtvergütung, betonte Enzian. Ärzte und Psychotherapeuten hätten Anspruch auf eine angemessene Vergütung. Eines sei aber klar: "Es ist nicht die Verantwortung der Psychotherapeuten zu klären, wo das Geld herkommen soll."

"Schere geht weiter auseinander"

Ihr Kollege Manfred Radau verwies darauf, dass die Vergütung der Ärzte in den vergangenen Jahren deutlich stärker zugelegt habe als die der Psychotherapeuten. "Die Schere zwischen den Honoraren klafft immer weiter auseinander." Radau sieht den KVWL-Vorstand in der Pflicht, sich sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene stärker für die Belange der Psychotherapeuten einzusetzen.

Eine zentrale Forderung sei die bessere Vergütung des psychotherapeutischen Gesprächs. Die Gebührenordnungs-Ziffern 23.220 und 22.220 würden immer schlechter bezahlt, die Abstaffelung komme verschärfend hinzu. "Für eine Stunde Arbeit bekommen wir weniger als 50 Euro", kritisierte Radau.

Die Psychotherapeuten kämpften für gute Koalitionen mit den Fachärzten, den KVen und der KBV, sagte die Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin Dr. Elisabeth Störmann-Gaede.

"Wir bitten um Solidarität, um durchzubringen, dass die Krankenkassen die Rechnung bezahlen, denn sie brauchen die dringend notwendigen Behandlungen für ihre Versicherten, für unsere psychisch und psychosomatisch kranken Patienten."

[10.06.2015, 10:02:26]
Dr. Heiner Heister 
Nicht wenige Fachärzte sind Psychotherapeuten
Deshalb ist die Formulierung, dass "die Psychotherapeuten" Koalitionen mit "den Fachärzten" suchen, falsch.
Die KV-Diktion "Ärzte und Psychotherapeuten", derer die Autorin des Artikels sich bedient,ist falsch, weil sie suggeriert, es handele sich bei "Ärzten" und "Psychotherapeuten" um getrennte Entitäten.
So entsteht viel Verwirrung, die Interessengruppen methodisch für sich nutzen.
Solte der Journalistin das nicht bekannt sein? zum Beitrag »

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