Ärzte Zeitung online, 27.08.2015

KBV kritisiert GKV

Kassen hätten Beiträge halten sollen

BERLIN. Nach Auffassung der KBV sind die Krankenkassen an ihrem Defizit von rund 500 Millionen Euro im ersten Halbjahr selbst Schuld - sie hätten die Beiträge zum Jahresbeginn nicht senken dürfen.

So sei der durchschnittliche Beitragssatz von 15,5 auf 14,43 Prozent gesenkt worden - diese nur kleine Differenz von 0,07 Prozentpunkten habe aber einen Einnahmeausfall von 900 Millionen Euro verursacht.

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen: "Damit ist klar, woher das Defizit rührt."

ZI-Geschäftsführer Dr. Dominik von Stillfried plädierte dafür, die offiziellen Zahlen des Gesundheitsministeriums abzuwarten, die in der nächsten Woche publiziert werden.

Nach Daten des ersten Quartals hätten die Kassen - bei einem Verzicht auf Beitragsatzsenkungen - einen Überschuss erzielt.

Bei Finanzreserven von gut 25 Milliarden Euro sei die Finanzsituation im Gesamtsystem "mehr als positiv". Das werde sich auch zur Jahresmitte nicht ändern. (HL)

[31.08.2015, 23:17:45]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
@ Tobias Mittmann - stellvertretender Vorstand - energie-BKK
Sie haben natürlich recht, dass der an der Technischen Universität Dortmund (TUDO) lehrende Finanzwissenschaftler und WiSo-VWL (Öffentliche Finanzen) Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Wolfram F. Richter dieses Problem erkannt hatte, als er den Gesundheitsfonds inaugurierte.

Aber Sie stimmen mir sicherlich zu, dass die monatlichen Abschlagszahlungen des Gesundheitsfonds, die an die GKV-Kassen gehen, jederzeit modifiziert und angepasst werden können, wenn es die Kassenlage erfordert, und die GKV-Beitragseinnahmen bei unvorhersehbaren Konjunkturaufschwüngen, Tariferhöhungen und Sonderzahlungen im 2. Halbjahr ansteigen.

Als Puffer sind dafür nicht nur die Rücklagen des Gesundheitsfonds von 9,8 Milliarden Euro (Stand Ende März 2015), sondern auch die milliardenschweren Reserven der GKV-Kassen von rund 15,5 Milliarden Euro (Stand Ende März 2015) vorgesehen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »
[31.08.2015, 08:50:34]
Tobias Mittmann 
Prämien vs. Beitragssätze - hinkender Vergleich
KFZ-Prämien sind meines Wissens nach kein prozentualer Anteil am Einkommen, oder? Beitragsätze sehr wohl.

Über den prozentualen Anteil (am "steigenden" Einkommen) sollte dem medizinisch technischen Fortschritt (und damit den absoluten Kosten) Rechnung getragen werden bzw. mit diesen Schritt gehalten werden.

...und wer hier wann lügt, lasse ich mal unkommentiert dahingestellt. zum Beitrag »
[28.08.2015, 16:21:57]
Dr. Henning Fischer 
Die Krankensparkassen haben damals Rösler mit einer 11-Milliarden-Defizit-Drohung vor sich her getrieben

und wer einmal lügt. dem glaubt man nicht.

Im übrigen müssen demografische Entwicklung und Fortschritte der Medizin zu höheren Kosten und Beiträgen führen, auch wenn die Krankensparkassen seit Jahrzehnten durch massiven gesetzlich sanktionierten Honorarbetrug an Kassenärzten Geld für sich selber einsparen (siehe Kommentare des Bundesrechnungshofs, dem die Haare zu Berge standen angesichts der Verschwendung)( KVWL: "die Krankenkassen bezahlen nur 62% der erbrachten Leistungen. Wir behandeln Sie trotzdem")

Hat sich schon mal jemand darüber aufgeregt, daß die Kfz-Haftpflichtprämien regelmäßig steigen?

 zum Beitrag »
[28.08.2015, 12:55:32]
Tobias Mittmann 
Vermögen ist endlich
Die Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds, das ist der Topf, der die Schwankungen (Beiträge aus Einmalzahlung) abfedern soll, schmilzt kontinuierlich zusammen. Ebenso ist es mit den Rücklagen der Kassen. Nicht nur in 2015, sondern dies bereits in den letzten Jahren. Hierbei reden wir nicht über 2 Prozent, wie in Ihrem Beispiel Herr Dr. Fischer, sondern über ca. 20 Prozent. Dabei habe ich die gesetzlichen Vorschriften zur Mindestreserve nicht einmal berücksichtigt!!Die aktuelle Gesetzgebung kostet weiteres Geld.

Können die Kassen nicht mehr aus den Rücklagen zehren, werden die Beitragssätze steigen. Die Rechnungen zahlen die Versicherten allein, da der paritätisch finanzierte Beitragssatz festgeschrieben ist. So einfach ist das! Ich kann noch immer keine Inszenierung erkennen!!!

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[28.08.2015, 11:21:58]
Dr. Henning Fischer 
wenn ich 50.000 Euro auf dem Konto habe

und zum richtigen Zeitpunkt über 1000 Euro Verlust klage

dann dürfte das schon inszeniert sein, oder?
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[28.08.2015, 08:22:30]
Tobias Mittmann 
Fakt und Fiktion
Lieber Herr Dr. Schätzler,

Ihre Ausführungen zur Kassenfinanzierung stimmen - allerdings nur bis zum Jahr 2009.

Seither erhalten die Kassen vom Gesundheitsfonds monatliche Abschläge, darin sind die zusätzlichen Beitragseinnahmen aus den Einmalzahlungen bereits inkludiert.

Von einer Inszenierung kann hier wohl sicher nicht die Rede sein.

Beste Grüße

Tobias Mittmann zum Beitrag »
[27.08.2015, 15:14:01]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Fakt und Fiktion
Auch "unser" KBV-Chef, Dr. med. Andreas Gassen, hat offensichtlich noch gar nicht begriffen, dass der "gefakte" Klagegesang des Spitzenverbandes Bund (SpiBu) der Gesetzlichen Krankenkassen eine reine Insszenierung ist: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) soll bei laufenden Honorarverhandlungen der GKV-Vertragspartner mit ihren Forderungen nach Kassenhonorar-Steigerungen möglichst kurz gehalten werden.

GKV-Kassenfunktionäre und ihre Pressesprecher beten KBV-Chef Dr. med. Andreas Gassen vor, was betriebs- und volkswirtschaftliche Laien sofort erkennen bzw. korrigieren können: Die ersten beiden Quartale im Jahr mit 6 Monatsbeiträgen an Renten- und Krankenversicherungs-Abgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bringen wesentlich w e n i g e r ein, als die Quartale 3 und 4 mit z u s ä t z l i c h e m Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Dies entspricht im 2. Halbjahr etwa 7 Monatsbeiträgen für die dann sprudelnden GKV-Kassen: Ein sattes Plus von knapp 16,7 Prozent Mehreinnahmen!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

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