Ärzte Zeitung, 17.06.2015

IGeL

Plädoyer für Zurückhaltung

Der Bremer Hausärzteverband unterstützt die Grundsätze der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin zum Thema IGeL.

BREMEN. Im Zentrum hausärztlicher Arbeit soll das Vertrauensverhältnis zu den Patienten stehen, deshalb sind IGeL-Angbote mit größter Vorsicht zu behandeln.

Hinter diesen Grundsatz der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hat sich der Bremer Hausärzteverband gestellt und zugleich für ein besonnenes IGeLn plädiert. Das teilt Dr. Günther Egidi vom Bremer Hausärzteverband mit.

"Ein großer Teil der (...) angebotenen Selbstzahlerleistungen nützt nicht oder ist möglicherweise sogar schädlich", befindet die DEGAM.

"Anders als beispielsweise die Praxis eines Schönheitschirurgen, der in Kenntnis der potenziellen Kosten gezielt aufgesucht wird, lebt die Hausarztpraxis davon, dass sich Patienten in gesundheitlichen und emotionalen Notlagen vertrauensvoll an sie wenden können", so der Hausärzteverband. Deshalb sollen IGeL-Angebote nur zurückhaltend gemacht werden.

Trotzdem sei nicht jedes IGeLn verwerflich. Damit Selbstzahlerleistungen den gesetzlichen Bedingungen genügen und nicht das Vertrauensverhältnis zu den Patienten zu zerstören drohen, sollten wenigstens minimale Bedingungen erfüllt sein, so der Hausärzteverband: So sollte eine Preisliste aushängen, die Patienten müssten über die IGeL aufgeklärt werden und Alternativen zum Angebot erfahren.

Weiterhin fordert der Hausärzteverband, es dürften nur medizinisch sinnvolle Angebote gemacht werden. Dabei solle die GOÄ als Berechnungsgrundlage dienen.

Schließlich gelte: Keine Selbstzahlerleistungen dürfen zum Zweck der Geldeinnahme angeboten werden. "Zugleich fordern Berufs- und Wettbewerbsrecht, dass ärztliche Leistungen außerhalb des Spektrums, das von der GKV finanziert wird, nicht im Sinn einer Wettbewerbs-Verzerrung generell kostenfrei abgegeben werden dürfen", so der Hausärzteverband.

Die Kriterien sollen nun in den Hausarztpraxen der Verbandsmitglieder vorgehalten werden, so Egidi. (cben)

[17.06.2015, 18:23:56]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
alles ist bei Ärzten selbstverständlich "verwerflich" ob mit oder ohne Kosten
[17.06.2015, 16:59:15]
Peter Friemelt 
Lieber Dr. Egidi, vielen Dank für diese Initiative
und für die klaren Worte.
Eins noch: Der Wunsch nach der IGeL muss vom Patienten ausgehen, der Arzt muss sich zurückhalten. So steht es in der Broschüre zu Selbstzahlerleistungen der KV Bayerns. Wenn die Vereinbarung für eine IGeL so entsteht, ist das vollkommen in Ordnung.

@ Dr. Panitz
Sehr geehrter Herr Dr. Panitz,

Freemed ist keine unabhängige Information, sondern eine IGeL-freundliche von IGeL-Ärzten betriebene Seite. Ich weiß selber, dass es sinnvolle IGeL-Leistungen gibt, aber die sollten dann auch Kassenleistungen werden.
Ich würde mich freuen, wenn Sie sich dafür einsetzen bei Ihren ärztlichen Kollegen im Gemeinsamen Bundesausschuss.
Peter Friemelt, Patientenberater zum Beitrag »
[17.06.2015, 08:37:52]
Dr. Norbert Panitz 
Populismus, Unkenntnis und berechtigte Sorge
In Zukunft werden Patienten und Ärzte sich darüber selbst ein Urteil verschaffen können. Dass Selbstzahlerleistungen ganz sicher nicht zu einem großen Teil unsinnig sind, erfahren sie ( in diesem Fall auch der Bremer Hausarztverband), wenn sie sich über 450 Leistungen auf dem Patienteninformationsportal free-med informieren. Dort erfährt die Öffentlichkeit patientengerecht aufbereitet, wie wissenschaftliche ärztliche Fachgesellschaften Selbstzahlerleistungen aus dem Fachgebiet ( Freie Gesundheitsleistungen) definieren, standardisieren, welche Indikationen, Qualifikationsvoraussetzungen, Risiken, welche Nebenwirkungen, welche Kostenrahmen u.a.m. bestehen. Der Deutsche Hausarztverband und die DEGAM sind ebenfalls aufgefordert sich detailliert und fachkundig in den Klärungsprozess einzubringen, denn weit mehr als 100 Selbstzahlerleistungen werden von Hausärzten erbracht, im Übrigen meist sinnvollen und gut begründeten ( lesen Sie nach!).
Sicher ist die Sorge um den Ruf der Ärzte berechtigt, die ÄGGP formuliert aber mit free-med eine Antwort auf den Ruf der Patienten nach Aufklärung und Information.  zum Beitrag »

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