Ärzte Zeitung, 02.07.2015

Pflegestellen

Niedersachsen will Nachschlag

In der Klinikreform sind 660 Millionen Euro vorgesehen - Niedersachsen will aber doppelt so viel.

HANNOVER. Niedersachsen Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) will sich im Bundesrat für eine Verdoppelung des Budgets für das Pflegestellenprogramm einsetzen. Das bestätigt ihr Sprecher, Uwe Hildebrandt, der "Ärzte Zeitung".

"In den Krankenhäusern müssen künftig mehr Pflegefachkräfte eingesetzt werden, damit das Hin-und-Her-Gehetze der Beschäftigten ein Ende hat. Nicht selten werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihrem freien Tag einbestellt, weil auf der Station krankheitsbedingt Land unter ist", erklärte Rundt auf Anfrage.

Laut Krankenhausstrukturgesetz sollen nach Worten Rundts zwischen 2016 und 2018 rund 660 Millionen Euro zusätzlich in die Pflege am Bett fließen. "Allerdings reicht dieser Betrag noch nicht aus. Ich setze mich jetzt in Abstimmung mit anderen Bundesländern für eine Verdopplung des Betrags ein", teilte Rundt mit.

Hintergrund von Rundts Äußerung ist eine Statistik der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Danach arbeiten in Niedersachsens Krankenhäusern immer weniger Schwestern und Pfleger. 1991 zählte die Stiftung rund 24.800 Vollzeitstellen, im Jahr 2013 waren es 2000 weniger. Das Minus in Niedersachsen beträgt 6,94 Prozent.

Unterdessen stieg die Zahl der ärztlichen Vollzeitstellen im selben Zeitraum deutlich, und zwar von rund 7700 auf 12. 00, so die Stiftung Patientenschutz. Das bedeutet eine Steigerung von 57 Prozent.

Man dürfe Ärzte und Pflegekräfte nicht gegeneinander ausspielen, sagte Rundt. "Der Anstieg der Ärztezahl an Kliniken seit 1991 um 57 Prozent erklärt sich insbesondere auch durch die hohen medizinischen Standards, die wir den Patienten inzwischen anbieten können" so Rundt.

Rundt hatte als Vertreterin der Flächenländer in der Bund-Länder-AG zum Krankenhausstrukturgesetz mitverhandelt. Es wird am Donnerstag erstmals im Bundestag beraten. (cben)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »