Ärzte Zeitung, 24.07.2015

KBV fordert

Medikationsplan erst ab fünf Arzneien

Für den im E-Health- Gesetz geplanten Medikationsplan fordert die KBV verbindliche Standards. Die das Selbstverwaltungsorgan natürlich auch zertifizieren will.

BERLIN. Die KBV will beim geplanten Medikationsplan stärker mitmischen. Zum einen fordert sie eine verbindliche Zertifizierung der Praxissoftware-Häuser für eine entsprechende Anwendung innerhalb ihrer Systeme.

Zum anderen solle der Anspruch der Patienten auf den Medikationsplan - wie in der Ursprungsversion des E-Health-Gesetzes vorgesehen - erst ab fünf verordneten Arzneien gelten. Hier hatte das Bundeskabinett noch einmal nachgebessert und den Anspruch schon ab drei Arzneien festgeschrieben.

Die Standesvertretung befürchtet, dass es ohne konkrete Vorgaben und Verpflichtungen schwer sein wird, die Praxissoftware-Hersteller dazu zu bewegen, die entsprechenden Funktionen in der geforderten Zeit und Qualität bereitzustellen.

"Deshalb schlagen wir vor, die etablierten Zertifizierungsverfahren der KBV auch auf die Funktionalitäten des Medikationsplans auszuweiten", sagt KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldmann (wie kurz berichtet).

Den Nachteil einer solchen Zertifizierung nennt die KBV allerdings nicht: Damit könnten die Softwarepflegekosten steigen, da das Zertifizierungsverfahren die Hersteller natürlich auch Geld kostet.

Doppelt so viele anspruchsberechtigte Patienten

Warum der Anspruch der Patienten auf den Medikationsplan erst ab fünf Arzneien gelten soll, begründet die KBV wie folgt: "Kritisch wird es in der Regel erst, wenn die Patienten fünf Wirkstoffe oder mehr einnehmen müssen", so Feldmann.

Das ginge aus der internationalen Literatur, Studien und Modellprojekten hervor. Außerdem würde bei einer Schwelle von drei Medikamenten Schätzungen zufolge der Kreis der anspruchsberechtigten Patienten von rund 7,5 Millionen Versicherten auf etwa das Doppelte steigen.

Dies wäre laut Feldmann mit einer hohen Belastung insbesondere für den hausärztlichen Versorgungsbereich verbunden. Bei weniger als fünf Medikamenten sollte ihrer Meinung nach vielmehr der Arzt im Einzelfall entscheiden, ob ein Medikationsplan sinnvoll wäre. (reh)

[27.07.2015, 08:17:58]
Thomas Sitte 
Medikationsplan auch ohne Polypragmasie sinnvoll
Als Schmerztherapeut und in der Palliativversorgung habe ich es mir angewöhnt, bei allen Patienten immer einen Medikationsplan zu erstellen. Erstens ist es für die eigene Dokumentation sinnvoll. Zweitens habe ich so dokumentiert, dass ich auch erfragt habe, wer sonst noch Verordnungen erstellt hat (ja! Alle Medikamente von allen Kollegen werden erfasst). Drittens hat so auch immer jeder andere Kollege, der danach mitverhandelt die Medikationsdaten und auch meine Kontaktdaten auf einen Blick und auch hoffentlich wirklich korrekt vorliegen.

Wo ist das Problem? Der Minimalaufwand von weniger als 1 min bei ein, zwei oder drei Medikamenten?
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »